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| Mi-Sa ab 17.30 Uhr, So-Di Ruhetag |
| Menüs: 54-83 € |
Schon seit vier Jahren stehen Ina Stuke und Timo Plenter in ihrem ambitionierten Gasthaus im Zentrum des niedersächsischen Städtchens Friesoythe für eine moderne, anspruchsvolle und vor allem sehr konsequente Regionalküche, für die sie die allermeisten Viktualien von engagierten Erzeugern aus einem Umkreis von nicht mehr als 14 Kilometern beziehen. Die großzügigen Räumlichkeiten, die seit unserem letzten Besuch schon wieder etwas umgestaltet wurden und sich nun noch etwas geschmackvoller mit in dunklem Grün abgesetzten Wänden und moderner Kunst daran präsentieren, verhehlen mit bodenständig-ländlichem Charme die ehemals traditionelle Gastwirtschaft nicht. Sie zeigen aber auch selbstbewusst ein modernes Gesicht.
Es gibt ein vegetarisches und ein davon abgeleitetes omnivores Menü, das in vier, sechs oder acht Gängen serviert wird, und das weiterhin auf eine eher gegenständliche als verkünstelte oder gar technisch verfremdete Art den unverfälschten Geschmack der Produkte und Aromen ins Rampenlicht stellt. Los ging es beim letzten Mal mit einer enormen Tomatenvielfalt verschiedenster Sorten aus regionaler Permakultur, die in zwei Aufzügen in jeweils schnörkellos-sachlichen Zubereitungen als hochsommerlicher Küchengruß geschickt wurden.
Dass der Chef seinen handwerklichen, aber auch kompositorischen Feinschliff gegenüber unserem letzten Testbesuch in der vergangenen Saison nochmal nachgeschärft hat, machte dann gleich die Zucchini-Vorspeise deutlich, bei der ein mit Frischkäsecreme gefülltes Päckchen und zwei Röllchen, die auf dem Fundament eines dunkleren, geschmorten Zucchinimus angerichtet waren und dort von unterschiedlich aromatisierter Senfsaat, Verjus-Gel, Perlzwiebelsegmenten und Apfelchips auflockernd und facettenreich bespielt wurden.
Grundsätzlich gelingt es Timo Plenter sehr gut, ohne preistreibenden Riesenaufwand mit eher einfachen Mitteln für Raffinesse auf den Tellern und in den Schälchen zu sorgen. Etwa bei einem Soulfood-Löffelgericht aus dunkel, tief und „saucig“ wie ein kraftvolles Fleischragout gekochtem Wurzelgemüse unter einer schaumigen Sabajone-Haube, die wiederum mit knusprigen Kartoffelcroûtons und Schnittlauch bestreut war. Oder bei einer Interpretation des Caesars Salad mit gegrillten Salatherzen, der durch eine mit Olivenkrautöl hochgezogene Mayonnaise sowie heimischen Hartkäse und Speck die selbst definierten Herkunftsgrenzen für die Produkte nicht verlassen musste.
Die volle aromatische Ladung gelber, grüner und roter Paprika mit all ihren Schattierungen von süßlich bis bitter und von cremig bis knackig wurde als Schichtwerk mit etwas Laugengebäck-Crumbles aufgelockert. Und im bis auf den Speck beim Ceasars Salad ersten nicht vegetarischen Gang des Menüs wurde hervorragende Lachsforelle perfekt glasig, zart, trotzdem fleischig und nicht zu weich, auf zwei sich zwar nicht sonderlich voneinander unterscheidenden, aber gut mit der ebenfalls angegossenen grünen Schaumsauce auf Buttermilchbasis korrespondierenden Spinatcremes platziert. Die nussigen Aromen von Walnüssen und Salzmandeln auf dem Fisch sowie die herbale Frische etwas Vogelmiere dockten ebenfalls sehr gut daran an.
Etwas simpler gestrickt wirkten im Vergleich die beiden schmackhaften Brioche-Toastriegel, von denen einer mit vegetarischer, mehr oder weniger erfolgreich dem Geschmack von Foie gras nachempfundener Creme und Linsen, der andere mit Käsecreme und Nussflocken bestückt war. Und der Hauptgang des nicht-vegetarischen Menüs präsentierte sich als eine Art Neuinterpretation von Hühnerfrikassee, mit saftig-rösch gegartem und nachgegrilltem Brustfleisch vom Bio-Huhn, cremigen und knackigen Erbsen, in Béchamelsauce eingelullten Perlgraupen und gegrilltem Kräuterseitling. Die ebenfalls annoncierte Karotte versteckte sich in kleinen Würfeln in der dicht einreduzierten Röstgemüsejus, die ihrerseits nochmal an den zweiten Zwischengang erinnerte.
Und weil sich mit einem Sauerkirschragout zwischen Roggencrumble und Schamandschaum sowie einer fluffigen Bienenstich-Schnitte mit Blaubeere und Mascarpone nebst schmelzigem Honig-Rahmeis auch die süßen Sachen im Vergleich zum letzten Besuch optimierter präsentierten, spricht rein gar nichts gegen eine Aufwertung auf (knappe) 6 Pfannen. Auf Wunsch kredenzt Gastgeberin Ina Stuke aus ihrem ausschließlich mit deutschen Gewächsen möglichst nachhaltig arbeitender Erzeuger bestückten Sortiment je einen korrespondierenden Wein zu jedem Gang – auch mit entalkoholisierten Tropfen, falls gewünscht.
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