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Fotos: Lou

Lou

im Cavalierhaus Branitz
Zum Kavalierhaus 9
03042 Cottbus
0355-49397030

aktualisiert: 06 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do-Sa ab 18 Uhr, So-Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 30-70 €,
Menüs: 100-200 €

Als eine der Hauptattraktionen von Cottbus lockt der Branitzer Park nicht zuletzt wegen der schillernden Persönlichkeit von Fürst Pückler immer wieder eine stattliche Anzahl an Touristen und Einheimischen an, die in dem weitläufigen Gelände flanieren und danach nicht selten beim schicken Kavaliershäuschen einen Imbiss zu sich nehmen. Die meisten ahnen vermutlich nicht, dass eine Einkehr dort am Abend noch weitaus lohnender ist als am Tage. Denn dann wird die die ohnehin ganz ansprechende Karte durch eine durch eine noch anspruchsvollere Menüfolge ersetzt, für die die beiden Chefkochs Tim Sillack und Lukas Freitag verantwortlich zeichnen.

Hat man erst einmal im hellen, überwiegend in Weiß und Ocker gestalteten Lokal Platz genommen, wird man rasch vom aufmerksamen Service unter der Leitung von Michaela Gärisch umsorgt. Und erfreut sich an drei meist klassisch gehaltenen, einleitenden Snacks zum Aperitif. In unserem Fall war die Käsefondue-Croquette mit Preiselbeere eher als augenzwinkernder Einfall zu verstehen, während ein Wan-Tan mit Rehtatar, Kapern und Crème fraîche auch substanziell einen ebenso starken Eindruck hinterließ wie die Spargelsuppe mit Tomatenconcassée und Kräuteröl.

Die Küche scheut sich nicht davor, regionale und sogar kochhistorische Aspekte ins Repertoire einfließen zu lassen und schickte zuletzt als rustikales Amuse eine mit Wirsing aufgerollte und nach „sächsischer Art“ mit einer Farce von geräucherter Zwiebelcreme, Rosinen und Mandeln gefüllte Rinderzunge. Platziert war das Türmchen auf einer aromatisch und süffig grundierenden Kalbsjus und für die passende Abrundung der Ouverture sorgte eine Brotauswahl mit exzellenter Leinölbutter.

Etwas zaghaft, weil kaum gewürzt und farblos angebraten wirkte zum Einstieg ins fünfgängige Menü das Tataky von der Gelbschwanzmakrele. Radieschen und geräucherter Kohlrabi hielten sich daneben ebenfalls beide aromatisch zurück, wohl um die typische japanische Reinheit und Klarheit einer Dashi aus den Karkassen nicht zu übertönen. Uns fehlte hier dennoch ein wenig der Mut, zum Beispiel die Raucharomen etwas deutlicher herauszustellen, denn so war bei diesem sehr milden, um nicht zu sagen ausdrucksschwachen Gang die Optik deutlich attraktiver als der Geschmack.

Die Komposition rund um zwei kurz angebratene Jakobsmuscheln wirkte da schon schlüssiger, denn die nussige Topinamburcreme erfuhr durch Hinzufügung von Rote-Bete-Ragout und Brunnenkresse eine merkliche herbe Aufwertung auf vegetabiler Basis. Der bekömmliche Zwischengang war erstaunlich duftig und frisch, sorgten doch eine schaumige Beurre banc mit feiner Säurestruktur und die clevere Idee, mit kleinen Segmenten von Blutorange immer wieder mal fruchtige Kontraste aufploppen zu lassen, für ein für ein aufgelockert leichtes und doch vollmundiges Geschmacksbild.

Bisweilen leitet das Team die Erwartungshaltung der Gäste auch auf amüsante Art in die Irre, indem zum Beispiel sattsam bekannte Klassiker kühn dekonstruiert oder obligatorische Zutaten durch andere ersetzt werden. Ein schönes Beispiel dafür war zuletzt etwa das panierte gebackene Eisbein, das angesichts einer reizend umgesetzten Garnitur aus Kartoffel- und Gurkensalat quasi als eine Art „falsches Wiener Schnitzel“ aufs Porzellan gesandt wurde – begleitet von Spargelspitzen und Hollandaise (sowie etwas Meerrettich), zu denen in der Saison ja auch oft und gerne ein echtes Wiener Schnitzel bestellt wird. In jedem Fall unterhaltsam und sehr schmackhaft.

Zum Hauptgang interpretierte das Küchenteam ein Rinderfilet vom Wolowina-Rind (weibliche polnische Simmentaler-Kreuzungen), auf „polnische Art“ mit gehobelten und sautierten Champignons und einer Dijon-Senfcreme getoppt. Sehr gut gefallen hat uns hier neben der reduzierten Jus auch die prononciert mit Kerbel und Estragon abgeschmeckte Sauce Béarnaise, die nicht nur einen stilechten und adäquaten Begleiter für das aromatische Fleisch, sondern auch für einen mit Creme und Chips von getrockneter Krauser Glucke getoppten Pomme-Anna-Riegel darstellte. Das gewinnbringende Zusammenspiel von Fleisch- und Röstaromen, die erdig-herben Noten und der säuerliche buttrige Schmelz der Hollandaise vereinten sich hier zu einem attraktiven Hauptgang, bei dem nach unserem Gusto nur die Senfaromen ruhig noch etwas präsenter hätten sein dürfen.

Als fruchtig-spritzige Überleitung zum Dessert gab’s ein Limettensorbet, das mit kandierten Zesten der Frucht, Cassis-Sirup und aufgegossenem Cremant auch noch weitere Facetten zu bieten hatte. Kompakt angerichtet und ähnlich inspiriert wirkte auch das abschließende Dessert, obwohl die hier annoncierte gebratene Vanillecreme mit Rhabarberkompott auf dem Papier zunächst harmlos klang. Aber mit zusätzlichen Reizpunkten durch dünne Plättchen Rosmarin-Baiser und Eis von Foie gras (!) mit Schokohülle bleib es nicht dabei – wenngleich man aus der kreativen Grundidee auch noch mehr hätte rausholen können.

Sieht man von Kleinigkeiten ab, bot das Lou auch dieses Mal wieder eine grundsolide Küchenleistung, bei der die Inspiration bisweilen unterschiedlich stark aufblitzte. Die handwerkliche Basis und die Produktqualitäten würden eventuell auch eine höhere Bewertung rechtfertigen, stilistisch bewegt sich das Kulinarium bisweilen etwas unentschieden zwischen verschiedenen Welten und sucht noch nach einer klaren Linie. Dank gastfreundlicher Preise, einer beachtlichen alkoholfreien Getränkebegleitung und kurzweiliger Gerichte lohnt sich ein Besuch hier aber grundsätzlich immer. Und das nicht nur, weil im südlichen Brandenburg die Optionen für gehobene Küche rar gesät sind.

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