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Fotos: Lindenhof

Lindenhof

Alte Emsstr. 7
48282 Emsdetten
02572-9260

aktualisiert: 07 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 25-40 €,
Menüs: 39-79 €

Ein Restaurant kann ein äußerst demokratischer Ort sein. Ein Ort für das Volk, für Einheimische und für Reisende. Für Jung und Alt, für Gäste mit Gourmetansprüchen und mit bodenständigeren Vorlieben. Es sollte gewiss auch ein Ort sein, der moderat mit der Zeit geht – also werden nicht nur Omnivoren glücklich, sondern auch Vegetarier. Das Ganze vereint in einem Gastraum, wo ein jeder sich wohlfühlen kann.

So ein Ort ist der Lindenhof. Ein hübsches Backsteinhäuser-Ensemble, das auch ein Boutiquehotel beheimatet. Dass in der ersten Adresse am Platz aber nicht nur auswärtige Hotelgäste Platz nehmen, merkt man schnell am vertrauten Ton zwischen Gästen und dem Servicepersonal mit handfester Gastlichkeit – eine Institution ist das Haus mit seinen Räumlichkeiten auch für Familienfeiern. Das Parkett des wohnlich-gediegenen Gastraums mit seinen altdeutschen Elementen und gut erhaltener Patina knarzt, gleichzeitig hängen über einem weißeingedeckten Holztisch vor einer goldgetünchten Wand stylische Occhio-Deckenleuchten und an den Wänden kulinarische Stillleben.

So wie das Interieur im Traditionsbetrieb konsensfähig ist, baut sich auch die Speisekarte auf. Da finden sich auf der einen Seite bei den Vorspeisen ein gemischter Salatteller oder Räucherlachs mit Reibeplätzchen und bei den Hauptgerichten Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffelsalat oder Rumpsteak, Bratkartoffeln, Pfeffersauce. Aus dem sinnvoll großen À-la-carte-Angebot werden auch das ambitioniertere Lindenhof-Menü, das es in drei oder vier Gängen gibt, und das vegetarische Drei-Gang-Menü zusammengestellt. Bereits der Küchengruß, ein kaltes, geschmeidiges Gurkensüppchen mit Dill und moderater Säure, funktionierte mit Eismeershrimp und der japanischen Eigelbcreme Kimizu auf hauchdünnem Brot-Chip gut.

„Hier kocht der Chef noch selbst“ gilt im Lindenhof mit Küchenchef Udo Hankh. Und das mitunter ganz hervorragend auch im ambitionierten Bereich! Denn wunderbar frisch und intensiv schmeckte die aufwendig inszenierte Wolfsbarsch-Ceviche. Zu reichlich knackigen, exakt denaturierten Fischstücken gesellten sich viele Elemente: abgeflämmte Avocado, Papaya, allerlei Kräuter und Blüten, darunter Bronzefenchel und Koriander, sowie krosse getrocknete Fischhaut. Schärfe und Säure der Leche de Tigre mit einem Hauch von Curry waren sehr ausgewogen; erst recht mit einem Geschmackspapillen beruhigendem Basilikum-Sorbet wurde hier, selbst für Ceviche-Novizen, kein Konfrontationskurs eingeschlagen.

Von Italien nach Westfalen und retour ging es beim Rindercarpaccio, denn der Italo-Klassiker war mit Pfifferlingen, dem Blauschimmelkäse „Friesisch Blue“ und fermentierter Pilzcreme nicht nur kräftig interpretiert, sondern wies mit hauchdünnem würzigem dunklem Brot und – das mag Einbildung sein – einem Hauch dickeren Fleischscheiben noch einen Tick Lokalkolorit auf. Neben reichlich Rucola und Sprossen sorgten diverse grüne Kräuter und Pinienkerne für belüftendes Leichtigkeits-Gegengewicht.

Recht kalt ließ uns leider das sehr heiße Süppchen, denn der Cappuccino von der Gartenerbse war geschmacklich etwas dünn geraten. Dessen Einlage aus saftig gebratener Jakobsmuschel und Zuckerschoten machte es allerdings dann schon wieder freudvoller. Als leider recht diffus erwies sich dazu als weiteres Tellerelement die Kombination aus Sanddorn, Blutampfer, Minze und Zuckerschoten-Juliennes zu rohem Jakobsmuschel-Carpaccio.

Wieder im sicheren Fahrwasser zurück war die Küche beim Hauptgang rund um US-Flanksteak, dem Hankh Barbecue-Anklänge durch leicht rauchige Noten und den Einsatz von Mais als gegrillte Mini-Kolben und im Bohnenragout beisteuerte. Eher die klassisch-konventionellere Richtung bespielten hervorragende Thymianjus, eine kräftige, doch nicht zu stark reduzierte Sauce, und Macairekartoffeln. Noch besser hätte uns der exakt rosa gegarte Cut gefallen, wäre er quer und nicht längs zu seiner langen Faser aufgeschnitten gewesen, was ihn partiell ein wenig sperrig zu kauen machte.

Wenngleich die Portionen durchaus gutbürgerlich sättigende Dimensionen bieten, ließ sich das Dessert, weil es unbeschwert sommerlich leicht daherkam, locker genießen. Das Erdbeertiramisu von der Riesenbecker Erdbeere schmeckte wie das italienische Original, nur mit lokalen Erdbeeren aromatisiert. Luftig leicht belebten die Schnitte ein Hauch von rosa Pfeffer, Champagnereis und Holunderblütengel.

Der gelungene Spagat, auch hier mit attraktivem Preis-Leistungsverhältnis, lebt auch beim Getränkeangebot weiter. So gibt es Frischgezapftes wie das regionale Pinkus Müller-Bier oder eine angemessene Europaweinkarte mit Deutschland-Schwerpunkt, die von Gutsweinen bis zu Hochgewächsen und Alkoholfreiem reicht.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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