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| Mi-Sa ab 17.30 Uhr, So-Di Ruhetag |
| Menüs: 54-83 € |
In der gastro-kulinarisch nicht sonderlich attraktiven Gegend zwischen nördlichem Teutoburger Wald und ostfriesischer Nordseeküste halten Ina Stuke und Timo Plenter im Städtchen Friesoythe seit 2022 mit ihrem Restaurant „Regional Friesoythe“ die Fahnen des guten Geschmacks weit hoch. Wie der Name schon verrät, setzen die beiden in den großzügigen Räumlichkeiten mit dem bodenständig-ländlichen Charme einer behutsam modernisierten traditionellen Gastwirtschaft auf heimische Produkte. Und zwar beachtlich konsequent, denn die allermeisten Viktualien stammen von engagierten Erzeugern aus einem Umkreis von nicht mehr als 14 Kilometern!
Es gibt ein einheitliches Menü, das in vier, fünf oder sechs Gängen mit Käse-Option zu haben ist, sehr gegenständlich gekocht wird und ganz unverkünstelt schnörkellos auf den unverfälschten Geschmack der Produkte und Aromen abzielt. Es begann in unserem Fall mit zwei verschiedenen Grüßen aus der Küche, die sich beide um Kohl und Frucht drehten. Zunächst zweierlei unterschiedlicher Chinakohl mit Gel von Mirabellen, dann marinierter Rotkohl mit Gel von Ingwer – und vor allem bei Letzterem war das Spiel von Süße, Schärfe und Frucht gegenüber dem relativ puristisch nur mit Salz und Zucker marinierten Rotkohl auch sehr ausschlaggebend.
Der erste richtige Gang des Menüs drehte sich ebenfalls um Kohl und Frucht. Der hier verwendete Spitzkohl war allerdings mit Aromaten im Ofen gebacken und brachte somit von Haus aus ein zupackenderes Aroma mit, das in diesem Fall von Sanddorn akzentuiert wurde, dessen Säure wiederum von einer Dillvelouté harmonisch eingefangen war. Ein schnörkelloses Drei-Komponenten-Gericht, wie es typisch für die Küche von Timo Plenter ist, der sich hier als Einzelkämpfer am Herd sinnvollerweise nicht zu viel zumutet und seine Teller so konzeptioniert, dass er sie auch bei viel Betrieb souverän umsetzen kann.
Die folgende Entenbrust kam schön saftig, eigenaromatisch und zart auf den Tisch – die Haut trotzdem auch noch schön knusprig zu hinbekommen und das darunterliegende Fett weitgehend abzuschmelzen, wäre handwerklich das nächste Level gewesen. Aber auch so war das auf seine etwas rustikalere Art schmackhaft, zumal im ansprechenden Zusammenspiel mit in Apfelsaft eingekochter Senfsaat und dichter, süßlich-würziger Jus auf Gemüsebasis.
Nicht selten lässt der Chef auch einen pfiffigen aromatischen Akzent einfließen. Der Clou an der Hokkaido-Kürbissuppe mit Kürbiskernöl war zum Beispiel ein mit Zimt und Ingwer aromatisierter Buttermilchschaum on top. Ein paar herzhafte Scheiben von Galloway-Käsekrakauern, verschiedene gebratene Pilze, etwas Apfel und knackige angeröstete Gemüse wie beispielsweise Rosenkohl und Blumenkohl summierten sich bei einem weiteren Zwischengericht mit cremiger Blumenkohlschaumsauce zu einem köstlichen Vergnügen mit wohligem Grundsound und differenzierter Haptik – und stellten den nach unserem Gusto ausgereiftesten und raffiniertesten Gang des Menüs dar.
Ähnlich attraktiv war aber auch der Hauptgang, in dessen Mittelpunkt in der omnivoren Variante (die vegetarische Option wäre statt Fleisch mit Chicorée gewesen…) ein sanft bei Niedertemperatur aber ohne Plastikbeutel und Vakuum zu kernig-saftiger Struktur gegartes Stück aus der Rinderschulter stand. Das teilte sich den Teller mit confierter gelber Bete, einem süßlich-erdigen hellen Wurzelgemüsepüree, gebratener Birne und kraftvoller Rinderjus. Und das aus heimischen Zutaten eher dekonstruiert als kompakt zusammengestellte Tiramisu auf Fiesoyther Art machte uneingeschränkt Spaß.
Auf Wunsch hat die zuvorkommende Gastgeberin zum Menü die passende Weinbegleitung aus ausschließlich deutschen Gewächsen möglichst nachhaltig arbeitender Erzeuger parat, übrigens auch in einer entalkoholisierten Variante.
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