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Fotos: midi

midi

Ernst-Heckel-Str. 4
66386 St. Ingbert
06894-9299423

aktualisiert: 09 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa ab 18.30 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Menüs: 110-170 €

Kurz nach der Veröffentlichung unserer jüngsten Kritik wurde bekanntgegeben, dass sich der bisherige Küchenchef des midi, Peter Wirbel, künftig neuen Herausforderungen stellen wird und ab September 2026 Marcus Langer an dessen Stelle rückt. Den hatten wir zuletzt noch sehr überzeugend im Kronenschlösschen in Eltville erlebt, wo er erst im Vorjahr angeheuert hatte. Wir sind gespannt auf den ersten Testbesuch unter neuer Ägide und setzen wie üblich die Bewertung bis dahin aus.

Die Kritik vom letzten Testbesuch 06 / 2026: 

In einer für ein gehobenes Restaurant maximal unscheinbaren Lage am Ortsrand in einem Industriegebiet versteckt, überrascht das Midi, das zum Verpflegungs- und Catering-Dienstleister Pirrung-Gruppe gehört, auf einer erstaunlich großen Fläche mit einem originellen Mixkonzept. Die ungewöhnliche Location kommt daher, dass es nicht nur Restaurant, sondern auch Mitnahmemarkt für hochwertige, nachhaltig erzeugte Lebensmittel aus dem Bliesgau ist, und die vielen großen vier- und rechteckigen Tische in dem relativ dunklen, aber mit farbenfrohen Akzenten aufgelockerten und durch Raumteiler-Regale etwas verwinkelt gestalteten Raum mittags als Betriebskantine genutzt werden. Der Gourmetbereich inmitten dessen ist überwiegend mit runden Tischen bestückt, die Übergänge sind jedoch fließend.

Dass das Team um Küchenchef Peter Wirbel hier zwar sehr ambitioniert und mit hohem Eigenanspruch kocht, aber nicht maximal filigran und elaboriert, konnte man man schon an den beiden Apero-Snacks in Gestalt knuspriger „One Bite-Tartelettes“ erahnen, die ein klein bisschen größer und ein, zwei Millimeter dicker gezeichnet waren als in vielen anderen Restaurants dieser Liga. Und es wurde noch deutlicher mit dem zweiteiligen Küchengruß, wo einem cremigen Knollenselleriesüppchen mit Nussbutter-Raviolo und buttrigen Croutons als Einlage ein Schälchen Kartoffelschaum mit französischer Blutwurst, Portweinschalotten, karamellisierten Pistazien und frittiertem Rucola gegenüberstand. Beides vollmundiges Soulfood und beides nicht gerade schlank.

Dass die Gerichte von Peter Wirbel meist nicht nur sehr gegenständlich, sondern auch etwas handfester sind, verdeutlichte dann auch die Vorspeise, die sich um viererlei Blumenkohl drehte, der als zart schnittfest gelierte Mousse, als nussbuttrige Creme, als fermentierte Röschen und als gedünstetes Exemplar auf dem Teller zu finden war. Begleitet von zweierlei gut mit dem Blumenkohlgeschmack korrespondierten Feigen-Komponenten (karamellisiertes Feigenviertel und als Gelee), etwas getoasteter Brioche und akzentuiert von ein paar Tupfen aus weißem Portweingel auf dem Moussewürfel, die - wie auch schon zuvor beim Amuse die mit rotem Portwein eingekochten Zwiebeln - einen ganz leicht unharmonischen, weil phenolisch wirkenden Touch vom Alkohol hatten.

Etwas proportionierter und eleganter in der Machart, aber ebenfalls schnörkellos und ungekünstelt, wirkte der Zwischengang mit sanft confierter regionaler Lachsforelle, die in Kombination mit Rhabarber, Minze und karamellisiertem Kürbiskerncrunch auch als kreativere Komposition daherkam. Das Ätherisch-Frische der Minze schlug hier zwar als frittierte Blätter und als aromatischer Bestandteil des Rhabarbersuds nicht so deutlich durch, aber der Rhabarber, der auch noch als Kompott-Nocke zugegen war, brachte mit seiner noch zarten Säure auch eine belebende Frische mit, die das Gericht dynamisch und leicht wirken ließ.

Trotz erdigerer Aromen ebenfalls sehr elegant und apart wirkte das Zwischengericht um zwei wunderbar glasige, zart knackige, reintönige Rotgarnelen, die bewusst nur sehr sanft gegart ihre Stärken voll ausspielen konnten. Und diese Vorzüge wurden auch von seidiger Süßkartoffelcreme, einem sehr klein gewürfelten Süßkartoffeltatar, ein paar frischen, zweifach gepulten Erbsen und einer konsistenten Beurre blanc mit feiner Säurestruktur nicht konterkariert, sondern vielmehr erstaunlich fein protegiert. Das wirkte dann im Vergleich zu den ersten Kostproben fast schon wie aus einer anderen Küche.

Sehr schön dünn-, aber auch etwas festteigig waren im Anschluss die mit einem Hachee von der Rinderwade gefüllten Ravioli, die den ersten Fleischgang des Menüs zusammen mit verschiedenem von der Lauchzwiebel, einem fruchtigen Tomatenkompott, etwas Sugo, Lauchöl und gehobeltem gereiftem Hartkäse zu einem sehr eingängigen, süffigen Wohlfühlgericht machten.

Sein gutes Händchen für ausdrucksstarke Fleischgerichte bewies der Chef dann auch im Hauptgang, dem in unseren Augen besten und auch kochtechnisch anspruchsvollsten Gericht des letzten Menüs. Das drehte sich um Zweierlei vom heimischen Reh aus umliegender Jagd, von dem der sehr schön saftig-zarte, aber nicht zu weiche gebratene Rücken und etwas geschmortes Keulenfleisch als Füllung einer knusprig ausgebackenen Gyoza-Tasche ins Rennen geschickt wurden. Und zwar mit Spitzkohl und einer aus Morcheln und Spitzkohl hergestellten Creme. Zum eigentlichen Star auf dem Teller avancierte aber die herausragende, mit vielen großen Morchelstücken und großen saftigen Kirschen vermengte Morchelrahmsauce, die durch ihre zwar durchaus prononcierte, hier aber perfekt eingebundene Sherrynote ganz nebenbei auch noch eine köstliche Rehabilitation der zuvor bei Amuse und Vorspeise nicht so virtuosen Alkoholeinsätze war.

Und auch wenn die Patisserie nicht die Paradedisziplin des sympathisch und bodenständig auftretenden Chefs ist, so rundete das Dessert sein Menü sehr ansprechend ab. Es bestand aus einer mit dunkler Schokolade glasierten und von Ganache aus hellerer Schokolade flankierten Baumkuchenschnitte nebst Erdbeersorbet und marinierten Erdbeeren, die von einer Nocke Zitrusfrüchtesorbet noch einen knalligen und etwas plakativen Erfrischungskontrast zur Seite gestellt bekamen. Und apropos zur Seite gestellt: stimmigen internationalen Weinbegleitern glasweise stehen auf Wunsch auch gut ausgesuchte alkoholfreie Optionen gegenüber, die das Menü anspruchsvoll begleiten können.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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