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Fotos: Mona John - Coupe de Coeur

Mona John - Coupe de Coeur

Westendstr. 29
80339 München
01520-3595146

aktualisiert: 02 / 2024
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di u. Mi von 12-15 Uhr, Do von 12-15 Uhr u. ab 18 Uhr, Fr von 12-15 Uhr, Sa-Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 14-19 €

Bereits im vergangenen Jahr hatten wir Mona John für die Küchenleistung, die sie in ihrem gerade mal sechs Tischen Platz bietenden Bistro aufbietet, in unserer Top-10-Kategorie „Einzelkämpfer am Herd“ ausgezeichnet. Wie gut sich das frankophile Mini-Lokal im Münchner Westend in den vergangenen beiden Jahren seit Eröffnung etabliert hat, wird auch dadurch verdeutlicht, dass die Chefin bei unserem jüngsten Testbesuch gar nicht selbst im Haus war und von einer offenbar ebenso versierten, neuerdings eingestellten Mitarbeiterin vertreten wurde. Nichts geändert hat sich dadurch am perfekten Handwerk der liebevoll gekochten bretonisch-parisischen Küche der in München aufgewachsenen und in Frankreich ausgebildeten Gastgeberin Mona John.

Wer zu zweit im Coup de Coeur zu Gast ist und etwas Zeit mitbringt, kann ohne Probleme einmal alles von der kleinen Speisekarte bestellen, die immer drei Tagesgerichte und zwei Desserts auflistet. Der von uns als Vorspeise bestellte vegetarische Hauptgang aus gebratenen Ricotta-Kürbis-Nocken, „Grosenkohl“ (eine Kreuzung aus Rosen- und Grünkohl), Kürbiskernöl und Salbei konnte mit akkuratem Handwerk und kurzweiligen Texturen punkten. Schon hier wurde deutlich, wie gut es Mona John gelingt, auf jedem Teller ein überraschendes kreatives Element unterzubringen. Der besondere Reiz dieses Gerichts lag uns vor allem in der Wahl des Gemüses, das die Herbheit und Schärfe von Grünkohl mit dem Biss von Rosenkohl zusammenbrachte. Wir möchten die Kreation gar nicht übermäßig verkopft betrachten, aber: auch der frittierte Salbei war hier nicht zu unterschätzen, der durch das heiße Fettbad sowohl ätherische als auch nussige Noten mitbrachte, die hier einen perfekten Bogen zwischen Kohl und Kürbiskern spannten.

Sehr gelungen waren auch wieder einmal die Hauptgänge. Statt eines Fischgangs schickte die Küche diesmal eine Kreation aus Jakobsmuscheln, Pastinakenpüree, luftigem Maronenschaum und Topinambur. Beachtenswert war schon auf den ersten Blick die großzügige Menge an Muscheln: drei mittelgroße Exemplare in sehr ordentlicher Qualität als Hauptgang für gerade mal 17 Euro – das dürfte sich in der bayrischen Landeshauptstadt im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis kaum überbieten lassen. Zumal auch die Kreation selbst punkten konnte! Die zweite Geige, nur knapp hinter den Jakobsmuscheln, spielten die mit Schale in reichlich Nussbutter gebratenen Topinambur-Viertel; ein sanft-nussiger Maronenschaum und sämiges Pastinakenpüree unterfütterten das Gericht mit einer guten Tiefe, ohne es zu dominieren und den Cocquilles die Show zu stehlen.

Eine Pferdelänge dahinter sahen wir den Fleischhauptgang aus Zwiebelkuchen, Wildschweinragout, Kräutersaitlingen und Herbsttrüffel. Zwar konnte das Grundgerüst des Tellers überzeugen und ganz besonders der Zwiebelkuchen, dessen Belag eher an saftige Schmorzwiebeln erinnerten als an einen gewohnten Zwiebelkuchenbelag. Lediglich das Schmorfleisch fiel für unseren Geschmack etwas zu hell, zu wenig röstwürzig und schlussendlich etwas zu trocken aus, was in Anbetracht der gebotenen Küchenleistung und des besonders günstigen Preis-Genuss-Verhältnisses aber schon fast zu vernachlässigen ist und den stimmigen Gesamteindruck nicht trüben konnte.  

Nie auslassen sollte man bei Mona John die Süßspeisen. Wie wir schon in der vergangenen Testsaison geschrieben haben, könnten die Desserts regelmäßig auch aus der Küche deutlich renommierterer Restaurants stammen und müssten sich dort nicht verstecken. Wie zuletzt auch wieder eine Zitronentarte mit Basilikumcreme und geflammtem Meringue-Baiser. Allen Regeln der französischen Patisserie-Kunst folgte auch eine selbstbewusst süße, aber wunderbar satte Schokoladentarte mit salzig karamellisierten Nüssen. Sehr buttrig, sehr schwer, sehr gut! Etwas simpler gestrickt, aber ebenfalls von weit überdurchschnittlicher Güte, war das „Forêt Noire“ genannte Dessert mit Schattenmorellen, gewürzigem Amaretto-Crumble und einer Nocke Stracciatellacreme auf Basis von Schmand und Crème fraîche – und dadurch spürbar spannender und tiefenschärfer, als das eine süßrahmbasierte Variante geschafft hätte.

Es geht also weiter voran im vielleicht französischsten Bistro Münchens. Seit geraumer Zeit öffnet das eigentlich als Tagesbistro konzipierte Coup de Coeur am Donnerstag auch für einen Abendservice in der Woche. Es bleibt spannend, wie sich das junge Team um die junge Köchin entwickelt. In unseren Augen könnten sich zahlreiche Bistro-Köche und vor allem Ex-Gourmet-Köche eine Scheibe von Mona Johns Kreativität innerhalb der Bistroküche abschneiden. Oft wollen Köche auf das viel besagte „Chichi“ verzichten, verlieren dabei aber offenbar auch Sturm, Drang und Spieltrieb. Die Antwort auf Anrichtestraßen, Gelpunkte, Seezunge und Überstunden muss nicht nur Fleisch-Gemüse-Beilage vom regionalen Bauern heißen. Das beweist Mona John und erweist ihren Bistro-Kollegen damit einen großen Dienst!

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