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Posthalterei

im solewerk Hotel Sächsicher Hof
Georgstr. 1
98617 Meiningen
03693-4570

aktualisiert: 11 / 2019
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 17.30 Uhr, So-Di Ruhetag
Hauptgerichte: 20-38 € , Menüs: 37-59 €

Der geschichtsträchtige Sächsische Hof, der mit seiner reich verzierten Fassade den Ortskern der südthüringischen Kulturstadt bestimmt, zählt genauso wie das Staatstheater unbestritten zu den Aushängeschildern Meiningens. Schon im 19. Jahrhundert galt das 1798 erbaute Haus bald als erste Adresse, die vor allem auch von zahlreichen Künstlern gerne gebucht wurde. Daran erinnern übrigens heute noch die opulenten Platzteller, auf denen prominente ehemalige Gäste wie Franz Liszt oder Johannes Brahms den Tellerrand zieren. Dass man diese in der mit hellem Holz und steinernen Torbögen urgemütlich wirkenden Gaststube auch weiterhin aufträgt, darf somit als klares Bekenntnis zur eigenen Historie betrachtet werden.

Und auch wenn Chefkoch Michael Schneider seine stets sehr zugänglichen Teller hauptsächlich mit asiatischen oder mediterranen Produkten und Aromen bestückt und damit Weltoffenheit und Moderne demonstriert, erinnern zumindest die teils gewaltigen Portionen an vergangene (Küchen-)Zeiten. Gewiss auch ein Zugeständnis an die recht heterogene Gästeklientel, die nicht nur aus Gourmets besteht. Hier werden sicherlich oft auch nur ein oder zwei Gänge geordert – wobei auch das bis zu viergängige Menü sehr erschwinglich und in jedem Fall mehrheitsfähig ist.  

Noch ganz heimatnah grüßte die Küche zuletzt dann mit einem Waldpilz-Cappuccino, der mit sattem Aroma glänzte und erfreulicherweise nicht zu sahnig und opulent daherkam. Naturgemäß noch ein wenig leichter und erfrischender geriet der anschließende schön pfeffrig-grüne Kräutersalat (japanischer Senfkohl, Schafgarbe, Bronzefenchel…), der zusammen mit karamellisiertem Ziegenkäse und Marillen-Vinaigrette eine rundum stimmige Kollektion von vegetabil-kräutrigen, laktisch-süßen und fruchtig-säuerlichen Akzenten bot.

Exotischer wurde es mit der dezent angeschärften Paprika-/Zitronengras-Suppe, die ebenfalls nicht mächtig-stoffig, sondern mit zitrischem Oberton fein zugespitzt und unbeschwert leicht wirkte. Im Verbund mit einem luftigem Milchschaum on top sowie einer beherzt angebratenen Jakobsmuschel auf der Tellerfahne war das eine gut zwischen Säure und Schmelz einpendelnde Kombination, die mit frischem Koriander zudem auch noch authentisch ätherisch abgerundet wurde.

Die von uns zusätzlich ins Menü integrierte Makrele brachte selbiges leider nicht nur aufgrund des schon erwähnten Hangs zu äußerst gut gemeinten Portionen etwas aus dem Tritt. Denn zu den rösch auf der Haut gebratenen, saftig-festfleischigen Filets waren zwei überdimensionale frittierte Reisquader selbst für geübte Esser schlicht „too much“. Da auch das sonstige Beiwerk aus dem ebenfalls sehr sättigendem Hokkaido-Kürbis (Creme, Stücke…) und geschmacklich eher neutralem Shiso-Pesto mehr Breite als Tiefe erzeugte, vermissten wir hier klar ein öffnendes, säuerliches Element, das ja auch programmatisch durchaus gepasst hätte. 

Genau solch einen perfekt gesetzten Konterpart lieferte die süßlich-alkoholische Kante der Pflaumenweinsauce zur folgenden Short-Rib im Hauptgang, die hier genau das entscheidende Element fürs Gesamtbild lieferte, das bei der Makrele gefehlt hatte. Weil das mürbe geschmorte, aber noch schön kompakte Beef durch seine puristische Begleitung aus Edamame-Bohnen und Shimeji-Pilzen eher geerdet, als erfrischt wurde, sorgten hier die fruchtig-weinigen Noten der Sauce für den nötigen Durchzug, der außerdem nicht aufdringlich plakativ, sondern souverän eingebunden war.   

Eine prinzipiell schlüssige Kreation, die im Detail leider nicht gänzlich überzeugen konnte, bildete das süße Finale: Im Gegensatz zum schön schmelzigen und kräuterwürzigen Basilikumsorbet blieb das spröde-splittrige Himbeerparfait nämlich auch aromatisch eher blass und die wiederum üppigst aufgetragene Mascarpone hätte bestimmt auch für drei Portionen gereicht. Vielleicht sollte das Team so ein Menü mal selbst komplett verkosten, um die Portionsgrößen und Proportionen noch besser in den Griff zu bekommen.   

Der legendäre Weinkeller des Hauses beherbergt weiterhin über 8000 Flaschen und offeriert neben großen Franzosen auch Erzeugnisse aus der Neuen Welt sowie viele interessante Tropfen aus der Region. Ganz besonders interessant ist übrigens das Angebot, vier Überraschungsweine aus dem Flaschenangebot zum kleinen Preis als Menübegleitung zu ordern.



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