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Natusch - Fischereihafen Restaurant

Am Fischbahnhof 1
27572 Bremerhaven
0471-71021

aktualisiert: 12 / 2019
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-So 11.45-15 Uhr u. ab 17.45 Uhr, Mo Ruhetag (Fei geöffnet)
Hauptgerichte: 22-44 € , Menüs: 31-52 €

Das edle und trotzdem urig-gemütliche Restaurant im Bremerhavener Fischereihafen, dessen Hauptraum mit dem originalen Interieur der Luxus-Kajüte von Schauspieler-Legende Errol Flynns ehemaliger Yacht ausgestaltet wurde, versprüht schon atmosphärisch viel maritimes Flair. Und obschon man in der Karte ein paar alternative Fleischgerichte findet, so ist hier auch die Küche voll und ganz auf Fisch, Krusten- und Schalentiere spezialisiert und bietet diese stilistisch auf alle möglichen Arten.

Selbstverständlich gibt es zahlreiche klassische gutbürgerliche Gerichte norddeutscher Art wie zum Beispiel die Krabben- oder Rauchaalsuppe, eine im Ganzen zubereitete um am Tisch filetierte Seezunge mit Küstenkartoffeln oder die heißbeliebte Scholle „Finkenwerder Art“, die hier allesamt zu den Hausklassikern zählen und an den auch zur Mittagszeit stets gut besetzten Nebentischen häufig serviert werden. Das Repertoire hat aber immer auch internationale und bisweilen sogar moderat exotische Zubereitungen zu bieten, die kompositorisch zumeist sehr stimmig wirken und uns in den vergangenen Jahren stets durch die gute Qualität und Frische der verwendeten Produkte überzeugten.

Und eben in diesem direkten Vergleich mit den vergangenen Jahren präsentierte sich die Küchenleistung bei unserem jüngsten Besuch überraschend schwächer und unterm Strich eigentlich auch nicht „pfannenwürdig“. Vor allem deshalb, weil die Grundtugenden des Natusch-Kulinariums – überdurchschnittliche Produktqualität bei Fisch, Krusten- und Schalentieren, deren besonders sorgfältige und adäquate Zubereitung, sowie klare und natürliche Aromen – längst nicht auf jedem Teller zu sehen und zu schmecken war.

Vor allem die Bouillabaisse von Nordseefischen, die hier neben der Hummersuppe immer ein verlässliches liquides Zeugnis von Substanz, Frische und Ausdruckskraft war, enttäuschte diesmal regelrecht: die Suppenbasis selbst war relativ dünn und aromatisch diffus, hätte im Prinzip auch als Gemüsesuppe mit Fischeinlage durchgehen können. Die darin befindlichen Fische und Muscheln wirkten allesamt wie stundenlang in der Suppe warmgehalten und schmeckten entsprechend trocken und ausgelaugt. Insbesondere die große, von der Konsistenz her fast schon grießige Miesmuschel und ein muffiges Stück Lachs blieben diesmal nicht als Gaumenfreuden in Erinnerung.

Dass es auch ganz anders geht, zeigten die tadellosen Jakobsmuschelscheiben, die sehr akkurat gegrillt und mit einer pfeffrigen Gewürzmischung aromatisiert, als Produkt durchaus überzeugen konnten. Deren Begleitung in Form von Erbsenpüree, Erbsenschoten, Wassermelonenwürfeln und einer milden Currysauce war als fruchtig-saftiges Ensemble mit dezent pikanter Note durchaus stimmig und schmackhaft – nur das relativ feiste und plumpe Erbsenpüree trübte hier ein wenig den Gesamteindruck.

Licht und Schatten dann leider auch bei den Fischhauptgängen. Während sich der blättrig-frische Eismeer-Seewolf mit seiner dünnen, unaufdringlichen Kräuterkruste als Hauptprodukt wieder durchaus attraktiv zur Schau stellte, gab dessen Entourage Rätsel auf. Vor allem die dickflüssige, ansonsten aber sehr schmalbrüstige „Hummersauce“, die in der Blindprobe auch als flüssiger Vanillepudding hätte durchgehen können. Aber auch die seltsam matschig-matten, sehr großen Pfifferlinge mit ausgeblichenen Lauchzwiebelringen, zwischen die sich etwas Sauce Bèarnaise verirrt hatte, boten nicht das Niveau, das wir über nun fast zehn Jahre aus dem Natusch kennen.

So im Grunde auch das Gericht um dünne, wattig-weiche Limanden-Filets, die mit ihrer Ei-Panierung fast wie Omeletts schmeckten. Hier waren aber vor allem die begleitenden Krabben eine qualitative Enttäuschung, die ja in einem norddeutschen Fischereihafenrestaurant eigentlich das Aushängeschild der Küche sein sollten. Wir hoffen also sehr, dass wir die Küche diesmal nur an einem schlechten Tag oder in einer schwachen Phase erwischt haben, die wir selbstverständlich jedem Restaurant mal zugestehen. Und sind uns eigentlich sicher, dass das Natusch-Kulinarium schon beim nächsten Besuch wieder alle seine Stärken zeigen wird. Die Bewertung lassen wir deshalb unangetastet und loben lieber zum Abschluss noch den stets sympathischen und aufmerksamen Service sowie die ansprechende Auswahl internationaler Weine.



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