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| Di-Sa ab 17.30 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 20-32 €, Menüs: 45-58 € |
Von außen mutet diese Gastwirtschaft am Rande der zu Frickingen gehörenden Ortschaft Altheim, die etwas erhöht im Bodensee-Hinterland versteckt liegt, sehr unscheinbar an. Wie ein süddeutsches Gasthaus von vielen. Doch wer das Lokal durch die Tür mit dem altdeutschen Schriftzug darüber betritt, dem offenbaren sich gemütlich und mit vielen handwerklichen Holzarbeiten sowie Sammel- und Kunstobjekten individuell eingerichtete Gasträume, die den Löwen zum ländlichen Kleinod machen.
Und spätestens der Blick auf die Menükarte zeigt, dass auch die Küche mehr als das Alltägliche bietet. Abseits von schwäbischen Klassikern sind darin nicht wenige internationale Einflüsse zu erkennen, denn inspiriert von zahlreichen Reisen in exotische Gefilde baut Inhaber und Koch Roman Pfaff sehr gern Aromen und Produkte aus anderen Kulturräumen ein und gibt seiner Küche damit erheblich mehr Profil.
Pfaff, der nach seiner Kochausbildung auch ein Studium in Wirtschaftswissenschaften absolvierte und erst dann seine Mutter Isolde am Herd des heimischen Lokals ablöste, macht hier generell einen attraktiven Spagat zwischen lässiger Bodenständigkeit und gehobenen kulinarischen Ambitionen. Der gelingt ganz ohne exklusive Produktpalette oder aufwendiger Kleinkunst auf den Tellern, einfach nur mit Frischeanspruch, sorgfältigem Handwerk und guten Ideen.
Man kann sich aus der nicht zu umfangreichen Karte selbst eine persönliche Auswahl zusammenstellen, oder das viergängige, überaus kulant bepreiste Menü nehmen, das meist die kreativeren Inspirationen beinhaltet. Bestes Beispiel dafür war gleich der erste Streich, der „keine Sommerrolle“ hieß und nach Vietnam entführte. Seinen Namen verdankte das Gericht dem Umstand, dass hier auf das sonst bei Sommerrollen obligatorische Reispapier verzichtet wurde und die Komponenten auf dem Teller ausgebreitet waren. So wurde der Soja-Marinade eingelegte Zander, der ebenfalls zu dem Gericht gehörte, auf Glasnudeln und Romanasalat gebettet und nicht nur von einer mit Chili angeschärften vietnamesischen Fischsauce begleitet, sondern auch von weiteren markanten Elementen wie Honigmelone, Minigurke, Koriander und Minze. Das ließ das Ganze zwar nicht sehr stringent, sondern eher bunt und vielleicht auch etwas unruhig wirken, war aber dennoch ein schmackhafter Start.
Weiter führte uns die Reise nach Spanien, wo die kühle, knallgelbe Gazpacho auf Basis der vollreifen Ochsenherztomate „Heart of Gold“ deutlich zugespitzter wirkte. Sie vereinte vollaromatische Frucht und die typisch bitterwürzige Note von Paprika auf vorzügliche Weise, war optimal temperiert und von perfekt sämiger Konsistenz, die den andalusischen Klassiker auszeichnet. Ein paar Croûtons, ein Hauch Knoblauchöl und eine Handvoll essbarer Blüten genügten da zur gelungenen Abrundung vollauf.
Das Flat Iron Steak im Hauptgang kannten wir schon aus dem Vorjahr, und auch diesmal gelangte das Schaufelstück der Rinderschulter in Referenzqualität auf den Teller. Die zwei Streifen des außen röstaromatisch-krossen, innen schön saftigen Fleischs wurden in der diesjährigen Variante allerdings ganz anders interpretiert, nämlich auf mariniertes Sommergemüse wie Tomaten, rote Zwiebeln und Staudensellerie gebettet und von einem Tomatenfond umspielt. Die drei ebenfalls dazu gereichten Quesadillas mit herzhafter Füllung von Alpkäse aus der nahen Hofkäserei Heggelbach ließen tadelloses Handwerk erkennen und erwiesen sich als originelle Begleitung mit mexikanischem Flair und trotzdem viel Lokalkolorit.
Zum Ausklang ließ sich die süße Abteilung „Monte di bergamotto“ einfallen, was sich auf dem Teller als ein schön mürbes, mittig aufgeschnittenes Mandel-Madeleine mit einer Füllung aus Bergamotte-Curd präsentierte. Details wie geflämmtes Baiser und gestoßene Pistazien verliehen dem unkomplizierten Dessert reizvolle Akzente und ließen das Menü würdig ausklingen.
Das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis und die sich auf Basis vieler heimischer Produkte nicht nur sehr weltoffen und einfallsreich, sondern auch erfreulich weit abseits des Mainstreams bewegende Küche von Roman Pfaff sind klare Argumente für einen Besuch. Die Weinkarte ist vom Umfang her überschaubar und setzt primär auf die Erzeugnisse heimischer Winzer, insbesondere vom Bodensee. Den Service erlebten wir diesmal zwar nicht so herzlich und zuvorkommend, wie noch im Vorjahr, was und aber nicht davon abhalten kann, die Küche verdientermaßen auf 6 Pfannen aufzuwerten.
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