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| Do u. Fr ab 18.30 Uhr, Sa-Mo von 12-14 Uhr (kleine Karte) u. ab 18.30 Uhr, Di u. Mi Ruhetag |
| Menüs: 69-190 € |
Es besitzt einen ganz eigenen Charme, dieses Spitzenrestaurant an einer der stets zugeparkten, engen Straßen im Studentenviertel Kölns, die ansonsten Kiosks, Inder oder Dönerländen aufweist. Mit dem Eintritt in das kleine La Société findet man sich in einer anderen, ruhigeren Welt wieder, die sogleich Wärme und Gediegenheit ausstrahlt. Ja fast ein wenig Wohnzimmerfeeling, was auch am ebenso aufmerksamen wie freundlich-nahbaren, aber nie distanzlosen Serviceteam liegt. Dieses wird von der charmanten Soukaina Ababou geführt, die auch die Sommellerie betreut, und der dabei gekonnt die Balance zwischen persönlichen Lieblingen und passenden Wine-Pairings gelingt. Ihre Weinkarte ist mit 23 Seiten kleiner als im Schwesterrestaurant „Gut Lärchenhof“ und hat ihre Stärken in Deutschland, der Champagne sowie dem Burgund.
Leon Hofmockel, einst einer der Souschefs von Sven Elverfeld im unlängst verblichenen Aqua und erklärter Fan der französischen Klassik, ist kein Koch, der Angst vor starken Aromen hat. Ganz im Gegenteil, scheint er doch die Herausforderung zu suchen, mit solchen nicht nur ausbalancierte, sondern auch elegante Gerichte zu kreieren. Beim ersten regulären Gang des Menüs setzt er nicht einfach nur Aal, sondern gleich herzhaften Rauchaal ein. Mittig im Teller findet sich feincremige Panna Cotta vom weißen Spargel, darauf die Würfel des Fischs, getoppt von einer Nocke Oscietra-Kaviar, die jodige Akzente addiert, gekrönt von vier hauchdünnen, knusprigen Teigquadraten. Als Spiegel setzt Hofmockel eine Molke-Vinaigrette mit Punkten von Yuzu-Öl ein, die dem fetten Fisch enorme Frische verleiht – ein Drahtseilakt, der gelingt. Mehr als ein kleiner Gag am Rande: das Gericht wird mit einem gekühlten Löffel gegessen, der à la Minute eingedeckt wird.
Auch bei einem von drei möglichen Upgrade-Gängen kommt Oscietra-Kaviar zum Einsatz. Abermals wird zentral in einem runden Teller angerichtet, doch diesmal liegt die Nocke auf einem Klecks geräucherter Crème fraîche, die sich wiederum auf einem Tatar vom Kaisergranat befindet. Wieder spielt Hofmockel also mit den Elementen Rauch, Cremigkeit, Jod – und auch die Frische vergisst er nicht, diesmal in Form eines Spiegels aus Koju-Vinaigrette mit fein geschnittenen Schnittlauchröllchen. Die Säure fällt hier geradezu seidig aus und insgesamt arbeitet Hofmockel so subtil, dass die feine Aromatik der Meeresfrucht uneingeschränkt zur Geltung kommt, ja sogar regelrecht zum Strahlen gebracht wird.
Weiter geht es mit Sashimi vom Balfegó-Thunfischbauch, zentral auf dem Teller und teilbedeckt von fermentiertem Kohlrabischaum. Diesmal fährt Hofmockel gleich mehrere starke Begleiter auf, wenn auch jeweils nur in kleinen Portionen: Salzgurken mit Fichtenöl, kleingehackte Macadamianuss, feingeschnittene Kapernblätter, Stifte vom Granny-Smith-Apfel, und als wäre das noch nicht genug, zuunterst eine Schicht Liebstöckelemulsion. Hier geht es nicht um Subtilität, sondern um zupackende Aromen, doch ins Rustikale rutscht der Gang dennoch nicht ab. Stattdessen stellt sich eine konstante Kanonade starker Akzente ein, ätherisch, straff säurebetont, nussig, fruchtig, bei denen der Thunfisch die Funktion hat, all dies zusammenzuhalten und ein ruhiges Zentrum zu bilden – was ihm bravourös gelingt.
