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Fotos: Lindenhof 1887

Lindenhof 1887

im Hotel Lindenhof 1887
Friedrichstr. 39
25774 Lunden
04882-407

aktualisiert: 05 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 18 Uhr, So von 11.30-13.30 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 28-50 €,
Menüs: 60-130 €

Hinter der hübschen Klinkerfassade des geschichtsträchtigen Lindenhofs von 1887 mit seinen weißen stuckverzierten Fenstern und Türen empfängt ein zeitgemäßer Landgasthof par excellence die Gäste. Und was dessen Gastgeber Jasmin und Tjark-Peter Maaß dort in diesem geschichtsträchtigen Gebäude, das im Kern der beschaulichen nordfriesischen Ortschaft Lunden auf etwa halber Strecke zwischen Husum und Büsum liegt, an sorgfältig eingedeckten Tischen servieren, ist eine weit überdurchschnittliche Küche, die sich in allen Belangen deutlich von den meisten anderen Häusern dieser Gegend abhebt.

Das verwundert vielleicht nicht ganz so sehr, wenn man weiß, dass der Chef seinerzeit in einigen der besten norddeutschen Restaurants sein Handwerk gelernt und verfeinert hat. Allerdings setzt er im eigenen Refugium nicht auf großen Luxus und preistreibende Verfeinerungsexzesse, sondern bietet den Gästen im Vergleich zu den Gourmet-Hochburgen des Nordens lieber leicht nachvollziehbare Gerichte zu moderateren Preisen – wobei die hier schon auch zumindest gehobene Ambitionen erkennen lassen.

Neben drei- bis sechsgängigem „Genuss-Menü“ und zusätzlichen ambitionierten Gerichten à la carte gibt es für etwas konservativere Esser zwar auch die traditionellen Gerichte der „Klassiker“-Sparte, etwa Tönninger Matjes mit Hausfrauensauce und Bratkartoffeln, Nordseescholle in verschiedenen Varianten, Roastbeef vom Husumer Rind oder Wiener Kalbsschnitzel. Aber in der Mehrheit stehen schon solche Dinge wie wachsweiches Landei mit Küstenknolle, Deichkäse und Kaviar oder Steinbutt mit Blumenkohl, Lauch und Zitrone, die dann teils auch die Menüempfehlung einfließen, im Interesse des ebenso motivierten wie talentierten Kochs und seiner aufgeschlossenen Gäste.

So wie auch die Vorspeise, in deren Mittelpunkt attraktiv festfleischige Tranchen vom subtil kaltgeräucherten Glen Douglas Lachs standen, die hier in Rote-Bete-Saft mariniert und mit verschiedenen Bete-Komponenten wie Mousse und marinierte Würfel kombiniert waren. Mit aromatischen Akzenten wie eingelegter Senfsaat sowie Senf- und Grüne-Kräuter-Creme ergab das einen sehr ansprechenden Auftakt. Den bot aus der Auswahl à la carte auch der rosasaftige Kalbstafelspitz, der in dünnen Scheiben auf längs halbierte, knackige marinierte weiße Spargelstangen drapiert und von Avocadocreme sowie verschiedenen Rettichgewächsen umgeben war.

Sehr überzeugend waren zuletzt auch die Hauptgerichte wie das Duett von der Maispoularde, von der die sehr saftige und eigenaromatische Brust sowie eine mit Panko panierte und knusprig ausgebackene Praline aus geschmorten Keulenfleisch nebst einer dunklen Jus auf Geflügelbasis aufgeboten waren. Und zwar kombiniert mit Balsamicolinsen, gegrilltem Poree und Creme sowie Chips von der Sellerieknolle, wovon einzig die noch etwas zu knautschigen Lauchstücke etwas suboptimal waren.

Noch besser der Hauptgang des Menüs, der ebenfalls ein Duett aus Kurzgebratenem und Geschmortem vom gleichen Tier war, in dem Fall von Lamm. Hier war neben der zartmürbe geschmorten und mit Jus glasierten Schulter vor allem der mit seinem goldbraun angekrossten und ansonsten schön schmelzigen Fettdeckel perfekt gleichmäßig rosa gegarte Rücken der Star auf dem Teller. In einer frühlingshaften Entourage aus weißem Spargel, knackigen und zu Püree verarbeiteten Erbsen, glasierten Eiszapfen und fluffig-zarten Bärlauchgnocchi ohne knofelige Penetranz. Mit solchen Gerichten bewegt sich die Küche dann locker und lässig auf 6-Pfannen-Niveau!

Und auf dem lag ganz ohne Frage diesmal auch das Dessert des Genuss-Menüs, in dessen Mittelpunkt ein mit Erdbeer-Rhabarber-Sorbet gekrönter Mousse-Savarin aus Ruby-Schokolade stand, um den wiederum verschiedene weitere Spielarten von Erdbeere und Rhabarber verteilt waren – aufgelockert mit knusprigen Elementen wie Schokoperlen, Baiser oder Rhabarberchips.

So war, nach einem gerade in Sachen Detailsorgfalt etwas schwächeren Eindruck im Vorjahr, die diesjährige Stippvisite wieder durchgängig sehr positiv. Der familiäre Service ist im Lindenhof ohnehin immer sehr angenehm und in der Weinkarte findet man eine kleine, abwechslungsreiche Auswahl seriöser europäischer Erzeuger bis hin zum großen VDP-Gewächs. In sechs modern renovierten Doppelzimmern kann man zudem sehr angenehm nächtigen.

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