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| Mo u. Di u. Fr ab 18 Uhr, Sa u. So von 13-16.30 Uhr (im Sommer) u. ab 18 Uhr, Mi u. Do Ruhetag |
| Hauptgerichte: 28-56 €, Menüs: 74-99 € |
Die Küche im zweiten Restaurant des Ketschauer Hofs, dessen Name, die Jahreszahl 1718, auf den Gründungsvater des heute benachbarten Weinguts Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan zurückgeht, ist mit seiner klassisch französischen Ausprägung in gewisser Weise der Gegenentwurf zu den modern-puristischen, stark fernöstlich inspirierten Kreationen, die gegenüber im überregional bekannten L.A. Jordan von und mit Daniel Schimkowitsch geboten werden. Für das, was hier in den beiden in Schwarz und Weiß gehaltenen Gasträumen mit einem zur Kulinarik passenden Stilmix aus barocken Elementen und moderner Einrichtung, sowie natürlich im Sommer auf der wunderschönen Terrasse im Innenhof des gesamten Anwesens aufgetischt wird, ist Küchenchef Mike Deuschel verantwortlich.
Er bietet hier nicht nur ein einziges, festgeschriebenes Menü, sondern daneben auch eine schöne Auswahl an attraktiven frankophilen Gerichten à la carte, unter anderem auch Zubereitungen für 2 und mehr Gäste wie ein ganzes getrüffeltes Bresse-Huhn, das in zwei Gängen serviert wird, oder eine große in Nussbutter an der Gräte gebratene Seezunge. Drei jeweils ganz schlichte, aber jedes für sich sehr präzise zubereitete Komponenten erzeugten gleich als Auftakt einen sehr ansprechenden Akkord und gaben uns beim ersten Besuch im 1718 erste Eindrücke hinsichtlich des klug auf das Wesentliche reduzierten Küchenstils: akkurat von Hand gewürfeltes und prononciert mit scharfem Senf abgeschmecktes Rindertatar, ein kräuterfrischer Sud auf Gurkenbasis und markant zitrisch zugespitzte Mayonnaise.
Diese aromatische Zuspitzung hatte der Vorspeise der fünfgängigen Menüempfehlung etwas gefehlt. Weil hier allerdings von der schön dicken Tranche eines mild gebeizten Elsässer Saiblings über die zart knackige grüne Spargelstange und den mit unter anderem Schafgarbe und Pimpinelle ansprechend vielseitig und herb gestalteten Wildkräutersalat bis zur mit Kräuteröl marmorierten Buttermilchvinaigrette einfach alles sehr natürlich, klararomatisch und frisch war, wirkte das auch wieder sehr stimmig und ausgewogen.
Dass Mike Deuschel ohnehin sehr besonnen würzt und im Zweifelsfall lieber die natürliche Kraft der Produkte für sich sprechen lässt, zeigte auch die zwar aromentypische, aber auch eher leichte Bouillabaisse, aus der wir neben dem bereits bekannten Elsässer Saibling auch noch die Salzwasser-Artgenossen Wolfsbarsch und Steinbutt als kleine, optimal sanft gegarte Filetstückchen löffeln durften. Ergänzt von einer mit dünn gehobeltem und mild mariniertem Fenchel bestückten und mit Comté überbackenen Röstbrotscheibe sowie etwas Sauce Rouille entstand da trotzdem ein herzhaftes Geschmacksbild, wie man es sich von der klassischen südfranzösischen Fischsuppe in jeder Variante erwartet.
Auch mit dem Steinbutt gab’s noch ein Wiedersehen, was ob seiner beachtlichen Qualität kein Manko war. Das auf der Oberseite goldgelb colorierte und im Kern perfekt saftige Filet lag in ganz klassischer Manier auf etwas Blattspinat in einer süffigen Melange aus Kartoffelcreme und Beurre blanc. Auch hier war alles sehr behutsam gewürzt, aromatisch weich und rund gehalten, auch die Sauce kam eher rahmig und aromatisch mild als weinfruchtig und säuerlich zugespitzt daher – ein sehr auf Harmonie bedachtes Geschmacksbild, fast ein wenig wie in Watte gepackt.
Kraftvoller und tiefer wurde es erwartungsgemäß mit der Kombination von sehr gut gereiftem, ausdrucksstarkem Rinderfilet und geduldig geschmortem, in Jus getränktem Ochsenschwanz. Die als „geschmolzene Stopfleber“ annoncierte Foie gras war erfreulicherweise ein sehr festes, frisches Exemplar und so bereicherte die auf den Flächen scharf gebratene und im Kern eben nicht zerfließende Scheibe mit reintönigem Geschmack das Ensemble nicht nur als Trägermaterial für die rotweinfruchtigen Schmorschalotten, die darauf thronten. Und mehr als eine maximal buttrige, dunkelgelbe Kartoffelmousseline sowie eine gut zwischen roter Frucht und fleischiger Würze ausgewogene Jus brauchte es auch hier nicht, um einen gelungenen Hauptgang zu kreieren, der eigentlich alles halten konnte, was er versprach.
Und das tat im Grunde auch das Dessert: ein klassischer Crêpe Suzette mit Sauce Grand Marnier und einer kleinen Nocke ganz hervorragendes, vollautomatisches Vanilleeis. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und so schloss das Menü, wie es begonnen hatte – mit drei jeweils ganz schlichten, aber jedes für sich sehr präzise zubereiteten Komponenten, die einen ansprechenden Schlussakkord anstimmten. Dass man sich das alles mit sehr vielen attraktiven Weinen aus ganz nah und sehr fern garnieren kann, ist in einem Haus, zu dem auch drei der renommiertesten Weingüter der Pfalz gehören, keine Überraschung.
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