Der nächste Gang verrät viel über den Koch Leon Hofmockel, der die handwerkliche Herausforderung sucht, selbst wenn diese der Mehrzahl seiner Gäste nicht auffallen wird. Die französische Wachtel grillt er nicht der Einfachheit halber in Teilen, sondern im Ganzen, und es gelingt ihm, dass dabei alles ebenso saftig wie mit dunkler, krosser Haut beim Gast ankommt. Das Geflügel ruht auf einem Bett aus dicken Bohnen, Senfkörnern, Schalotten und Petersilie, die umgebende Jus mit starken Röstaromen ist vorbildlich gearbeitet. Am Tellerrand zwei kleine, aber aromenstarke Kleckser Artischockenpüree. Auch bei diesem Gericht gelingt Hofmockel das Kunststück, die Geschmacksnoten und Aromen mutig aufzudrehen, aber alles in der Balance zu halten.
Der klassische Hauptgang wird im La Société nicht zu einer beschwerenden Übung in Klassik, sondern zu einem im wahrsten Sinne des Wortes erfrischen kulinarischen Dreh. Zwei perfekt gegarte Stücke Miyazaki-Wagyu der höchsten Fettstufe „A5“, von denen eines mit einem groben Pistazienpesto mit Berberitzen und Anis bestückt sind, werden von gleich drei flüssigen Begleitern umschmeichelt: einer Paprika-Kimchibutter, einer Sauerteigbrotcreme und einer feinen Jus, die mit Yuzu-Öl angespitzt ist. Es ist ein Spiel unterschiedlicher, dabei aber niemals aggressiver Säuren, die hier für eine bemerkenswerte Leichtigkeit sorgen, trotz der großen geschmacklichen Tiefe des Fleisches. Auch hier nutzt Hofmockel den Rand des Tellers wieder, diesmal gibt es à part Dreiecke von gegrillter Paprika mit „Don Bocarte“-Anchovis. Und obwohl die Menge sehr gering ist, setzen diese faszinierende Schlaglichter.
Für die Nachspeisen ist im La Société Wioleta „Wio“ Stawska zuständig, die zuvor im Bensberger Vendôme tätig war. Ihr Pré-Dessert fordert viel vom Gast und ist alles andere als eine Brücke vom herzhaften zum süßen Teil des Menüs. Strahlend orange bildet eine Nocke Karottensorbet das Zentrum des Tellers, darunter findet sich Karottentartar, drumherum Piemonteser Haselnüsse, sehr salziger Fourme d’Ambert, Rote Bete sowie eine mit Meerrettich und Apfel abgeschmeckte Vinaigrette von Rote Bete. Das weckt fraglos die Geschmacksknospen, ist aber so wenig süß, dass es auch als Vorspeise durchgehen würde. Zudem fehlt dem Gericht nach unserem Empfinden die geschmackliche Mitte.
Der eigentliche Nachtisch gelingt Wioleta Stawska dagegen grandios! Vier abwechselnde Lagen von Madagaskar-Pfeffermousse und Crème brûlée, getrennt durch hauchdünne und knusprige Teig-Oblaten, außen mit Fingerlimes und Punkten von rassig säurebetontem Passionsfruchtkaramell verziert, obenauf eine Nocke Yuzu-Kokosnusseis. Wie es Stawska schafft, dass die Kokosnote nicht dominiert und die betonte Pfefferwürze erst im Nachklang in den Vordergrund rückt, ist bemerkenswert. Und es passt hervorragend zum Küchenstil Leon Hofmockels, der trotz seiner noch jungen Jahre mittlerweile schon eine fast altmeisterliche Souveränität auf seinen Tellern zeigt.
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