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Fotos: Kunz Gourmet

Kunz Gourmet

Kirchstr. 22
66606 St. Wendel (Bliesen)
06854-8145

aktualisiert: 06 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag
Hauptgerichte: 35-78 €,
Menüs: 79-189 €

Im lichtdurchfluteten Wintergarten-Restaurant von Gastgeber Alexander Kunz, der im ganzen Saarland und darüber hinaus vor allem durch seine verschiedenen Veranstaltungen und natürlich in erster Linie die sehr populäre Dinnershow „Alexander Kunz Theatre“ bekannt ist, kann man weiterhin verlässlich gut auf kulinarisch gehobenem Niveau essen. Und zwar gegenüber dem Bliestal-Dom mit imposantem Ausblick auf denselben – und nicht ausschließlich das Prestige-Menü in sechs Gängen, sondern auch eine als „Menü Traditionell“ offerierte günstigere Speisefolge der etwas gediegeneren Art mit vielen regionalen Produkten und eine große Auswahl an reizvollen Gerichten à la carte.

Ausführender Küchenchef des Ganzen ist schon seit Jahren Patrick Jenal, der hier souverän altmeisterlich einen weltoffenen klassisch frankophilen Stil etabliert hat. Der kommt gerne mit mediterranen oder auch schon mal fernöstlichen Anleihen daher, macht aber keine halbgaren Experimente und lässt sich auch von temporären kulinarischen Modeerscheinungen nicht aus dem Konzept bringen. Auch wenn uns beim jüngsten Besuch gleich mehrere Einzelgerichte wie das gebratene Kalbsbries mit Kalbsschwanz-Cannelloni, Schwarzwurzel und Trüffel oder der pochierte Hummerschwanz auf Brioche mit Avocado, Cocktail-Dip und Salatherzen schon bei der Lektüre das Wasser im Mund haben zusammenlaufen lassen, entschieden wir uns für die als „Menü Signature“ offerierte Speisefolge, die im Mischkonzept des Restaurants quasi der Repräsentant des Gourmetprogramms ist.

Nach sehr gutem Sauerteigbrot mit Griebenschmalz und Butter grüßte die Küche mit einem im Boden einer goldenen Eierschale wachsweich gestockten bis flüssigen Eigelb unter sublimem Kartoffelschaum und gehobelter Sommertrüffel. Danach mit einem kleinen Rindertatar-Würfel auf Rösti-Boden, appliziert mit Störkaviar, Trüffelmayonnaise und Crème fraîche. Und beides machte auf seine unaufgeregt klassische und subtanzielle Art sehr viel Spaß und große Lust auf mehr.

Überdurchschnittliche Qualität bei den Viktualien, fundiertes, durchaus feinmotorisches, aber ganz schnörkellos dargebotenes Handwerk, klassisches kulinarisches Verständnis und gutes Gespür für die Produkte und Aromen: was durch die ersten Kleinigkeiten bereits angeteasert wurde, konnte auch die erste Vorspeise des Menüs einlösen. Sie drehte sich in der Hauptsache um adäquat dick geschnittene, roh marinierte Scheiben von Jakobsmuscheln, die unterschiedlich mit Keta- und Saiblingskaviar, Limetten-Crème-fraîche, feinstreifigen Zuckerschotensalat und Korianderkresse appliziert auf einer Yuzu-Vinaigrette mit Brunnenkresseöl angerichtet waren. Erfreulich puristisch und klar, aber durchaus lebhaft und nuancenreich wurden die sauber und frisch schmeckenden Cocquilles hier in Szene gesetzt.

Ein vielversprechender, leichter Auftakt also, der im saftig gebratenen Wolfsbarsch bretonischer Provenienz mit gegenständlichen Varianten von Artischocke (Creme, Stücke vom Herz) und Fenchel (Stiele, karamellisierter Chip) seine Entsprechung erfuhr. Nur eben aromatisch kraftvoller, denn der auf der Haut gebratene, akkurat gewürzte Fisch und seine Entourage wurden von einem nicht nur sich selbst gegenseitig gut ergänzenden Saucenduett getragen, bestehend aus schaumiger Béarnaise und intensiver, dunkler maritimer Jus im Bouillabaisse-Stil.

Und nach unserem Verständnis hätte es Sinn gemacht, diesen Fischgang erst nach den folgenden isländischen Langostinos zu bringen. Die waren ganz sanft gebraten und so ideal zart und knackig zusammen mit etwas sautiertem Chicorée und Pak-Choi auf einer prononciert, aber nicht zu plakativ mit Madras-Curry abgeschmeckten Sauce angerichtet und von einem eher zurückhaltenden Zitronengrasschaum bedeckt – wirkten trotz präsenter Curryaromen und etwas Sojawürze am Gemüse aber vergleichsweise leichter, transparenter und ätherischer als der etwas robustere Fischgang.

Dem sehr guten Gesamteindruck des wohltuend unaufgeregt klassisch komponierten Menüs tat das jedoch überhaupt keinen Abbruch. Und das hatte dann mit einem Duett von Stubenküken und Gänseleber, die mit Hilfe von etwas Blattspinat und sehr wenig Farce in einer akkuraten Roulade mit ganz dünner, knuspriger Strudelteighülle vermählt wurden, seinen Höhepunkt. Kombiniert mit weißem Spargel und frischen Morcheln, süffig untermalt von einer schön verbindlich, aber elegant balanciert mit Madeira abgeschmeckten Rahmsauce auf Geflügelbasis, blieben da keine Wünsche an so ein traditionelles frankophiles Gericht offen.

So auch in keiner Weise beim perfekt luftig- geschmeidig gebackenen und unfallfrei auf den Teller gestützten Topfensoufflé, das mit hausgemachtem schmelzigem Stracciatella-Eis und einem Ragout von marinierten Erdbeeren und Rhabarber ein köstliches warmes Dessert abgegeben hat. Hier hätte man allenfalls kritisieren Können, dass der weiße Schaum an den Erdbeeren auch eher weiß geschmeckt hat und dem Ganzen, außer ein klein wenig rahmigem Schmelz, keinen wirklichen Mehrwert brachte – was beispielsweise mit einem zitrischen (z.B. Limettenschale…) oder floralen (z.B. Holunderblüte…) Oberton durchaus noch möglich gewesen wäre. Aber solche Optimierungsfantasien wirken angesichts der ansonsten so souveränen Darbietung schon fast vermessen.

Wir können die Gourmetküche des Restaurant Kunz jedenfalls auch dieses Jahr wieder wärmstens für ihre ausgereiften, zeitlosen, klassisch französischen Gerichte empfehlen. Aber auch für das gute Preis-Leistungsverhältnis und die ausgewogene internationale Weinauswahl.

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