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| Do u. Fr ab 18 Uhr, Sa von 12-15 Uhr u. ab 18 Uhr, So-Mi Ruhetag |
| Hauptgerichte: 58 €, Menüs: 159-195 € |
Auch wenn Bayern vergleichsweise reich mit attraktiven Wirtshäusern gesegnet ist – so etwas wie der Huberwirt im unscheinbar-beschaulichen Pleiskirchen ist auch hier eine Ausnahmeerscheinung. Und das liegt vor allem daran, dass der traditionsreiche Familienbetrieb einerseits klar zu seinen Wurzeln steht, die Traditionen pflegt und lebendig hält, andererseits aber doch deutlich mehr ist als „nur“ ein Wirtshaus. Hier gehen Stammtisch und Vereinsfeiern auf der einen Seite und anspruchsvolle Küche auf der anderen so unaufgeregt natürlich und ganz selbstverständlich einher, wie nur an ganz wenigen anderen Orten hierzulande.
Dass Alexander Huber als Mitglied der Jeunes Restaurateurs bestens vernetzt und stets auf dem aktuellen Stand ist, macht dabei sicherlich nur einen Baustein von vielen aus – unter anderem stärkt es die durchweg bemerkenswert hohe Qualität aller verwendeten Produkte – letztlich trägt aber das gesamte Team rund um den Chef und Gastgeberin Sandra Huber zum Erfolg des einzigartigen Konzepts bei. Da wir es in den vergangenen Jahren immer ganz besonders gefeiert haben, dass hier Wirtshauskultur und Fine Dining Hand in Hand gehen, man als Gast in der gleichen Speisekarte auf der einen Seite bayerische Traditionsgerichte oder etwas kreativer interpretiertes bayerisches Soulfood und auf der anderen ein exklusiveres und modernes Gourmetmenü zur Auswahl hatte, fanden wir es fast ein bisschen schade, dass das Fine Dining nun als eigenes Restaurantkonzept separiert wurde.
Ob sich die Küche dadurch mittelfristig noch ausgefeilter präsentiert, wird die Zukunft zeigen. Der individuelle Charme des bisherigen Konzepts geht dadurch aber natürlich ein wenig verloren. Für das Team des Huberwirts wird das natürlich seine Vorteile haben, weil sich das Angebot im Gourmetrestaurant eben nur noch auf eine Richtung fokussiert. Was die Bewertung angeht, ändert sich für uns erst mal nichts, weil sich die aktuell vergebenen 8 Pfannen ohnehin ausschließlich auf das Niveau des Gourmetmenüs bezogen haben. Die letzten Eindrücke aus diesem holten wir uns aber noch im Rahmen des alten Mischkonzepts – durchaus möglich also, dass das Alexander Huber und sein Team künftig sogar noch eine Schippe drauflegen. Was das angeht, sind wir sehr gespannt.
Zuletzt starteten wir jedenfalls typisch ausdrucksstark mit einer extrem saftigen Schmorfleischpraline und einer cremig gefüllten, auf einen hauchdünnen Knusperteig platzierten Praline mit intensiver Wildkräuterwürze in zartem Tomatengelee. Noch elaborierter wurde es dann beim ersten offiziellen Gang, in dem Bauch vom Thunfisch mit der typisch starken Marmorierung und feinem Schmelz in einem von heller Sojawürze geprägten Fond angerichtet war. Obenauf Röllchen aus knackig mariniertem Kürbis rund um subtil angeschärften Kürbisstampf und eingelegte Buchenpilze; unangefochtener Blickfang – und sowohl auflockernd knusprig als auch frisch und klar – war aber die aus sepiaschwarzem Hippenteig gebackene „Fischgräte“ mit Thunfischtatar, limonenfrischen Mayo-Tupfen und Kräuterspitzen.
Wie gut das Team auch ganz ohne Fisch und Fleisch zurechtkommt, zeigte der vielfältig variierte Knollensellerie, der seine typisch markante Würze als geschmorter und rundum kolorierter Quader, als zarte Creme und knuspriges Stroh neben mariniertem und kross frittiertem „Tanzpilz“ ausspielte und dabei vom Pilz nochmal zusätzlich intensiv waldiges Umami mitbekam. Für den trotz dieser vegetarischen Power-Komponente betont Frischen und vibrierend leichten Charakter des gesamten Tellers sorgten außerdem herbfruchtig eingelegte Zwetschgen und eine auf Basis von Verjus und Kräuteröl komponierte Vinaigrette, deren frischgrüne Aromen noch zusätzlich von Vogelmiere verstärkt wurde. Die optional dazu angebotene, kross und saftig auf der Haut gebratene Seeforelle machte neben dem abwechslungsreichen Ensemble ebenfalls eine gute Figur, wertete das Gericht konzeptionell aber letztlich gar nicht allzu sehr auf…
Anders beim zart aufblätternden, glasklar schmeckenden Zanderfilet, das unter einer locker aufgetürmten Haube kleiner Schwarzbrot-Croûtons klar im Mittelpunkt des Hauptgangs stand. Daneben lieferten soft gegarte und markant angeröstete Lauchherzen, ein gebackenes Eigelb und frischgrüne Lauchespuma vor allem Schmelz und Tiefe. Die dringend nötige Frische kam von einem luftigen, aber dennoch fokussierten und substanzstarken Weißweinschaum. Hier wären mit minimalem Feintuning wie einer etwas kürzeren Garzeit und damit stärker fließenden Eigelb noch etwas Luft nach oben gewesen, aber abgesehen davon war auch das ein bestens durchdachter und höchst souverän umgesetzter Teller.
Und das galt dann genauso für das ganz ähnlich bereits aus einem früheren Besuch bekannten Dessert, in dem Intensiv herbfruchtige Preiselbeere neben helle und dunkle Schokolade sowie den knallig auffrischenden Kontrast von Kerbeleis und frischen Kerbelspitzen gestellt wurde. Zu alldem sorgt das sympathisch locker und zugewandt agierende Serviceteam nicht nur für ansteckend gute Laune, sondern auch für niveauvoll gefüllte und bestens auf die Gerichte abgestimmte Weingläser. Und auch ganz generell dafür, dass es einem zu keinem Zeitpunkt an irgendetwas mangelt.
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