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| Mi-Sa ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag |
| Menüs: 75-85 € |
Das aus einem Pop-Up-Konzept entstandene Restaurant Mondi ist mittlerweile schon nicht mehr aus Kassels Gastroszene wegzudenken. Denn wer in der kleinen nordhessischen Großstadt ambitionierte Küche auf einem gehobenen Niveau genießen möchte, kommt an dem puristisch gestalteten Lokal mit offener Küche und zwei Gasträumen gar nicht vorbei. Entsprechend gut ist es immer besucht, und so waren auch bei unserem jüngsten Besuch die gar nicht mal wenigen Tische über den Abend hinweg alle besetzt.
Was uns nicht weiter wundert, denn trotz Gourmetanspruch und Ein-Menü-Konzept halten Pelle Kossmann und sein Team hier die Hemmschwelle sehr niedrig – was nicht nur daran liegt, dass der Preis für das viergängige Menü (das man noch um zwei Extra-Gänge ausdehnen kann) mit 75 Euro ziemlich moderat ausfällt, sondern auch darin begründet liegt, dass man hier nicht den ganzen Abend lang festhängt, weil grundsätzlich angenehm zügig aufgetischt wird. Außerdem ist der sympathische junge Service mit den Gästen locker, aber nicht distanzlos per du und die auf Regionalität und Nachhaltigkeit fokussierte Küche präsentiert sich äußerst zugänglich.
Das Mondi bricht also mit fast allen altgedienten Klischees, die über Gourmetrestaurants kursieren, und es versteht sich selbst wahrscheinlich noch gar nicht mal als solches. Dazu passt auch, dass die ersten Kleinigkeiten aus der Küche lässiges Fingerfood ohne das außerhalb der Gourmet-Bubble so viel gefürchtete „Chi-Chi“ sind. Wir bekamen zunächst eine hauchdünne und krosse Tartelette, gefüllt mit Gemüsesalat und Haselnuss-Frischkäsecreme, gefolgt von einem mit herzhaftem Lack glasiertem und mit Mandarinen-Pulver und Schnittlauch beflocktem Chicken-Wing. Auch eine Art Windbeutel, pikant würzig mit Gouda und Mohn, sowie ein kleines Süppchen von Rote Bete und Rotkohl, in dem gelbe Bete und eine kleine Joghurt-Sphäre schwammen, waren sehr gegenständliche und bodenständige Kleinigkeiten.
Das war alles durchaus schmackhaft, wirkte aber ein bisschen zusammenhanglos. Und so präsentierte sich auch das Geschehen auf dem Teller der Vorspeise des Menüs, wo mit Nussbutter-Hollandaise überzogene und mit Lauchasche bestreute Stücke von zartem Lauch neben einer Cremsauce von Brennnessel und Brunnenkresse, etwas Feldsalat und einem mit Forellenkaviar vermengten Linsensalat mit Wurzelgemüse angerichtet waren. Eine prinzipiell gute Idee, bei der nach unserem Gusto die einzelnen Komponenten aber mehr die Summe ihrer Teile, als eine stringente Komposition darstellten.
Viel besser funktionierte das Ineinandergreifen und sich gegenseitig gewinnbringend Ergänzen beim Fischgang von und mit Lachsforelle, Birne und Safran. Die dicke schmale Tranche des Fischs lag quasi „mi-cuit“, also nur auf der Oberseite scharf angebraten und unten noch roh, mit einer Knusperbeflockung aus unterschiedlichen crunchigen Ceralien (von Wildreis bis Quinoa) auf einem Spiegel aus cremiger Safransauce. Die wirkte zwar solo etwas breit und stumpf, aber deren fehlender Drive wurde von einem Grapefruit-Filet und etwas mit Petersilie angemachtem Birnensalat kompensiert, so dass durch Mitwirken von deren Säure und Frucht unterm Strich ein attraktiv dynamisches Geschmacksbild entstehen konnte.
Das entstand auch beim optionalen Zwischengang mit Wachtel, Chicorée, Salbei und Pflaume. Hier wurde das ausgelöste kurzgebratene Fleisch des Vogels – ein Ragout aus Schmorfleisch und Innereien, sowie ein à part dazu gereichtes, glasiertes und mit Knuspercrumbles (unter anderem von der krossen Haut) beflocktes Keulchen – attraktiv mit den Bittersalat-Spitzen, knusprig frittierten Salbeiblättern und einer süßlich-würzigen reduzierten Jus auf Geflügelbasis liiert. Was hier allerdings nicht so überzeugend gelang, war das Fleisch selbst, das sowohl in der kurzgebratenen als auch in der geschmorten Fassung etwas trocken und matt auf dem Teller lag.
Mehr Ausdruckskraft hatte das Schweinefleisch im Hauptgericht, von dem rosa Tranchen aus dem Rücken mit schmelzigem Fettansatz sowie in eine hauchdünne Tasche aus Knollensellerie gefüllte und darin gebratene Hackfleischfarce zum Besten gegeben wurde. Eine vermutlich mit Röstwiebeln herzhaft aufgetunte Selleriecreme, ein Klecks herb-fruchtiges Orangenpüree, sowie ein gehackter Kräutersalat spielten zusammen mit der maßvoll reduzierten Jus auch hier zu einem lebhaften Akkord zusammen. Einziger kleiner Wermutstropfen: für noch mehr Wirkung es hätte es etwas mehr vom kurzgebratenen Fleisch sein können, denn die eine kleine längliche Tranche und ein fast ausschließlich aus Fett bestehendes Würfelchen waren proportional gegenüber den anderen Komponenten etwas wenig.
Zumal die Portionen generell eher schlank bemessen sind und man auch als Normalesser nach dem kompletten Menü mit Zusatzgängen sicher nicht zu vollgegessen ist. Denn auch die beiden Nachtische, zunächst ein kreativer komponiertes Joghurt-Moussetörtchen mit Baiser, Erdbeergel, Tomatengrantitée und Dillöl, danach ein klassischeres aber nicht minder köstliches Apfelsorbet mit Nusscrumble-Panierung auf Vanillesauce und Salzkaramellcreme, waren schön schlank gehalten. Die Weinkarte listet ein kleines, spannendes, individuell ausgesuchtes Sortiment und es gibt neben der glasweisen Weinbegleitung auch eine engagierte alkoholfreie Getränkeeskorte mit spannenden Optionen.
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