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Fotos: Oettingers Restaurant

Oettingers Restaurant

im Hotel Hirsch
Fellbacher Str. 2-6
70736 Fellbach (Schmiden)
0711-9513452

aktualisiert: 03 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Fr ab 18 Uhr, Sa von 12-14.30 Uhr u. ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag
Hauptgerichte: 38-58 €,
Menüs: 99-137 €

„Edel, aber nicht steif“ lautet das etablierte Motto des Hauses, an dem in vielerlei Hinsicht was dran ist. Zum einen bieten die teils holzvertäfelten Räumlichkeiten ein vornehm behagliches Ambiente. Vor allem aber ist es die Zugänglichkeit von Michael Oettingers Küchenstil, die seit vielen Jahren für ein gut besuchtes Restaurant sorgt. Fundament ist und bleibt die französische Hochküche, für die auch Klassiker wie Gänseleber, Bouillabaisse und Kalbsbries regelmäßig auf der Karte stehen – die aber nicht museumsreif gepflegt, sondern mit neuen Einflüssen weiterentwickelt wird. Erfreulich ist zudem, dass es hier keine große Oper in sieben Gängen gibt, sondern dass man munter zwischen zwei offerierten Menüs wechseln und dabei auch auf drei Gänge verkürzen kann. Kritisch müssen wir allerdings auch diesmal wieder anmerken, dass wir fast eine Stunde Wartezeit vom Zwischen- zum Hauptgericht für eindeutig zu viel erachten.

Der Auftakt aber gestaltete sich kurzweilig, zumal die Grüße außerordentlich aromatisch ausgeprägt waren: frisch und animierend ein japanischer Eierstich mit einem Nest Rettich-„Spaghetti“ und Lachskaviar; zupackend fruchtig-süß-sauer eine Kirschtomatenmarmelade in einem Parmesankörbchen; knusprig-herzhaft eine Praline von der Gänsekeule mit Kirschgel. Unverzichtbar und wohltuend besonders in der kalten Jahreszeit war erneut das Spiel mit dem Namen des Hauses: in einem Schälchen eine Hirschessenz und auf einem Geweih steckend ein Stückchen Hirschschinken. Unbedingt erwähnenswert ist auch der Frischkäsedip mit Passionsfrucht und Koriander, der zu zweierlei Brot, gesalzener Butter und Olivenöl den Gaumen noch einmal richtig wachrüttelte.

Etwas verhalten präsentierte sich der erste Gang mit drei eingerollten Tranchen von sehr sanft gebeizter Gelbschwanzmakrele. Durch Pampelmuse als pures Fruchtfleisch und Gelpunkten kam zwar ein auch etwas bitterer Säurefaktor hinzu, aber mit einer Creme von abgetropftem Joghurt sowie einem Sud von Pampelmuse und Joghurt mit Olivenöltropfen wirkte alles zusammen sehr milde. Ein Olivenöleis war erstaunlich lieblich und hatte so gar nichts Herb-Grasiges, und auch die in die Joghurtcreme gesteckten Staudenselleriestücke konnten keinen kantigen Impuls liefern. Irgendwie war hier für uns einfach etwas zu wenig Kreativleistung spürbar.

Ausdrucksstärker war das Zwischengericht mit superkross gebratenem Ferkelbauch, allein schon durch eine komplexe asiatische Jus mit gutem „Stehvermögen“. Blumenkohl wurde hier als passender Begleiter vielfältig gespielt: knusprig gebacken als Röschen und Scheibe sowie als grüne Creme, in der sich nach unserem Geschmack der Koriander ruhig noch etwas mehr hätte durchsetzen können. Am gewinnbringendsten auch für den exotisch-asiatischen Schwung war eine Nocke aus Blumenkohl, Ananas und Chili auf einem gegrillten Stück Ananas.

Sehr erdig wurde der Steinbutt interpretiert, allein schon durch einige Scheiben Périgord-Trüffel auf und um eine gebratene Tranche sowie durch etwas Trüffeljus unter dem Fisch. Aber Topinambur als Püree und halbierte gebratene Knolle gaben wie auch Rote Bete als Rolle und Chip feine erdig-süße Töne dazu. Für frische Leichtigkeit war kurz sautierter Blutampfer eingesetzt, und auch die gut eingebundene Säure in einer angegossenen Beurre blanc wirkte belebend.

Auf das eigentliche Dessert stimmte in einem Schälchen in mehreren cremig-fluffigen Schichten ein Fichtensprossenküchlein mit einem angemessen herben Preiselbeersorbet ein. Sehr ausgewogen dann der Teller rund um eine Halbkugel aus Ganache mit weißer Schokolade und Pistazien sowie mit einem knusprigen Boden aus Paillette feuilletine. Als Konterpart zur Süße gab es ein Granatapfelsorbet, zu dem ein Ring aus Engelshaar nochmals einen Knuspereffekt ins Spiel brachte. Eingelegte Quittenkugeln und ein Quitten-Granatapfel-Sud bestärkten die herb-säuerlichen Töne. Ganz klassische süße Momente gab es zum Abschluss mit einer Madeleine, einer Schokopraline mit Zwetschgen-Kardamom-Füllung und einer Schokoschnitte mit Marzipankern und Orangenblüte.

Als „Tor zum Remstal“, wie Fellbach gerne bezeichnet wird, ist man in Oettingers Restaurant auch eine Art Botschafter für Weine aus diesem Anbaugebiet. In der Weinreise zu den Menüs tauchten heimische Vertreter wie Rainer Schnaitmann und Leon Gold auf, ergänzt von Weinen aus anderen deutschen, aber auch internationalen Regionen. Das war stimmig, hatten wir im pauschal kalkulierten Mix aber hier und anderswo schon hochkarätiger erlebt. Lobenswert ist die vielfältige Auswahl an Aperitifs zwischen je zwei Sorten Winzersekt, Champagner und auch spannenden alkoholfreien Alternativen.

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