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| Mi-Sa ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag |
| Menüs: 98-172 € |
Den hochherrschaftlichen Rahmen des Schlosshotels im grünen Essener Süden, in dem das Gourmetrestaurant 1831 residiert, muss man nicht als Hemmschwelle fürchten. Das in einer Art lichtem Wintergartenanbau auf der Gebäuderückseite des Haupthauses untergebrachte und seit der Wiedereröffnung im Jahr 2022 federführend von Küchenchef Dominik Schab bekochte Fine-Dining-Lokal wird von einem jungen Team locker und unverkrampft bespielt. Und auch sonst herrscht in dem Ambiente mit Holzboden und freigelegtem Mauerwerk eine entspannte Atmosphäre auf.
Und in dieses historische Ambiente ohne schwülstige Schwere passt auch sehr gut die hier gepflegte Kulinarik, die auf modern-kreativer französischer Klassik fußt und neben dem omnivoren Menü auch eine vegetarische Variante in vier oder sechs Gängen plus Käsegang und Supplements umfasst. Nachdem bei unserem Vorjahres-Testbesuch die ersten Kleinigkeiten noch recht unauffällig daherkamen, waren bei unserer jüngsten Visite schon die drei Apero-Snacks richtige Knaller. Insbesondere ein mit Ceviche und jalapenoscharfem Garum von der Garnele sowie gesalzener und getrockneter Pflaume im Umeboshi-Stil gefülltes knuspriges Tartelette-Schälchen.
Aber auch ein verblüffend authentisch die Aromen und das Mundgefühl einer Tom-Kha-Gai an den Gaumen zauberndes Türmchen, das aus verschiedenen Komponenten von zartkrossem Baiser über eine flüssig gefüllte Praline bis zur Hippe übereinandergeschichtet war: komplex und markant, aber auch klar und präzise! Der vegetarische Auftakt des Menüs mit dehydrierter Roter Bete, fermentiertem schwarzem Rettich, mariniertem grünem Apfel und krossem Wirsing, auf einem vegetarischem Gulaschsud, war ebenfalls ein raffiniertes geschichtetes Türmchen, das mit perfekt balancierter Säure und Schärfe den Gaumen kitzelte.
Ein unfassbar gutes, kraftvolles, vollmundiges Gericht mit vielen Nuancen gelang rund um die auf Holzkohle saftig-röstig angegrillte Makrele, die mit eingelegten Gurken und Radieschen sowie einer voluminös schaumig-dichten Fisch- und Krustentiersauce kombiniert wurde. Letztere ging mit ihrer unaufdringlichen, fast schon karamelligen Süße und ihrem Schmelz sehr spannungsgeladen mit der Säure eines transparenten Suds in Interaktion. Und auch die darin eingelegten Gurken- und Radieschenperlen ploppten dazwischen immer wieder reizvoll mit fruchtiger Säure auf. Der naturgemäß sehr ausdrucksstarke Fisch fühlte sich in diesem Umfeld so richtig wohl, konnte sich selbst voll behaupten und profitierte zudem noch von seinen Begleitern maximal. Ganz stark!
Ein süffiges Soulfood-Gericht hatte das Team schließlich bei dem mit Creme von Schwarzwurzel, Marone und Birne gefüllten Raviolo im Sinn, der sich unter feinwürzigem Mimolette-Schaum und reichlich geraspelter schwarzer Trüffel versteckt hielt. Knackige Sticks sowie knusprige Chips von der Schwarzwurzel passten da nicht nur aromatisch gut ins Bild, sondern lieferten auch den auflockernden Kontrast zu den ansonsten überwiegend weichen Texturen dieses Gerichts.
Als eindrucksvoll produktpointierte, zugleich aber auch enorm facettenreiche Komposition präsentierte sich im Hauptgang die Taube mit Grünkohl und Kirsche. Denn angefangen bei der mit einer kernigen Mandelkruste belegten Brust über eine schmelzige Geleekapsel mit Tauben-Rilettes, eine mit Creme aus Taubenleber gefüllte Kirsche und eine mit Innereienfarce gefüllte Gewürzbrot-Schnitte bis hin zur tiefen und zugleich zugespitzten Taubenjus war das Geflügel hier in aller Vielseitigkeit und ohne Verlegenheits-Beilagen auf dem Teller präsent. Eine solche war auch nicht das im kleinen Gläschen à part dazu gestellte Löffel-Schichtwerk aus sautiertem, schaumigem und knusprigem Grünkohl, denn auch das matchte richtig gut mit den Aromen der Taube und war deutlich mehr als überflüssiger Zierrat.
Ein nicht unspannendes Match waren zum Dessert auch Blutorange und Radicchio, deren Säure und Bitteraromen sanft von Schokoladenmousse und Karamellcreme eingefangen und harmonisiert wurden. Doch fast schon zu sehr, wie uns schien, denn etwas mehr Mut zu Ecken und Kanten hätte das Team hier durchaus noch wagen können. Aber auch in dieser recht gefälligen Art war das ein attraktiver, origineller Abschluss, der die in den vergangenen Jahren sukzessive verfeinerte Küchenleistung spiegelte und ebenfalls klar für einen Bonuspfeil argumentierte.
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