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Fotos: Mod by Sven Nöthel

Mod by Sven Nöthel

Grafschafter Str. 197a
47199 Duisburg
0176-23557864

aktualisiert: 03 / 2024
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 40-45 €,
Menüs: 90-145 €

Bei der Anfahrt ahnt man noch nicht, dass sich hinter dem patinierten Gehöft in der ländlichen Peripherie von Duisburg ein so modernes und schickes Restaurant verbirgt. Mit viel Platz, in weitem Abstand voneinander gestellten Tischen, offen in den Raum integrierter Küche. Die Köche um den sehr sympathisch auftretenden Küchenchef und Gastgeber Sven Noethel, die dann meist selbst auch die Gerichte an die Tische bringen und erläutern, sind damit voll in den Abend und den ganzen Ablauf integriert. Das schafft eine sehr entspannte Atmosphäre, fast wie in einem Kochatelier.

Noethels Stil ist weltoffen und regionalbetont zugleich, ist einerseits elaboriert und kreativ, andererseits überraschend gegenständlich und bodenständig. Was sich jeweils wie ein Widerspruch anhört, trifft es tatsächlich ganz gut. Jedenfalls ist das eine Küche, die auf jedem Teller sehr zugänglich wirkt und niemanden überfordert, die auch Gourmet-Novizen fürs Fine Dining begeistern kann, die aber auch fortgeschrittene Esser abholt. Klassisch und natürlich im Kern, aber zeitgemäß und kraftvoll in der Ausführung.  

Nach drei kleinen Pastinaken-Variationen grüßte die Küche in Gestalt eines saftigen Sellerie-Walnuss-Küchleins mit Radicchio und eingelegter schwarzer Walnuss nebst Weißweinsahne ein weiteres Mal sehr gegenständlich und unverfälscht – zeigte mit diesen Petitessen aber noch nicht ihr ganzes Können.

Die Vorspeise um klassisch mit Dill gebeizten Wildlachs, der sich auf einem Sud von Apfel und Ingwer zusammen mit mariniertem weißem Rettich, einer Meerrettichcreme und Haselnusskernen tummelte. Eine sehr frische, fruchtige und leichte Komposition mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass der Fisch ziemlich intensiv gebeizt und zudem recht mürbe war. In Kombination mit dem im Rahmen der alkoholfreien Getränkebegleitung dazu ausgeschenkten Limettenlikör mit weiteren Zitrusaromen und Tonic wurde das Ganze allerdings von einer belebend säuerlichen zu einer knackig sauren Angelegenheit. Die einzige Ausnahme, bei der uns die ansonsten sehr guten, allesamt selbst hergestellten promillelosen Pairings nicht überzeugt haben.

Generell bemerkenswert, wie uneitel und gegenständlich die Küche von Sven Nöthel stellenweise ist. Und das nicht nur beim Zwischengang „Brotzeit“, der mit Zwiebelbrot, Körnerknäcke, eingelegten Steckrübensticks, herzhaft pfeffriger Salami, Schalottenmarmelade, wachsweichem Eigelb und Kräuterbutter tatsächlich wie eine zünftige Jause daherkommt.

Herzhaft und zupackend ging es weiter mit einem mit Nordseekrabbenfarce gefüllten Kartoffelcroissant, bestückt mit Krabbe, Lauchcreme und Hippen von schwarzem Knoblauch, platziert auf einer hellen cremigen Sauce von frischem Knoblauch, die aber sehr mild und unaufdringlich abgeschmeckt wurde. Markant dazu im Glas: ein Direktsaft aus 18 Stunden geräucherten Äpfeln, was schon recht fordernd war, mit diesem ebenfalls nicht zimperlich abgeschmeckten Gericht aber doch erstaunlich gut korrespondierte und einen weiteren Akzent dazu setzen konnte.

Weiter ging es mit einer nicht alltäglichen Liaison von Kabeljau, Feige, Rotkohl und Aal, wobei die beiden Letztgenannten in jeweils zwei unterschiedlichen Zubereitungsarten zugegen waren: der Fisch als lackiertes geräuchertes Stück und als Aromengeber einer Beurre blanc, das Kraut mariniert und als Creme. Ob hier die bewusst lauwarme Temperierung schuld daran war, dass die Aromen mehr nebeneinanderstanden, als kongenial miteinander zu interagieren, können wir nicht sagen – wenngleich die Produkte an sich natürlich grundsätzlich schon sehr gut zueinander passten.

Äußerst gelungen war dann ganz ohne Abstriche wieder der Hauptgang vom Hirschrücken, was nicht nur am kernigen und saftigen Fleisch selbst lag, das mit genügend Biss und Geschmack zu überzeugen wusste, sondern auch an der für Wildbret zwar äußerst ungewöhnlichen, aber sehr stimmigen Kombination. Die war mit in Cassis eingelegtem Kohlrabi und einem mit Zitronenvinaigrette mariniertem Romanasalatherz ausgesprochen leicht, frisch, knackig und angenehm säuerlich, was alles prima mit dem von einer entsprechenden Jus unterfütterten tiefen Wildaroma harmonierte.

Beim Dessert, einem sehr winterlichen Nachtisch mit Topinambur, Birne, Nougat sowie diversen Knusperkomponenten und geeisten Perlen, erwies sich der dazu ausgeschenkte Karamellschaum mit Schokoladencrumbles eher wie eine Ausdehnung des Nachtischthemas ins Glas als wie ein erquickendes Begleitgetränk – erfüllte damit zwar weniger seinen eigentlichen Zweck, machte aber trotzdem Spaß. So wie das gesamte Menü, die entspannte Atmosphäre und auch der sympathische Service in diesem Jahr wieder äußerst erfreulich waren.

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