Perrier_Superbanner

???

Fotos: Land-Steakhaus

Land-Steakhaus

im Hotel Land-Steakhaus
Bayernstr. 16
86688 Marxheim
09097-239

aktualisiert: 06 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Fr ab 17.30 Uhr, Sa u. So von 11.30-13.30 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 18-60 €,
Menüs: 60-100 €

In den größeren Städten sind Steakhäuser meist irgendwelche anonymen Kettenrestaurants mit einem Konzept vom Reißbrett – das Land-Steakhaus im beschaulichen nordschwäbischen Marxheim ist das genaue Gegenteil: ein bereits in fünfter Familiengeneration betriebener, im besten Sinne gutbürgerlicher Landgasthof, der sich schwerpunktmäßig der gepflegten Steakkultur verschrieben hat. So offeriert die Karte in den unterschiedlichen Gasträumen des stattlichen Gebäudes, zu dem auch eine bis zu 200 Personen fassende Veranstaltungslocation, ein Hochzeitspavillon, die sogenannte „Stadl-Bar“ und komfortable Hotelzimmer bis zur luxuriösen Suite gehören, als Hauptattraktion unterschiedliche Cuts diverser Rinderrassen, die vom ausschließlich korngefütterten Black Angus aus Australien über trockengereifte deutsche Färse bis zum Wagyu aus dem Salzburger Land reichen und mit klassischen Beilagen nach Wahl kombinierbar sind.

Aber längst nicht nur das: auch Fleisch vom Strohschwein in bestimmten Zubereitungsarten, original Wiener Schnitzel vom Kalb, und natürlich ein paar vegetarische Optionen sowie immer ein oder zwei Fischgerichte gibt es in der Karte. Für alle, die etwas umfangreicher schlemmen wollen, selbstverständlich auch ein halbes Dutzend Vorspeisen, unter denen wir uns diesmal nicht nur dem für ein ambitioniertes Steakhaus fast schon obligatorischen Rindertatar angenommen haben, das vorbildlich zubereitet, natürlich von Hand gewürfelt, nur etwas sehr säuerlich (viele eingelegte Kapern!) und auf der Oberfläche tüchtig nachgesalzen war, sondern auch der als „Landsteakhaus Spezial“ offerierten Überraschungs-Vorspeise.

Diese entpuppte sich als eine durchaus attraktiv zubereitete Interpretation von „Vitello Tonnato“, wobei hier das von vielen größeren Tupfen der typischen Thunfischcreme umgebene Vitello als drei kleine Zylinder auf dem Teller zugegen war, bei denen das schön rosasaftige Kalbfleisch sich in dünnen Lagen um eine Farce aus Sauerrahm und Räucherlachs schmiegte. Getoppt waren sie von eingelegter Senfsaat mit dienlicher Süße und umgeben gepickelten Perlzwiebeln, die wiederum Säure beisteuerten und zusammen mit der Thunfischcreme und etwas Kräuteröl für ein ausgewogen dynamisches Geschmacksbild sorgten.

Dafür allein hätte man ebenso knapp 5 Pfannen vergeben können wie für die Basilikum-Ravioli, die eigentlich als veganer Hauptgang zur Disposition standen, von uns aber zum Zwischengang umfunktioniert wurden: hausgemacht, angenehme Teigstärke, schön elastisch und trotzdem bissfest, nur die spezifische Basilikumnote in der wie eine Art Tapenade gearbeiteten Füllung hätte man durchaus etwas klarer herausarbeiten können, weil die zwar kräuterwürzig und wohlschmeckend, aber eben nicht sehr verbindlich nach dem namensgebenden Kraut geschmeckt hat. Ansautiert mit glasigen Zwiebeln und Tomatenconcassée, getoppt mit Rucola, einer Balsamicoreduktion und Parmigiano, war das aber auch so ein sehr schmackhaftes, grundsolides Pastagericht. Wer vor dem Hauptgang vielleicht nur eine Suppe essen möchte, dem können wir die schön schmelzige Zwiebelsuppe nur wärmstens empfehlen, die stilecht oldschool mit Weißbrot und Käse überbacken ist und einfach Spaß macht.

Da wir nun schon öfter hier zu Gast waren, können wir es guten Gewissens als Ausnahme von der Regel werten, dass die Küche bei unserem jüngsten Besuch ausgerechnet in ihrer Paradedisziplin, den Fleischgerichten, etwas schwächelte. So fanden wir etwa auf einem Teller nicht nur den sous-vide gegarten rosa Tafelspitz, der schon vom Aufschneiden teilweise zerfleddert war, viel zu weich und mürbe, sondern auch dessen Kartoffel- und vor allem Gemüsebeilage, so dass das gesamte Gericht, was die Texturen angeht, eindimensional gewirkt hat. Weil zudem die Meerrettichsauce und der zusätzlich darüber gehobelte Kren eher von der milden Sorte waren, fehlten aber auch geschmacklich ein wenig die Konturen.

Deutlich mehr Fleischspaß brachte das auf der dicken Edelstahlplatte des speziellen Steakgrills mit röstwürziger Bratkruste eher rare als (wie gewünscht) medium finalisierte Entrecôte, das eine tolle Fleischqualität bot. Auch die Sauce Béarnaise mit nicht nur verbindlichem Estragongeschmack, sondern auch schön ausgewogenem Spiel von Säure und Süße, konnte auf der Habenseite verbucht werden. Im Soll blieb die Küche nur mit den seltsam ledrig-trockenen Ofenkartoffeln als Beilage.

Und obwohl wir hier stets in großer Versuchung sind, als Nachtisch den sehr guten hausgemachten Kaiserschmarrn mit Rosinen und Mandeln nebst feinsäuerlichem Apfelkompott zu bestellen, von dessen Vorzügen wir uns schon wiederholt überzeugt haben, nahmen wir auch diesmal unsere Chronistenpflicht ernst und uns dem „Landsteakhaus Spezial“-Dessert an. Das war ebenso ambitioniert gefertigt wie die „Landsteakhaus Spezial“-Vorspeise“, bestand aus einem mit Rhabarber und aromatisch blassem Quittengelee befüllten Tartelette-Schälchen aus Mürbteig, auf dem nicht nur eine Nocke von ausgesprochen gutem Fichtensprosseneis thronte, sondern auch ein mit Waldmeistermousse gefüllter und mit Waldmeistergel und Apfelblüten applizierter Cannellono aus kandiertem Rhabarber – letzterer leider nicht zartkross, sondern eher hart und zäh.

Als Fazit des aktuellen Testbesuchs bleibt eine klare Empfehlung für dieses sympathisch bodenständige Steakhaus und seine eher traditionellen Zubereitungen – aber auch die Anerkennung, dass sich die Küche bemüht, jenseits ihrer unverrückbaren Klassiker immer auch mal neue Dinge auszuprobieren.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



Das GUSTO-Lexikon der Köche

Hier finden Sie einen Großteil der Küchenchefs, deren Restaurants im GUSTO-Führer empfohlen werden. Das Lexikon wird ständig ergänzt.

Das GUSTO-Ranking der besten Restaurants

Hier finden Sie eine tagesaktuelle Übersicht aller im GUSTO-Führer empfohlenen Restaurants - sortiert nach ihrer derzeitigen Bewertung.