Perrier_Superbanner

???

Fotos: Mokuli

Mokuli

Fritz-Fend-Str. 4
93047 Regensburg
0941-89846666

aktualisiert: 06 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Fr von 11.30-14 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 35-80 €,
Menüs: 95-175 €

Regensburgs neuester kulinarischer Hotspot residiert im nagelneuen Büroneubau „Be orange“, der mit seiner korallenartig wirkenden Fassade das vielleicht auffälligste und avantgardistischste Gebäude der Domstadt ist. Gelegen in der Fritz-Fend-Straße, benannte sich das Restaurant konsequenterweise nach einem einst bekannten Modell eines Lastenrollers, womit auch die programmatische Anbindung an seinen Standort hergestellt ist. Hinter dem Mokuli steht mit Martin Kagerer ein in der Region sehr präsenter und vielseitiger Gastronom, der in der offenen Küche auch selbst als Chefkoch agiert. Medial wird das Haus zugleich als Eventlocation mit großzügig bestückter Bar und weitläufiger Terrasse positioniert, was die schnelle Etablierung in der Region zusätzlich begünstigt haben dürfte.

Während mittags ein leichteres Business Lunch offeriert wird, stehen abends rund ein Dutzend Gerichte à la carte sowie zwei Menüs mit bis zu sechs Gängen zur Wahl, darunter auch eine vegetarische Variante. Wir begannen mit eher schlicht gehaltenen Apero-Snacks als Einstimmung, die den Fokus erkennbar auf Gemüse legten und damit einen losen thematischen Zusammenhang entstehen ließen. So saß auf einem Norichip etwas Selleriecreme mit Apfelgel, in einer Croustade fand sich säuerlich mariniertes Kimchi mit etwas Paprika. Dazu wurde ein Karotten-Kombucha gereicht, der sich besonders gut mit unserem Favoriten in diesem Reigen verband: einer Tasche von Rote Bete auf gepuffter Quinoa mit einem Kern aus Misocreme und Sushi-Ingwer.

Zum Einstieg ins Menü zog das Niveau dann etwas an, auch wenn hier die verwendeten Produkte noch ohne größere Verfeinerung in Szene gesetzt waren. Eine mit Speckrand eingefasste Terrine vom Landhuhn mit Entenleber auf Geflügeljus beanspruchte dabei den Großteil der Aufmerksamkeit, obwohl sie farbenfroh von knackigen Blumenkohlröschen, Karotten, Salzmandelflocken und Radicchio Castelfranco umgeben war. Knusprige Hühnerhaut und ein wenig Säure von Maracuja lockerten das Geschamacksbild zwar auf, insgesamt lebte der Teller aber eher von der soliden Qualität seiner Zutaten als von innerer Verdichtung und hätte mit zwei Komponenten weniger vermutlich sogar noch stringenter wirken können.

Finessenreicher wirkte im Anschluss schon allein als Produkt der confierte Zander, der sich unter leichtem Druck der Gabel fast von selbst in seine festfleischigen Lamellen zerlegte und mit ausdrucksstarkem, reintönigem Eigengeschmack punktete. Doch auch dessen Begleitung wirkte durchdacht und im Vergleich zum Gang zuvor deutlich pointierter: perfekt gegarter grüner und weißer Spargel, ein paar Erbsen und ein genau dosierter Morchelschaum werteten den kompositorisch sicher auf klassischen Pfaden wandelnden Teller zusätzlich auf. Kräuter wie Kerbel und Zitronenmelisse setzten dazwischen feine Reizpunkte und verliehen dem Ganzen Frische und Leichtigkeit.

Mit dem Kalbsbries im nächsten Zwischengang folgte der mit Abstand beste Gang des Menüs, der eindrucksvoll das ganze Potenzial des Teams aufblitzen ließ. Die mit Morcheljus glasierte zarte Thymusdrüse war frühlingshaft-frisch auf ein ätherisches Brunnenkresse-Risotto gebettet, dessen Fundament eine in ihrer Eleganz und Tiefe vollendet wirkende Madeirajus bildete. Als kleiner, aber wirkungsvoller Kniff erschien die Brunnenkresse obenauf nochmals in Miso mariniert, was eine leicht nussige, wunderbar korrespondierende Note eintrug und den Gang auf eine Weise abrundete, die Substanz und Feingefühl sehr überzeugend zusammenführte.

Das Poltinger Lamm durfte im Hauptgang seine Vorzüge in zwei Varianten ausspielen: Die knapp gebratenen, leicht mineralisch wirkenden Tranchen aus der Oberschale gingen mit dem zart geschmorten und scharf angebratenen Bauch einen klar gesetzten, durchaus beabsichtigten Kontrast ein, dem eine mediterran grundierte Begleitung aus unterschiedlich würzigen Akzenten von geschmorter Aubergine oder einem Türmchen aus Paprikacreme, Zucchini und Pecorino gekonnt Rechnung trug. Wenn immer die Küche auf solche bewährten Konstellationen setzt, werden grundsolides Handwerk und Geschmackssicherheit deutlich.

Beim Käsegang wurde Camembert zum Hauptdarsteller, nämlich als gebackene und erfreulich heiß servierte Praline in Würfelform, zu der sich ein Stück des Weichkäses gesellte, das im Kern mit eingelegter Périgord-Trüffel veredelt war. Birnenchutney fungierte als puristischer Begleiter und spendete die gewinnbringende Süße, während eine zweite kleine Garnitur aus Staudensellerie, Haselnuss, Birne und Trüffelvinaigrette entfernt an einen Waldorfsalat erinnerte und damit ganz andere Facetten beisteuerte.

Weniger stringent wirkte das Dessert rund um Kompott von Rhabarber, Topfenmousse und Thaibasilikumsorbet, das mehr die Summe seiner Einzelteile als ein wirkungsvolles Zusammenspiel war. Und das lag weniger an der Komposition selbst, als vielmehr an den nicht ganz optimalen Konsistenzen, die sich nicht geschmeidig miteinander verbanden, sondern eher nebeneinanderstanden.

Der Einstand ist dem Mokuli und seinen Betreibern als spannender neuer kulinarischer Spot durchaus geglückt und wir sind gespannt, in welche Richtung sich die Küche künftig noch entwickelt. Noch ist vielleicht nicht alles perfekt, aber die Küche macht Spaß, das Preis-Genuss-Verhältnis wirkt reell. Und dass das Potential auch für eine etwas höhere Bewertung durchaus da ist, blitzte immer mal auf. Der Service macht manche Unsicherheit mit Sympathiepunkten wett und ist mit spürbarer Begeisterung bei der Sache.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



Das GUSTO-Lexikon der Köche

Hier finden Sie einen Großteil der Küchenchefs, deren Restaurants im GUSTO-Führer empfohlen werden. Das Lexikon wird ständig ergänzt.

Das GUSTO-Ranking der besten Restaurants

Hier finden Sie eine tagesaktuelle Übersicht aller im GUSTO-Führer empfohlenen Restaurants - sortiert nach ihrer derzeitigen Bewertung.