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| Täglich ab 12 Uhr durchgehend, kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 22-36 € |
1880 eröffnet, 2022 erwacht: das von einem engagierten jungen Team bewirtete Lokal im Herzen von München ist die zeitgemäße Version eines traditionellen bayrischen Wirtshauses. An sieben Tagen in der Woche wird hier in ebenso rustikalen wie stylischen Räumlichkeiten bei alpenländischer Popmusik von mittags bis abends durchgehend eine sehr gute alpenländische Küche geboten, die eigentlich ganz bodenständig daherkommt, aber trotzdem mit gehobenen Ansprüchen an die Produkte und das Handwerk zubereitet wird. Stilistisch ebenso heimatverbunden wie weltoffen.
Das Küchenteam setzt auf die Viktualien namhafte Erzeuger wie Gutshof Polting, Klaushof Tierwohl, die Bäckerei Gaues oder die Vulcano Schinkenmanufaktur – und überhaupt auf für ein bayrisches Wirtshaus überdurchschnittlich anspruchsvolle Produkte. Das rechtfertigt auch das vergleichsweise gehobene, aber hinsichtlich der gebotenen Qualitäten keinesfalls abgehobene Preisniveau.
Es gibt gängige bayrische Schmankerl wie Grießnockerlsuppe, ofenfrischen Krustenbraten vom Nacken und vom Bauch glücklich aufgewachsener bayrischer Schweine mit Dunkelbiersoße, Speckkraut und zweierlei Knödel, oder den Biergarten-Klassiker „Obatzda“ – Dinge, die es zwar fast überall, aber kaum irgendwo so gut wie hier gibt. Letzterer ist beispielsweise aus handgeschöpftem Camembert de Normandie AOP, Rubino-Paprika, Maldon-Seasalt und eingelegten Schalotten zubereitet. Es gibt aber daneben auch Gerichte, die weit über das hinausgehen, was man landläufig in einem regionaltypischen Gasthof serviert bekommt. Schon gar nicht in der handwerklich eleganten Umsetzung.
Zu denen würden wir zum Beispiel die Vorspeise unseres jüngsten Testbesuchs zählen: lockerflockig von leichter Hand angerichtete milde Matjes von der Fischerei Schliersee, die sehr schön festfleischig und klararomatisch zusammen mit grünem Apfel, selbsteingelegten Essiggurken, hauchdünn geschnittenen Ringen von roten Zwiebeln, Friséesalat und Kräutern sowie Hausfrauensauce und Kräuteröl zum Besten gegeben wurden. Ein leichter, frischer Auftakt mit natürlichen Aromen, der Lust auf mehr machen konnte.
Etwas mehr von dieser Natürlichkeit und produktnahen Umsetzung hätten wir auch dem Kürbissüppchen mit Kernöl und gerösteten Kürbiskernen gewünscht, denn trotz der charakteristischen leuchtend orangen Farbe war hier der typische nussig-fruchtige Geschmack des Kürbisses selbst nämlich gar nicht so präsent. Es dominierte mehr eine zwar schon auch natürliche, aber sehr würzige Grundlage, die die Suppe diffus „gemüsig“ und salzkonzentriert hat schmecken lassen.
Deutlich transparenter und „produkttypischer“ waren dann wiederum die Komponenten bei tipptopp kross auf der Haut gebratenen Lachsforellenfilets, ebenfalls von der Fischerei Schliersee, die zusammen mit sautiertem rotem Mangold und à part im Schälchen dazu gereichten fluffig-knusprigen Gnocchi auf einer mit Safran aromatisierten klaren Tomatenessenz präsentiert wurden. Das Team kann definitiv nicht bloß Schweinsbraten, Wiener Schnitzel (übrigens ein ganz fantastisches, buttrig-welliges!) oder Bauernente mit Knödel und Blaukraut, sondern eben auch Fisch in südländischer Leichtigkeit!
Paradedisziplin ist und bleibt aber die herzhaft zupackende bodenständige alpine Küche, zu der wir auch das geduldig geschmorte Edelgulasch vom Hirsch zählen würden, bei dem die saftig-mürben Stücke in gehaltvoller sämiger Sauce zusammen mit in Butter angebräunten Scheiben Brezenknödel und Apfelblaukraut aufgetischt wurden. Und natürlich Nachtisch wie den geeisten Marillenknödel auf Himbeercoulis und Vanillesauce oder die gebackenen und dann in Zimtzucker gewälzten Apfelküchle ohne jedwede fettige Penetranz.
Doch wer noch nie in der Max Emanuel Brauerei gegessen hat, sollte unbedingt den in der Eisenpfanne servierten, herrlich nach Rum duftenden und schmeckenden, dünn karamellisierten Kaiserschmarrn mit Rosinen und Mandeln probieren, der hier meist in Kombination mit weißem Apfelmus, Zwetschgenröster und Vanilleeis serviert wird. Eine respektable Weinauswahl und engagierter, zugewandter Service sind weitere Gründe für einen Besuch dieses sympathischen bayrischen Genussorts, zu dem auch ein Biergarten hinterm Haus gehört, der im Winter zur Eisstockbahn umfunktioniert wird.
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