Perrier_Superbanner

???

Fotos: MAX ENK

MAX ENK

Neumarkt 9-19 (Städtisches Kaufhaus Leipzig)
04109 Leipzig
0341-99997638

aktualisiert: 06 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mo-Sa ab 12 Uhr durchgehend, So Ruhetag
Hauptgerichte: 26-54 €,
Menüs: 69-90 €

Obwohl das Restaurant Max Enk im Städtischen Kaufhaus in der Leipziger Innenstadt residiert, ist es weit mehr als eines der unzähligen Shopping-Lokale, in die man einfach nur zum Durchschnaufen und für den kleinen Hunger einkehrt. Das auch architektonisch und atmosphärisch sehr besondere Lokal mit seinem saalartigen Ambiente unter einer großen Lichtkuppel zählt unter der kulinarischen Leitung von Küchenchef Roy Düsel seit Jahren zu den festen Größen der Stadt. Und das sehr beständig und auf einem konzeptionellen Niveau, das sich klar vom gastronomischen Durchschnitt abhebt, aber trotzdem alltagstauglich ist.

Auf der Speisekarte sprechen sofort die zahlreichen Nennungen von Produzenten und Lieferanten aus der erweiterten Region an. So kommt das Kalbfleisch beispielsweise nicht einfach von irgendwoher, sondern von der sächsischen Fleischerei Schemp, die Steinchampignons zum Leipziger Allerlei aus der Magdeburger Pilzmanufaktur, der Honig von Dirk Tischoff aus Frohburg, und die Trüffelspaghetti werden in Bennewitzer Rahm geschwenkt. Die Blutwurst allerdings stammt vom renommierten Metzger Hambel aus der Pfalz, der in seiner Heimat Kult-Status genießt und in den 90ern zahlreiche Staatsbankette von Altkanzler und inoffiziellem Wurst-Botschafter Helmut Kohl belieferte. Ein amüsantes Detail, das verdeutlicht, wie ernsthaft sich Düsel und sein Team mit dem Produkteinkauf befassen. Neben einigen in Leipzig und der weiteren Umgebung verwurzelten Gerichten wie Leipziger Allerlei oder Königsberger Klopsen listet die Speisekarte auch zahlreiche Klassiker der gesamtdeutschen Küche wie Kalbsschnitzel mit Spargel und Sauce Hollandaise sowie internationale Gerichte wie Steak Tatar mit Rösti.

Wie einfach es dem Team von der Hand geht, altbekannte Zutaten ins neue Gewand zu stecken, zeigte schon die Vorspeise, die aus einem Dreierlei vom Matjes bestand. Eine für Matjesverhältnisse angenehm rohe Tranche wurde auf einer grob gewürfelten, fast „salatigen“ Remoulade serviert. Ein Tatar wurde von knackigem Salat aus Rucola, Babyspinat, Rote-Bete-Blättern und Blutampfer begleitet. Ein ausgebackenes Filetstück kam mit lauwarmem Kartoffelsalat an den Tisch. Sowohl die Idee als auch die Umsetzung glückten, vor allem dank der Kombination im positiven Sinn fischiger Matjesnoten und erfrischend grasiger Aromen. Lediglich der frittierte Matjes bewegte sich durch das Erwärmen hart auf die Salzobergrenze zu, die für den einen oder anderen sensiblen Gaumen vermutlich schon überschritten wurde. Ansonsten ein perfekter neo-deutscher Bistro-Teller.

Für die Maultasche als Zwischengang führte die Reise scheinbar von der Nordseeküste nach Schwaben – doch genaugenommen änderte sich stilistisch recht wenig, denn ähnlich wie den Matjes hätte man ein derartiges Gericht in keinem Stuttgarter Wirtshaus angetroffen. Stattdessen griff die Küche die Idee kreativ auf, ersetzte das Schwein durch hocharomatisches, fast animalisches Rindfleisch und servierte dazu Blattspinat, Spargel, Pilze und eine dicht eingekochte Schmorjus. So bewegte sich das ehemals schwäbische Gericht irgendwo zwischen Maultasche und Pasta-Primo. Als konzeptionelles Detail fiel der Nudelteig positiv auf, der durch seine flexible Textur nicht italienisch al dente, sondern schwäbisch-schlotzig auf den Punkt gegart war.

Klassischer wurde es beim Hauptgang, zumindest was dessen Hauptdarsteller anging: Königsberger Klopse in Kapernsauce. Die zwei riesigen Kalbsklöße ließen kurz Sorgen um unsere Mägen aufkommen, die aber dank federleichter, fluffiger Textur mit der ersten Gabel direkt wieder verflogen waren. Mit modernem Einschlag wurden hier die Beilagen aus Blattspinat und Erbsenkresse zubereitet. Eine auf den zweiten Blick erfrischend aufgelockerte Kult-Speise!

Das Dessert in Gestalt einer Panna Cotta mit Erdbeeren war hingegen etwas einfacher gestrickt, aber handwerklich ebenso souverän umgesetzt. Vor allem, weil die Panna Cotta einen spürbar hohen Fettanteil aufwies und nicht allzu schnittfest, sondern fast schon schmelzig war. Abgerundet wird ein Mahl im Max Enk vom aufmerksamen jungen Serviceteam und einer kleinen, aber sehr ansprechenden Weinauswahl, die neben den klassischen Regionen aus Deutschland und Europa auch mehrere sächsische und Saale-Unstrut-Weine listet. Unterm Strich hat sich Max Enk aufs Neue zum Einkehren bewährt – egal, ob mit oder ohne anschließende Shopping-Tour.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



Das GUSTO-Lexikon der Köche

Hier finden Sie einen Großteil der Küchenchefs, deren Restaurants im GUSTO-Führer empfohlen werden. Das Lexikon wird ständig ergänzt.

Das GUSTO-Ranking der besten Restaurants

Hier finden Sie eine tagesaktuelle Übersicht aller im GUSTO-Führer empfohlenen Restaurants - sortiert nach ihrer derzeitigen Bewertung.