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| Di-Fr ab 18.30 Uhr, Sa-Mo Ruhetag |
| Menüs: 110-125 € |
Neuer Name, neues Outfit, neues Konzept, altes Team: in den Räumen des ehemaligen Gourmetrestaurant Clostermanns Le Gourmet, das in einem Flügel des atriumartigen Innenhofs im Hotels Clostermannshof bei Niederkassel noch bis Sommer 2025 Gäste empfangen hat, weht mittlerweile frischer Wind. Das Team um die langjährigen Masterminds Küchenchef Thomas Gilles und Chef-Pâtissier André Siebertz serviert jetzt im stylisch dunkel als eine Art Moody Room gestalteten LEU eine laute Selbstbeschreibung „moderne europäische Küche mit mutigen Aromen“. Und zwar in Form eines Menü-Baukastens mit insgesamt sieben Optionen, aus denen sich je ein maximal fünfgängiges Menü mit Fisch oder Fleisch in Vorspeise und Hauptgang oder eine entsprechende vegetarische Speisefolge zusammenstellen lassen, wenn man zum Abschluss nicht Dessert oder Käse, sondern Dessert und Käse nimmt.
Dass der Begriff „Gourmet“ aus dem Namen verschwunden ist, scheint für das neue Konzept ganz generell Programm zu sein. Denn obwohl natürlich trotzdem weiterhin sehr gut und auf hohem Niveau gekocht wird, wirkt es ganz so, als ob man bewusst etwas von den typischen Fine-Dining-Attitüden abrücken wollte. Auf den Tellern präsentiert sich das in etwas bodenständigeren, jedenfalls nicht allzu exklusiven und kostspieligen Produkten und weniger aufwändiger Klein- und Detailarbeit, also dem in diesem Zusammenhang vielbeschworenen „Chichi“. Nichts, was man vermissen würde.
Verschiedene Snacks als Küchengrüße vorneweg gibt’s auch nach wie vor. In Gestalt eines mit Taleggio gefüllten ausgebackenen Krapfens mit Kirschgel oder einem lauwarmen Salat von Fregola Sarda mit Rosenkohl und Erbsen unter einer mildwürzigen Schaumhaube von gelben Erbsen waren das in unserem Fall sehr gegenständliche, schmackhafte, aber nicht unbedingt außergewöhnlich raffinierte, ausgefuchste Happen, die das Menü eröffneten. Gutes hausgebackenes Sauerteigbrot mit Frischkäse, Kräutern und Kräuteröl, aber auch Creme von fermentiertem Knoblauch und aufgeschlagene Salzbutter gab‘s ebenfalls vorneweg.
Beim ersten Gang der nicht-vegetarischen Speisefolge fiel zunächst die hervorragende Qualität der mild gebeizten Fjordforelle in zwei dickeren Tranchen und auch die des Räucheraals auf – obwohl letzterer zusammen mit Würfeln von Petersilienwurzel und grünem Apfel zu einem Tatar vermengt war und nicht so sehr für sich selbst stand wie die festfleischige Forelle. Petersilienwurzel gab es auch als Püree auf dem Teller, das zusammen mit einer mit Garum aufgetunten und mit Kräuteröl marmorierten Röstzwiebeljus und geschmorten Zwiebelringen die herzhaft-süßliche Entourage der Fische stellte.
Dass das Team auch ganz ohne Fisch und Fleisch und sogar mit vermeintlich simplen Gemüsen ein überdurchschnittliches Geschmackserlebnis kreieren kann, bewies es mit dem vegetarischen Ensemble aus Fenchel, Spitzkohl und Avocado unter einem Topping aus säuerlich abgeschmecktem herzhaftem rotem Paprikarelish. Umarmend eingefasst von einer mit Olivenöl verfeinerten Beurre blanc und mit hauchdünnen Röstbrotstreifen durch einen haptischen Kontrast aufgelockert. Da wurde mit sehr einfachen Mitteln durch gutes Abschmecken und sorgfältiges Arbeiten Raffinesse erzeugt.
Der qualitativ ebenfalls überzeugenden Entenbrust im Hauptgang hatte man vor dem Braten bzw. Garen seine Haut und die Fettschicht entfernt, um sie schließlich mit Panko vermischt als rösche flockige Brösel darüber zu streuen. Arrangiert mit gebratenen Stücken vom auch als Igelstachelbart bekannten Schwammpilz Pom-Pom-Blanc, einem mit Mispel verfeinerten Kürbispüree, dünnen Scheiben von Hokkaido-Kübis und einer sehr guten, kraftvoll tiefen und doch elegant ausbalancierten Jus. Als süffigen Side-Dish zum Löffeln gab’s zudem ein Confit von der Entenkeule mit Spaghettikürbis unter Kürbisschaum, so dass das Hauptprodukt hier in verschiedenen Facetten präsent war und schon von daher zu einem äußerst befriedigenden Ergebnis führte.
Mit einem recht verwegenen salzig-süßen Twist aus Salzpflaume, Steinpilzeis, Portweinespuma und Röggelchen-Croutons wurde kreativ zum eigentlichen Abschluss übergeleitet, bei dem mit Topinambur auch ein ungewöhnlicheres Produkt in den Mittelpunkt gerückt wurde. Und zwar knusprig und cremig, in Kombination mit Quitte, karamelliger „blonder“ Schokolade und brauner Butter, zitrisch erfrischt von Buddhas Hand. Mit Lupinen-Miso hatte auch die finale Zimtschnecke zum Espresso eine nicht ganz alltägliche Zutat und komplettierte zusammen mit den Desserts den durchaus kreativen Schlussakkord eines ansonsten von den Geschmacksbildern her eher klassisch-gediegenen Menüs.
Weil auch weinmäßig nach wie vor eine gute internationale Auswahl zur Verfügung steht und das alles zu moderaten Preisen zu haben ist, bleibt der Clostermanns Hof auch mit dem neuen Leu eine attraktive kulinarische Adresse.
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