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Fotos: Meisenheimer Hof Restaurant

Meisenheimer Hof Restaurant

im Hotel Meisenheimer Hof
Obergasse 33
55590 Meisenheim
06753-1237780

aktualisiert: 11 / 2021
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 18 Uhr, So ab 12.30 Uhr durchgehend, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 24-44 €, Menüs: 49-109 €

Dieses stilvoll renovierte barocke Gasthaus mit Weinhotel im Herzen von Meisenheim, das seit 1699 als solches urkundlich erwähnt ist, wuchert mit jeder Menge Flair. In und um das Gebäudeensemble gehen vom lauschigen Innenhof, der an die historische Stadtmauer anschließt, über den stimmungsvollen Gewölbe-Weinkeller, bis hin zu den geschmackvoll schlicht gestalteten Gasträumen, alte Bausubstanz und moderne Gestaltungselemente eine sehr stimmige Verbindung ein. Am besten lässt sich das alles auskosten, wenn man eines der gut zwanzig individuell gestalteten Zimmer und Suiten bewohnt – der Meisenheimer Hof lohnt aber auch einen Besuch ausschließlich der Küche wegen.

Die ist das Steckenpferd von Jeune Restaurateur Markus Pape, der hier mit seinem Team ganz ohne Allüren und Extravaganzen, aber mit jeder Menge Kreativität und Gestaltungsfreude aufkocht. Sein Kulinarium ist auf der einen Seite stark regionalbetont, auf der anderen Seite aber auch sehr weltoffen. Klingt nach Alles und Nichts, wirkt hier aber alles andere als beliebig. Wir würden die Küche zudem als äußerst produktbezogen, schnörkellos und unverkünstelt beschreiben. Und als sehr vielseitig: Wo gibt es heute noch zwei unterschiedliche Menüs und eine schöne Auswahl an zusätzlichen À-la-carte-Gerichten, die alle auch noch unkompliziert miteinander kombiniert werden dürfen?

Ganz in diesem Sinne grüßte das Team zuletzt erst mit einem sorgfältig von Hand geschnittenen Tatar des regionalen Glantalrindes, das mit säuerlich eingelegten Pilzen und einer gebratenen Kappe vom Shiitake-Pilz, zitrischer Miso-Mayonnaise und einem milden, transparenten Dashifond leicht asistisch angehaucht war. Mit einer schön puren Gänseleberterrine nebst Himmel-und-Erde-Tatar, Sauce Cumberland und Brioche ging es beim zweiten Küchengruß in eine ganz klassische französische Richtung.

Ein erstes Highlight unseres letzten Besuchs, mit dem ein hervorragendes Produkt in kreativer, feinsinnig inszenierter Umgebung präsentiert wurde, folgte dann in Gestalt der Vorspeise um Bayrische Garnelen, die als fleischiges Carpaccio und als kurz und knapp angegrilltes aber noch weitgehend rohes Exemplar zum Besten gegeben wurden. Eine kleine Nocke Olivenöl-Eis, ein nussiges Gemüsetatar, grün-frisches knackiges Staudensellerietatar und etwas Salzzitronencreme spielten dem reintönigen, leicht süßlichen Garnelengeschmack so akzentuiert wie nötig und so zurückhaltend wie möglich zu, so dass das im niederbayrischen Langenpreising kultivierte Krustentier wirklich optimal in Szene gesetzt war.

Als selbstgewählter Einschub aus den À-la-carte-Gerichten kam sodann ganz klassisch und gegenständlich die kraft- und gehaltvolle Bouillabaisse daher, die in einer kleinen Cocotte präsentiert und stilecht von Röstbrot, Sauce Rouille und geriebenem Hartkäse begleitet wurde. Auch hier jede Menge Substanz, Qualität und guter Geschmack. So wie beim nächsten offiziellen Zwischengang des Gourmetmenüs, einem Ragout aus Lunge, Zunge und Herz vom „Lehnmühle-Kalb“, die mit knusprig gebackenem Bries desselben Tieres und keck mit Limone aufgefrischtem Kartoffel-Lauchstampf zu einem ebenso süffigen wie herzhaften Leibgericht für Innereien-Fans zusammenkamen.

Die perfekt saftige und zarte Tranche vom Seehecht aus der Nordsee mit ihrem extrem reintönigen, sauberen Geschmack stellte danach ein locker flockiges mediterranes Intermezzo dar: Auf etwas Gemüse „a la greque“ (Artischocke, Paprika, Olive, Zwiebel…) gebettet und von kleinen, fluffig-cremigen Gnocchi sowie einem leicht gebundenen Escabeche-Sud mit feiner Säure und geschmeidiger Struktur umgeben, hätte man sich für diesen Prachtfisch im Grunde kein besseres Umfeld wünschen können. Auch hier wieder viel Geschmack in vornehmer Zurückhaltung, alles zugunsten des hervorragenden Hauptprodukts.

Das obligatorische Sorbet vor dem Hauptgang gibt’s im Meisenheimer Hof meist als Interpretation eines Cocktails oder Longdrinks, diesmal eines „Gin Fizz“ auf Basis von Zitronensorbet – und als solches tatsächlich eine lohnende Erfrischung. Ob die auffällig gute „Sauce Grand Veneur“ zum nussig überkrusteten Rücken und dem zarten Keulenragout vom Soonwald-Reh tatsächlich ganz klassisch mit Johannisbeergelee abgeschmeckt war, vermögen wir nicht zu sagen – jedenfalls hatte sie eine ausgeprägt fruchtige Säureader und war auch sonst sehr prononciert und ausdrucksstark. So brachte sie in das Beilagen-Ensemble aus plakativ honigsüßem geschmortem Radicchio, etwas Stampf von der Steckrübe und einer Pfifferlings-Grießschnitte genügend Dynamik, so dass auf dem Teller ein balancierter Gesamteindruck entstand.

Den bot auch der unkomplizierte süße Abschluss in Gestalt einer Eigeninterpretation des Pfirsich-Melba-Themas mit Pfirsich, Himbeere und Vanille in unterschiedlichen Aggregatzuständen, die geschmeidig ineinandergriffen. Die Weinkarte listet Bestes von der Nahe, natürlich auch vom eigenen Weingut, aber auch darüber hinaus viel Gutes, Ausgewähltes aus anderen deutschen Anbaugebieten und aus europäischen Nachbarländern. Insbesondere das Bordelais ist prominent vertreten. Sommelier und Restaurantleiter Andreas Held empfiehlt nicht nur kompetent, sondern führt mit feinem, trockenem Humor auch sonst sehr kurzweilig durch den Abend.

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