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Redüttchen

Kurfürstenallee 1
53177 Bonn
0228-68898840

aktualisiert: 05 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 32-45 €,Menüs: 50-87 €

Das Restaurant Redüttchen ist im Grunde nur im Zusammenspiel mit der Redoute denkbar, dem großen Prachtbau gleich nebenan. Hier wurden schon zahlreiche Staatsgäste bewirtet und unzählige Hochzeiten veranstaltet. Küchenchef Matthias Pietsch führt die Oberaufsicht über das à la carte-Geschäft hier, aber auch für große Banketts dort – und bekommt das alles erstaunlicherweise sehr gut unter einen Hut, so dass selbst für den anspruchsvollen Restaurantgast viel geboten wird. Selbiges trifft auch auf den Service zu, für den Klaus W. Sasse auf eine sehr persönliche, zugewandte Art verantwortlich zeichnet. Inklusive ausführlicher Weinberatung. Ein Gastgeber, wie er im Buche steht, wie man ihn aber heute immer seltener antrifft.

Schnell bringt er die ersten Kleinigkeiten: zuletzt waren das Rote-Bete-Butter mit Rote-Bete-Sprossen und Meersalz, Schmand mit reichlich Apfelkraut (die typische, sehr dunkle Spezialität des Rheinlandes bringt eine ganz spezielle Süße mit), dazu hausgebackenes Brot. Ein toller Auftakt mit dem man die Lektüre der umfangreichen und mit vielen Raritäten aufwartenden Weinkarte verbinden kann. Das eigentliche Amuse-bouche will an die Aromatik von Grünkohl mit Speck anknüpfen, indem Kartoffelschaum, Grünkohlpesto, geräucherte Karotten, Senfperlen und violette Kartoffelchips zusammenspielen. Ausgezeichnete Idee, von süffig bis knusprig, in der nicht nur das Räucheraroma gut zur Geltung kommt; fast glaubt man, den Speck zu schmecken!

Derlei Überraschungen sind offensichtlich eine Leidenschaft von Matthias Pietsch, der außerdem ein Faible dafür hat, viele Zutaten zu süffigen, dichten Kreationen zu vereinen, die manchmal durchaus mächtig sind, aber immer balancierende Süße- oder Säureelemente aufweisen. Man sollte also ernsthaft überlegen, ob man wirklich das große Menü mit allen Gängen bestellt, oder es bei einer etwas kürzeren Variante belässt. Die Vorspeise um geräucherten Aal mit Sauerrahm, grünem Apfel (als Kügelchen), einer Kalbskopfpraline im Kräutermantel, Radieschen und Dill als Deko, sowie knuspriger Kalbszunge, Zwiebelringen, Schmand und umrahmender Kräutercreme ist trotz der Fülle an Zutaten gelungen. Dicht und saftig, lässt aber allen Bestandteilen Spielraum: Die Zutaten kommen sich nicht in die Quere, die Frische bleibt erhalten. Fein!

Der Kaisergranat, confiert und mit Zesten von der Salzzitrone aromatisiert, kommt mit warmem Selleriesalat, (nach unserem Gusto verzichtbarer) Avocadocreme, Walnusscrumble und einem gelungenen, dichten Selleriesud daher. Als besonderer Clou ist der Selleriesalat mit Mango und Passionsfrucht aufgefrischt. Als „Strammer Max“ wird im Anschluss daran wieder mal Neues nach klassischem Aromenbild geformt: mit Onsenei, Ibaiama-Schweinbauch (dem etwas Ahornsirup anzuschmecken ist), Gurkenrelish, Chips vom Sauerteig und gutem Kaviar eine durchaus gelungene Interperetation. Nur die begleitende Jus ist etwas zu konzentriert und salzig…

Der geflämmte Saibling schließlich wird mit Wintertrüffeln, Brunnenkresse und Beurre blanc verfeinert und ist eher leicht und aromatisch angelegt, auch wenn zudem Graupen und Rübchen diesen Gang ergänzen. Danach gibt es in Gestalt eines Bratkartoffelschaums mit Erbsenpüree und Erbsen ein voluminöses, süffiges und leicht crunchiges Intermezzo und spätestens an dieser Stelle fragt man sich, ob die Küche auf die Dauer nicht etwas viel Üppigkeit transportiert. Aber hervorragend schmecken tut auch dieser Einschub.

Von der Challans-Ente im Hauptgang schließlich kommen die Tranchen ihrer rosa gebratenen Brust –außen knusprig, innen saftig und aromatisch – sowie à part ein Keulenragout mit Amaranth. Dazu gibt’s Stängelkohl und Petersilienwurzelpüree, die von Essigzwetschgen und Zwetschgengel nicht nur erfrischend säuerlich aufgelockert, sondern als Ganzes auch sehr stimmig ergänzt werden. Und schließlich zum süßen Abschluss die „Heiße Liebe“ mit Himbeeren und Tahiti-Vanille, eine süße Überraschung in Herzform mit schokoladiger Hülle, die mit einem heißen, schön säuerlich abgeschmeckten Sud (Himbeeressig?) übergossen wurde, der sich mit dem mousseartigen, angenehm duftig nach Vanille schmeckenden Innenleben harmonisch balanciert verband. Für nette Akzente sorgten außerdem Blüten und eine Art Staub aus Himbeeren.

Fazit: Ein wirklich ausgezeichnetes Konzept, das auf Persönlichkeit setzt und die individuelle Betreuung der Gäste in den Vordergrund stellt. Satt wird man hier auf angenehme, köstliche und kurzweilige Weise und das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis ist nur noch ein weiterer Grund für einen Besuch.



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