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Fotos: Kurt

Kurt

im Relais & Châteaux Hotel Gutshaus Stolpe
Peenstr. 33
17391 Stolpe
039721-5500

aktualisiert: 05 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 26-59 €,
Menüs: 89-129 €

In dörflicher Idylle, knapp zehn Minuten westlich von Anklam gelegen und dort am Rande der Ortschaft nahe dem Ufer der Peene auf einem parkähnlichen Grundstück mit altem, hohem Baumbestand, umfriedet mit einer hohen Mauer: beschaulicher könnte der Standort des kleinen Relais & Châteaux Hotels kaum sein. Wer mal wirklich abschalten und entschleunigen will, sollte genau hierher, ins Gutshaus Stolpe kommen. Denn man kann dort nicht nur sehr gediegen in unterschiedlichen Zimmern im gehobenen Landhausstil absteigen, sondern auch gut essen. Obwohl man sich vor geraumer Zeit vom ganz exklusiven Fine Dining im klassischem Gourmetrestaurant verabschiedet und mit dem noch relativ neuen Restaurant Kurt einen legereren Rahmen für entspannten Genuss auf etwas bodenständigerem Level geschaffen hat, wird hier nach wie vor ambitioniert und überdurchschnittlich gekocht.

Hauptverantwortlich dafür ist schon seit dem letzten Jahr Küchenchef Mehmet Kaan Verdo, der hier ein stark regionalbetontes Kulinarium etabliert hat: 80 Prozent aller Produkte stammen aus einem Umkreis von maximal hundert Kilometern. Mit den beiden Menüs „Nachbarschaft“ und „Ackerland“ gibt es eine omnivore sowie eine vegetarische Variante und beide beginnen mit sehr gutem, saftig-röschem Sauerteig-Krustenbrot, das mit lauwarmem Kartoffelstampf als Aufstrich serviert wird. Das kann zwar gleich zu Beginn relativ sättigend sein kann, wenn man sich nicht vornehm zurückhält, ist aber auf seine zupackende Art auch sehr schmackhaft.

Und um in diesem Sinne die Pointe gleich vorwegzunehmen: uns hat die Küche in diesem Jahr noch besser gefallen als in der vergangenen Saison, was hauptsächlich damit zu tun hatte, dass die Gerichte insgesamt etwas klassischer wirkten und man nicht mehr so den Anschein hatte, als ob da zu viel gewollt wird. Denn je origineller, feiner und weniger traditionell die Kompositionen hier sein wollen, desto weniger überzeugend nach unserer Auffassung das Ergebnis. So war zuletzt etwa ein aus Kartoffelfäden filigran geflochtenes Nest als Träger für kleine Trüffelmayo-Tupfen und darauf angelegte winzige Segmente von eingelegter Roter Zwiebel als Apero-Snack und Küchengruß in Personalunion eine etwas karge und im Grunde auch belanglose Angelegenheit.

Da überzeugte die zwar deutlich üppigere, aber trotzdem sehr schön leichte Vorspeise rund um drei glasig-knackig gegarte und dann behutsam abgeflämmte Riesengarnelen auf lauwarmem Zucchinisalat mit Rucola, Kirschtomaten und gerösteten Pinienkernen deutlich mehr – auch wenn das natürlich kein kreativer Geniestreich, sondern ein sehr gegenständlicher und unverkünstelter mediterraner Gang. Mariniert mit einer gelungenen Vinaigrette von Kalamansi und Basilikum schmeckte das ausgewogen und rund, alles war gut auf den Punkt gebracht.

Vergleichsweise avantgardistischer wirkte in seiner puristischen Präsentation der bereits vom letzten Besuch bekannte Zwischengang, in dessen Mittelpunkt eine auf ihrer Oberseite mit süßem Senf lackierte und darüber mit einer lockerflockigen Haube aus knusprigen Hefecrumbles beschichtete Tranche vom Dorsch, die nur von einem espumaartig aufgeschäumten Kreis Muschelcreme eskortiert wurde. Wegen der guten Qualität des optimal gegarten Fischs, der geschmacklich gelungenen Muschelcreme und deren harmonischem Match mit den anderen Aromen war das zudem eine attraktive Komposition, mit der nochmal deutlich das Potenzial der Küche aufgezeigt wurde.

Das zeigte aber auch der Fisch-Hauptgang unseres Menüs, obwohl der in Gestalt einer auf der Haut gebratenen Wolfsbarsch-Schnitte mit grünem Spargel und Borretane-Zwiebel auf einem Risotto Milanese wieder deutlich klassischer und „bewährter“ gekocht war. Aber auch hier passte von der Qualität und der Zubereitung des Fischs über die wie aus dem Ei gepellte zart knackige Spargelstange bis zu der Beschaffenheit des mit Safran aromatisierten Risotto (optimal al dente das Korn, schön cremig und nicht zu feist die Konsistenz…) einfach sehr vieles.

Das war auch auf dem Teller des Desserts der Fall, wo sich ein Ring aus festcremiger, kernig-haselnussig durchzogener Gianduja-Schokoladenmousse, etwas Toffeecreme und eine Nocke Mascarpone-Eis tummelten. Hier wäre allerdings eine weitere flüssige oder frische Komponente als Ausgleich zur Übermacht aus Schokolade und Karamell nicht verkehrt gewesen, was die Eisnocke allein nicht ausreichend kompensieren konnte.

Positiv herauszustellen sind auch immer wieder der souveräne Service und die profunde Weinberatung durch den sympathischen, dem Hause schon sehr lange verbundenen Restaurantleiter und Sommelier Jan Vollmer-Lederer. Das international gut sortierte Weinangebot kann ohnehin hohen Ansprüchen genügen.

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