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Fotos: mondi

mondi

Wilhelmshöher Allee 34
34117 Kassel
0561-83079318

aktualisiert: 07 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag
Menüs: 75-85 €

Das von außen eher unauffällig an der schnurgeraden Wilhelmshöher Allee gelegene Mondi mit seinen beiden schnörkellos puristisch gestalteten Gasträumen und eingesäumtem Freisitz vor dem Haus, ist seit ein paar Jahren der unangefochtene kulinarische „Place to be“ in der Documenta-Stadt Kassel. Dass hier oft auch an einem ganz normalen Wochentag alle Tische beleg sein können, liegt unserer Ansicht nach nicht an der fehlenden Konkurrenz in der Region, sondern an der entspannten Gangart, mit der anspruchsvoll aufgetischt wird. Denn obwohl das erstaunlich große Team auch im Mondi ausschließlich ein festes Menü mit zwei optionalen Zusatzgängen offeriert, so wie das mittlerweile in acht von zehn Fine-Dining-Restaurants gang und gäbe ist, wirkt das hier weniger gezwungen und zeremoniell als vielerorts anderswo, was mitunter auch an der erfreulich zügigen Taktung liegt, mit der hier aufgetragen wird. Man sitzt also nicht stundenlang für fünf Gänge herum, hat aber trotzdem zu keiner Zeit das Gefühl, schnell abgespeist zu werden. Nachahmenswert!

Außerdem ist die hier gebotene Kulinarik, die wir zwar durchaus als moderne Naturküche bezeichnen würden, die aber frei von Dogma und Ideologie ist, äußerst kurzweilig und eigenständig. Und das Beste: nichts wirkt experimentell, schräg oder karg, alles schmeckt auch im ganz klassischen Sinne richtig gut. Schon an den ersten Kleinigkeiten zum Aperitif, die hier unter „ankommen“ firmieren, konnte man das im Vergleich zum letzten Testbesuch doch wieder sehr deutliche Mehr an Feintuning, Komplexität und Finesse sehen und schmecken. Angefangen bei einem Maki-Röllchen aus Eisbergsalat, Rettich und Karotte mit einer Creme von Parmesan und Sonnenblumenkernen, über eine Knuspertartelette, befüllt mit Tatar und Kaviar vom Saibling und Radieschen oder einen herzhaft-pikanten Sellerie-„Taco“ mit Schweinebauch und Kapuzinerkresse, bis hin zum klaren Tomaten-Gazpachosud als Shot mit flüssiger Joghurt-Sphäre, war das alles sehr präzise und fein ausdifferenziert, ohne angestrengt zu wirken.

Wie kreativ das Team bis in die Details arbeitet und mit wieviel Produktgespür es das Thema Gemüse angeht, zeigte exemplarisch die vegetarische Vorspeise, die sich im Grunde genommen um verschiedenste saisonale Gemüse aus dem eigenen Garten von Erbsen und Bohnen über Kohlrabi und Karotte bis zu wildem Blumenkohl und Brokkoli drehte. Allesamt recht knackig gegart und aromatisch auf natürliche Frische eingestellt, aber trotzdem alles andere als naturbelassen karg, waren sie um eine im Zentrum unter einer Folie aus Fenchelgelee versteckte Karottencreme mit wachsweichem Eigelbkern herumdrapiert. Letztere fungierte genauso gewinnbringend als Bindeglied für alle Komponenten wie das mit einer sehr zweckdienlichen Süße ausgestattete Buttermilchsorbet. Ein starker Start! Sehr gegenständlich und unverkünstelt, dennoch originell und mit kreativem Twist.

Etwas fokussierter und nicht minder spannend war eine schöne, perfekt glasig-zart confierte Tranche von der Lachsforelle in Szene gesetzt. Ebenfalls sommerlich und leicht, wenn man so will mit griechischem Touch, weil hier die Eskorte in Gestalt von Gurken als „Spaghettisalat“, einem auf Joghurtbasis mit Dillöl zubereitetem Sud, einer süßsauer eingelegten Dörrgurke sowie etwas Tomatenconcassée unter und würzige Malto-Crumbles von Zwiebel und Kalamata-Olive auf dem Fisch in etwa diese Aromenwelt auf den Teller brachten.

Die wohlverdiente Aufwertung in diesem Jahr resultiert aber längst nicht nur aus den stark verfeinerten handwerklichen und kompositorischen Skills der Küche, sondern zu einem nicht unwesentlichen Teil auch aus den qualitativ äußerst überzeugenden und sehr gut in Szene gesetzten Hauptprodukten beim omnivoren Menü. Denn nach der bemerkenswerten Lachsforelle folgte eine nicht weniger beeindruckende Brusttranche vom zuvor in einer Joghurt-Marinade eingelegten Huhn – gewinnbringend an der Karkasse gegart und dann à la minute davon ausgelöst. Begleitet wurde das köstliche, weil vollsaftige, festfleischige und eigenaromatische Fleisch nicht nur von der eigenen Jus, sondern auch von unter anderem mit Kräutern, Joghurt, Johannisbeeren und einer intensiven Walnusscreme appliziertem halben Zucchino, der auch wieder sehr knackig, frisch und natürlich, aber eben nicht naturbelassen karg geschmeckt hat. Und à part auf einem zweiten kleinen Teller von einem mit paniertem ausgebackenem Hühnerfleisch gefüllten Sandwich im Stil eines Katsu-Sando.

Wie lohnend die optionalen Zusatzgänge im Mondi sein können, zeigte zuletzt das luxuriöse Surf‘n‘Turf von Wagyu-Entrecôte und „Landgarnele“, beides auch wieder ausgesprochen repräsentative Vertreter ihrer Art: das Fleisch satt fettschmelzig marmoriert, aber noch mit genügend Biss und Struktur, das Krustentier knackig, glasig, klararomatisch. Puristisch kombiniert mit einem fernöstlich inspirierten Karottensalat und süffig vermählt auf einer ausdrucksstarken, aber nicht zu röstwürzigen Krustentier-Schaumsauce, kräuterduftig belüftet von einem Korianderöl.

Auch die Desserts machten auf unkonventionelle und sehr produktfokussierte Art viel Spaß. Zunächst ein Erdbeersorbet auf einem Salat von verschiedenen Erdbeeren, der von einer Vinaigrette aus klarem Tomaten-Abtropfsaft und Olivenöl einen spannenden Twist und umamihafte Tiefe erhielt. Dann ein sehr erfrischendes und dynamisches Hauptdessert, bei dem die fruchtig-säuerlichen Komponenten von eingelegtem Rhabarber und Sauerampfersorbet in der vollmundigen laktischen Süße von Schmandschaum und Baiser geschmeidig einfangen wurden – was im Zusammenspiel auch haptisch ein sehr reizvoller Kontrast war.

Spannend und originell sind nicht nur die alkoholfreien Getränkeoptionen zum Menü, sondern auch die Weinempfehlungen aus dem mit erkennbar eigener Handschrift kuratierten Sortiment, das viele sehr gute Optionen europäischer Gewächse in oft modernerem Stil listet.

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