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Fotos: Prichs

Prichs

Freihofgasse 3
97357 Prichsenstadt
09383-9020340

aktualisiert: 07 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do-Sa ab 17.30 Uhr, So-Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 30-38 €,
Menüs: 65-105 €

Im fränkischen Bilderbuchweinort Prichsenstadt ist der Freihof eine imposante Adresse mit wechselhafter Geschichte. Auf dem Bauhof einer ehemaligen Schlossanlange entstanden, diente der Gebäudekomplex unter anderem für die Landwirtschaft und als Bierbrauerei, als Tanzsaal und Viehhandlung, bis er ab 2002 aufwendig umgebaut wurde. In seiner neueren Geschichte hat sich der Freihof längst als Hotel etabliert, das wegen seiner Räumlichkeiten mit einem schicken Mix aus Tradition und Moderne besonders bei Hochzeitsgesellschaften beliebt ist. Mit dem Restaurant Das Prichs ist er aber auch eine Adresse für Feinschmecker – und mit Marius Latin seit dem Herbst 2025 als ambitionierten Küchenchef umso mehr. Der 32-Jährige hatte zuvor Erfahrungen in guten Häusern wie dem Romantik-Hotel Zur Schwane in Volkach gesammelt und will in Prichsenstadt nun richtig Gas geben.

Das Prichs ist im ehemaligen Schafstall aus dem Jahr 1258 untergebracht, hat mit Natursteinen und freigelegten Balken einen edelrustikalen Look und im Sommer einen lauschigen Innenhof, in dem sich der Geräuschpegel allerdings ziemlich hochschaukeln kann. Die Karte listet ein gutes Dutzend Möglichkeiten, aus denen auch Menüs in drei, vier oder sieben Gängen zusammengestellt sind, die aus unserer Sicht allerdings in der kleineren Version nicht das bestmöglich Repräsentative boten. Also stellten wir unsere Auswahl selbst zusammen und bekamen – auf extra zu orderndes Brot mit Butter und Öl verzichteten wir – erst einmal eine Demonstration, dass das junge Team um Marius Latin es wirklich versteht, mit superkleinen Apéros schon viel Geschmack zu bieten. Etwa in einem Taco mit Rindercreme, Enoki-Pilzen und Soja-Balsamico, mit einer Zucchinicreme zwischen Mürbeteigscheiben, einem Parmesantaler mit Sepia und Räucherfisch sowie einem Magnolien-Holunder-Shot im Reagenzglas. Respekt!

Als ersten Gang hatten wir uns statt Rindertatar die Spessart-Forelle ausgesucht. Das abgeflämmte Filet lag in einem wunderbar frischen und milden Buttermilchsud mit Kräuteröl. Generell zeichnete sich dieses Gericht durch feine Nuancen aus, die immer wieder hervorstachen, zusammen aber sehr rund und harmonisch wirkten: ein Kimchi, das nicht zu streng war und durch gerösteten Sesam eine nussige Süße an seiner Seite hatte. Kichererbsen sorgten als Creme und vor allem gepufft auch für den Spaßfaktor. Ein Fall für Fortgeschrittene war das cremige Sauerampfer-Eis, in dem mutig auf allzu viel ausgleichende Süße verzichtet wurde.

Ungewöhnlich fanden wir auch den Umgang mit dem Kaisergranat, der für uns eine attraktive Alternative zum im Menü festgelegten Erbsenschaum war. Das Krustentier wurde nicht wie meist in all seiner Pracht mit Schwanzflosse gezeigt, sondern im Gegenteil, sein Fleisch ausgelöst in einer grün-gelben Rolle aus Zucchinistreifen versteckt. Dafür war der Kaisergranat geschmacklich umso präsenter, denn aus den Karkassen und mehr war ein großer Schaum entstanden. Weil dazwischen auch noch gelbe und grüne Zucchini-Kügelchen kullerten, war der frische Gemüseeffekt genauso wirkungsvoll, weniger allerdings der annoncierte Chili und ein Öl von Shiso. Umso mehr hielten wir es für eine reife Leistung, die Kombination aus eigentlich nur zwei Geschmacksrichtungen zu einem spannenden Erlebnis zu machen.

Eine ganz andere Optik und Wirkung hatte das Fleischgericht, das in einem wilden Meer aus Kräutern und Blüten präsentiert wurde. Auch hier bestimmten zwei Komponenten das Geschehen: leicht panierte und gebackene Stücke vom Schwarzfederhuhn und gebratener Kopfsalat. Die Kombination aus Herzhaftigkeit und Frische fügte sich auch dank eines sanften Dressings zu einem sehr harmonischen Soulfood-Gericht. Weitere Akzente gab es aber schon, besonders durch den großen Kontrast zwischen einer süßen Spur von hausgemachtem veganem Honig und der gelegentlich herausstechenden Säure von Limettenfilets. Einen schönen Effekt hatten auch die im Mund schmelzenden Flocken von geriebener Piemonteser Haselnuss.

Ein bisschen vermissten wir die Säurekante im Dessert, das aber optisch wie geschmacklich überzeugen konnte und dennoch winzige Ausrufezeichen hatte: spür- und schmeckbare Salzkristalle auf einer Nocke Valrhona-Eis-Mousse. Hauptplayer war Pfirsich als geschmorte Spalten, Püree und Cremetupfer, die von gleichgroßen Kugeln aus Lavendel-Mousse begleitet wurden, was auf dem Mandel-Crumble ein fruchtig-blumiges Wechselspiel ergab.

Mit den Petits Fours, einer ähnlich präzisen Feinarbeit wie bei den Aperos, erzählte der Küchenchef am Tisch dann seine persönlichen Prägungen: die rumänische Herkunft mit einem geschichteten Kuchenwürfel aus Grießcreme, Marmelade, Honig und Holunderblütenessig; die Liebe zu seiner mexikanischen Frau mit einem Churro mit Zartbitterschokolade und Bronzefenchel; die französischen Einflüsse durch einen Macaron mit Yuzu-Creme und Bergamotte-Gel; und das Angekommen-Sein mit einem „Prichsenstädter Stein“ als Praline mit 100 Jahre altem Balsamico und Cassis-Staub.

Das Potenzial für noch mehr ist im Prichs sicht- und spürbar, die Weinkarte hinkt dem Anspruch mit nur ein paar Dutzend Positionen aber noch etwas hinterher. Für den einen oder anderen genussreichen Abend reicht das Programm jedoch allemal – und selten haben wir eine so preisgünstige Weinbegleitung zu Gerichten auf so hohem Niveau erlebt. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung!

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