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Fotos: Le petit CINQ

Le petit CINQ

im Boutique Hotel Esplanade
Nauwieserstr. 5
66111 Saarbrücken
0681-84499120

aktualisiert: 02 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
So-Di von 12-13.30 Uhr u. ab 18.30 Uhr, Mi-Sa Ruhetag
Menüs: 69-87 €

Die ehemalige Schule, die heute das Designhotel Esplanade samt seines gleichnamigen Spitzenlokals beherbergt, in dem unser amtierender Koch des Jahres Silio Del Fabro wirkt, konnte sich in ihrer neuen Rolle einen exzellenten Ruf erarbeiten, der längst bis weit über die Grenzen des Saarlands wirkt. Und so erwies es sich als eine sehr clevere und förderliche Maßnahme der Geschäftsleitung, mit einem „Zweitrestaurant“ namens Le petit CINQ, das in denselben Räumlichkeiten im Hochparterre residiert, aber von einem anderen Küchenchef geleitet wird, die Wochentage zu überbrücken, an denen das Esplanade Ruhetag hat. So sieht man sich hier seit mittlerweile anderthalb Jahren in der Lage, an jedem Tag in der Woche mittags und abends anspruchsvolle Küche offerieren zu können. Und das etwas niederschwelligere Angebot in der „Kleinen Fünf“ lockt nach unserem Gefühl gezielt auch jede Menge neue Gäste an, die bislang durch eigentlich unbegründete Berührungsängste mit Spitzengastronomie abgeschreckt waren.

Dass die Küche des Le petit CINQ so zugänglich ist, wie kaum eine andere auf diesem Level, macht es den Gästen auch wirklich einfach, sich hier entspannt zurückzulehnen und zu genießen. Denn zu genussfreudig günstigen Preisen kreiert der gerade mal 27-jährige Chefkoch David Wottke hier Woche für Woche ein neues, hochklassiges Menü, das außerdem in einer vegetarischen Variante erhältlich ist. Die Einflüsse seines Mentors Silio del Fabro sind da stilistisch durchaus erkennbar und das Niveau, auf dem das alles geboten wird, ist beeindruckend.

Einen ersten Indikator lieferte zuletzt die Vichyssoise, die ganz bewusst etwas schlanker und säuerlicher interpretiert ist als klassischerweise üblich. Dem sorgsam herausgearbeiteten Geschmack von Kartoffel und Lauch tat das keinen Abbruch, im Gegenteil – zumal Forellenkaviar und ein paar Tropfen Limonenöl dieses leichtfüßige Amuse gewinnbringend abrundeten. Große Meisterschaft bewies die Küchenbrigade dann beim bildschön drapierten Mosaik von in Kräutern mariniertem Lachs. Dessen vorzügliche Qualität manifestierte sich in festfleischiger Textur und klararomatisch frischem Geschmack, deren Wirkung durch die Begleiter noch potenziert wurde: Die dominierende Gurke wurde sowohl mit Wasabi zu einem Sorbet als auch mit Dill zu einem Öl verarbeitet; weitere Facetten steuerten zweierlei sorgsam abgeschmeckte Cremes von Avocado und Schalotten bei. Gekrönt von einem Chip aus Nori-Algen und einer Nocke „N25“-Kaviar entstand daraus eine sehr ausgereifte Visitenkarte, die besonders durch ihre Transparenz und die mit unterschiedlichen Temperaturen erzeugte Dynamik beeindruckte.

Das hohe Niveau der Küchenleistung unterstrich auch der farbenfrohe Zwischengang, in dessen Zentrum ein knallgrünes, mit Petersilie aromatisiertes Perlgraupenrisotto von wunderbarem Biss stand, das in heiterer Vielfalt umspielt wurde. Nämlich von pikant angeschärften Buchenpilzen, einer herrlich süffigen, aufgeschäumten Tomatennage und weiteren Tomaten-Komponenten sowie Parmesanchips. Eigentlicher Hauptakteur war aber gegrillter Pulpo, dessen festes saftiges weißes Fleisch einen willkommenen Kontrapunkt zu den ansonsten weichen Komponenten darstellte. In Sachen Intensität durch natürliches Umami drückte die Küche hier das Gaspedal fast voll durch, doch hielt problemlos die Balance.

Ganz besonders nahbar erscheinen die Speisen automatisch immer dann, wenn keine typischen Luxusprodukte Verwendung finden, sondern vielmehr alltägliche, bodenständige Traditionsgerichte in stark verfeinerter Version zum Besten gegeben werden. So wie in unserem Fall die weihnachtliche Entenkeule, die in confierter und gegrillter Form als saftstrotzendes Prachtexemplar daherkam. Wobei eigentlich die hinreißende Entourage des Geflügels noch mehr beeindruckte. Denn dank sehr präziser und ausgesprochen leichtfüßiger Zubereitung waren ein Zylinder sowie zu Creme verarbeitete Knollensellerie, geschmorter Rotkohl, Pilzschaum, fluffige Kartoffelklöße und etwas Krause Glucke, insbesondere aber auch die meisterliche Madeirajus, dem saftig-zarten Geflügel überraschend raffinierte Begleiter, die das Gericht auf ein anderes Level hieven konnten.

Optisch harmlos wirkte als Zwei-Komponenten-Dessert schließlich der Nachtisch, der auch die Frage aufwarf, wie außergewöhnlich etwas vollkommen Schlichtes wie ein warmes Schokoladenküchlein auf Vanillesauce sein kann. Doch dank bester Produkte und vor allem perfekter, aufwendiger Zubereitung gelang es auch hier, ein süßes Finale zu kreieren, das beeindruckte. Und zwar ganz abgesehen davon, dass es à part auch noch von einem Schälchen mit straff-säuerlichem Waldbeerenragout unter köstlichem Rumrosineneis nebst Himbeerschaum und krossem Teigblatt eskortiert wurde. Lehrbuchcharakter hatte das Dessert schon deshalb, weil es einmal mehr den Stellenwert bester Produkte und präzisen Handwerks für die Spitzenküche herausstellte.

Belehrend wirkt im Le petit CINQ allerdings nichts. Weder die Küche noch der Service, so dass hier in einem eleganten, aber nicht luxuriösen Ambiente stets ungezwungen-lockere Atmosphäre aufkommt. Serviceleiter Manfred Bolsch nimmt die Gäste auf entspannte Art mit und führt selbst Gourmetnovizen charmant an die pfiffigen und erstaunlich reifen Kreationen aus der Küche heran. Dass man hier auf die fair kalkulierte große Weinkarte des Restaurant Esplanade zurückgreifen kann, ist ein weiterer Pluspunkt des Le petit CINQ, das Saarbrücken um eine kulinarische Attraktion reicher macht.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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