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| Mi-Sa ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag |
Dieser Hochgenuss kam zugegebenermaßen ein wenig unerwartet. Denn ausgerechnet hier, im Jugendhaus Storchennest e.V., in der 2000-Seelen-Gemeinde Kramerhof vor der Insel Rügen, auf nicht einfach nur liebevoll, sondern auch handwerklich derart ausgefeilt zubereitete Gerichte zu treffen, hätten wir uns nicht träumen lassen. Weil die Küche morgens und mittags für Frühstück und Mittagessen des Jugendhauses sowie zahlreicher umliegender Kindergärten genutzt wird, ist die Minimanufaktur nur abends ab 18 Uhr geöffnet und die Speisekarte mit zwei Vorspeisen, drei Hauptgängen und zwei Desserts entsprechend klein. Mehr brauchte es bei unserem allerersten Besuch in diesem außergewöhnlichen Restaurant aber auch gar nicht, um uns voll zu überzeugen.
Ein bärenstarker Auftakt war ein Thunfisch-Sashimi von vorzüglicher Frische und Reintönigkeit, das auf einem Algensalat serviert wurde. Neben der hochwertigen Fischqualität begeisterte hier auch die Jodigkeit und die al dente gegarte Textur des Salates, der fein austariert mit Ponzu abgeschmeckt war. Einige Kleckse Wasabi-Mayonnaise, etwas Sushi-Ingwer, ein paar geröstete Sesamkörner, Dill und ein Kraut, das wir mit ein wenig Recherche als Pfennigkraut identifizierten, stellten unter Beweis, wie man aus einem vertrauten Geschmacksbild das Maximum an Frische und Natürlichkeit herauskitzeln kann.
Das Herz der Speisekarte bildete zum Zeitpunkt unseres Besuchs die Spargelkarte, die auf einem klassischen Gerüst aus Spargel, Sauce Hollandaise und Kartoffeln basierte und sich um verschiedene Fisch- und Fleischstücke erweitern ließ. Wir wollten es wissen und bestellten mit der an der Gräte gebratenen Seezunge eine besonders anspruchsvolle Zubereitung. Belohnt wurden wir mit einem Fisch, der – mit ausgefalleneren Beilagen und Saucen – auch ohne Probleme den Pass eines mit 7 oder 8 Pfannen ausgezeichneten Restaurants hätte passieren können. Der im Ganzen fachmännisch gehäutete und in Perfektion goldbraun gebratene Plattfisch erreichte den idealen Garpunkt, leicht über glasig und geradezu prall am Gaumen. Der dazu servierte Spargel besaß einen guten Biss, die Sauce Hollandaise ein intensives Butteraroma. Als guter Kniff erwies sich auch die süßlich-würzige Schalottenkonfitüre. Sehr aromaintensiv war zudem die dunkle, fleischige Sauce, die laut Service auf einem dunklen Fischfond basierte und eine delikate Sherry- oder Madeira-Note aufwies. Lediglich eine etwas dezentere Bindung der Sauce hätte helfen können, dem Gericht noch einen Hauch mehr Leichtigkeit zu verleihen. Ansonsten war das unverhofft große Küche.
Etwas weniger demonstrativ, aber ebenfalls auf den Punkt, war ein Pasta-Hauptgang, in dessen Zentrum Orecchiette standen, die in einer getrüffelten Steinpilzsauce mit Kräuterseitlingen, Kirschtomaten und einer ordentlichen Handvoll frischer Kräuter serviert wurden, darunter Basilikum, Petersilie, Schafgarbe und Gänseblümchen. Sehr angetan waren wir vom Pasta-Handwerk und dem frischen Gesamtbild des Tellers. Die Sauce schmeckte zwar nicht wirklich nach Trüffel, was aber lediglich einen kleinen Abzug in der B-Note gibt, weil uns auf dem Teller schlicht und ergreifend auch keine Trüffelnote fehlte.
Das Dessert zeugte ebenfalls von gutem Handwerk und Produktverständnis. Im Mittelpunkt stand ein Törtchen mit Biskuit-Boden, weißer Schokomousse-Haube und Erdbeerkompott im Kern. Dazu passte ein Litschi-Sorbet ganz hervorragend, und zwei Blätter frischer Waldmeister untermauerten noch einmal, dass die Minimanufaktur ein Faible für hochwertige Kräuter abseits von Petersilie, Minze und Co. hat.
Auffallend überlegt war auch die handliche Weinauswahl, die zeigte, wie man aus wenig viel macht, wenn man auf gute Erzeuger setzt. Offen wurde beispielsweise ein Spätburgunder vom Weingut Heger ausgeschenkt. Hinzu kommt die Bierauswahl, die gleich mehrere Brauereien der Region beinhaltet und neben dem klassischen Pils auch für Saisonbiere der handwerklichen Inselbrauerei Rügen offen ist. Das macht Lust auf die kommenden Jahre!
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