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Fotos: Kronenschlösschen

Kronenschlösschen

im Hotel Kronenschlösschen
Rheinallee
65347 Eltville (Hattenheim)
06723-640

aktualisiert: 07 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa von ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag
Hauptgerichte: 54-64 €, Menüs: 105-138 €

Das Hotel Kronenschlösschen ist eines der alteingesessenen Häuser im Rheingau und seit der Übernahme durch den Unternehmer Hans B. Ullrich im Jahr 1990 eine feste Größe in der deutschen Gourmetlandschaft. Nachdem Simon Stirnal (zuletzt 7 Pfannen) nach erfolgreichen Jahren die Küchenleitung 2021 abgegeben hatte, konnte Ullrich den Österreicher Roland Gorgosilich engagieren, der nach jahrelanger Küchencheftätigkeit in Südafrika nun die beiden Hotelrestaurants des besonders hübsch gelegenen Traditionshauses leitet.

Wie souverän Gorgosilich und sein Team im Gourmetrestaurant mit der zeitgenössischen Klassik umzugehen wissen, bewies bereits ein erstes Amuse-Gueule mit Tomaten und Burrata. Dramaturgisch gewitzt war, dass die Kronenschlösschen-Küche hier ausgerechnet den Tomate-Mozzarella-Fluch eines jeden mittelmäßigen Hotel-Buffets aufgreift, um daraus eine Petitesse höchster Güte abzuleiten. Verschiedene zum Teil frische, zum Teil gedörrte Tomaten badeten in einer dichten kühlen Tomatenconsommé, die reintönig subtil käsig-milchige Burrata war von bester, kein bisschen traniger Qualität und ein Nebel von Pinienkern(öl?) strömte auch von irgendwo her. Ein Auftakt mit Ausrufezeichen! Überhaupt sind die klar strukturierten, aromatisch sehr aufgeräumt wirkenden Teller die Stärke von Roland Gorgosilich. In diesem Sinne präsentierte sich auch eine Vorspeise mit Foie Gras, Marille, Cashewnüssen und Karotte, die als Terrinen-Gang serviert wird und erfreulicherweise eine schöne Balance zwischen Leberfett, Fruchtsüße und Karottenwürze fand.

In seiner Reinheit ein typischer Gorgosolich-Teller war auch der Zwischengang mit Spargel und Roter Garnele: Neben einem zurückhaltenden Arrangement aus knackig gegartem grünen und weißen Spargel, einem kleinen Garnelen-Raviolo und einer perfekt abgeschmeckten klassischen Spargelvelouté befand sich eine üppige und sehr fleischige Garnele auf dem Teller, ganz natürlich ohne Bratspuren, was sich ideal an das samtige Grundgerüst der Komposition anschmiegte – ein Zeichen dafür, wie fein die Küche komponieren kann. Unsicher sind wir uns allerdings, ob der sehr glasige Garpunkt das Gericht weiterbringt. Daran, dass die Garnele nach den Vorstellungen des Küchenteams auf den Punkt gegart war, wollen wir gar keinen Zweifel äußern. Die Frage ist eher, welcher Garpunkt dem Gericht am zuträglichsten ist. Grundsätzlich sind fast roh gegarte Krustentiere in guter Qualität spannender, weiter gegarte dafür oft schmissiger und „leckerer“. Unser Gefühl ist, dass hier ein späterer Garpunkt besser zum harmonischen klassischen Geschmacksbild der Velouté gepasst hätte, die so wenig Anknüpfungspunkte an das für sich hervorragende, aber auch fordernde Krustentier fand. Am Ende eine Philosophie-Frage, die wir immer dann in den Raum stellen, wenn die handwerkliche Größe eines Tellers, wie hier, nicht mehr zur Debatte steht.

Unbestreitbar großes Kino ist auch die Weinkarte, die zu einer der besten des Landes gehört und in Sachen Jahrgangstiefe bei klassischen Anbaugebieten, insbesondere Rheingau, Burgund, Champagne und Bordeaux, ganz vorne mitspielt. Regelmäßig bringt Sommelier Florian Richter auch gereifte Weine in der Weinbegleitung unter, wie bei unserem jüngsten Testbesuch einen 1989 Canon-Fronsac aus dem Bordelais.

Dass wir in der Küche des Kronenschlösschen aktuell sogar Potenzial für eine noch höhere Bewertung sehen, sie derzeit trotzdem „nur“ mit 7 Pfannen auszeichnen, liegt daran, dass aktuell einige Gänge für unseren Geschmack etwas zu wenig komplex geraten. So konnte sich für uns beispielsweise beim Zwischengang mit Steinbutt, Hühnerjus, Petersilienwurzel, Ei und Kaviar kein wirklicher Spannungsbogen einstellen. Zwar begrüßen wir es grundsätzlich, Steinbutt mit üppigen Fleischbeilagen zu paaren, jedoch waren in diesem Fall Fisch und klassische Jus nach unserem Dafürhalten zu weit voneinander entfernt, um wirklich zu harmonieren. Hier fehlte uns eine Brücke zwischen beiden Aromenwelten. Ähnlich beim Hauptgang mit Kalbshaxe, Bries, Zwiebeln und Pfifferlingen, den eine höhere Dosierung der Pilze vermutlich vielseitiger hätte wirken lassen. So war uns schlicht zu viel Fleisch auf dem Teller.

Im Dessert widmet sich der Österreicher Gorgosilich dem Topfen – etwas trockenerer österreichisch-bayerischer Quark –, den die Pâtisserie zu einer luftigen Schnitte sowie einem klassischen warmen Knödel verarbeitet. Das säurehaltige Rhabarberkompott und die bunten Himbeeren aus dem eigenen Schlösschen-Garten passen dazu ganz hervorragend und runden das Menü stimmig ab – nicht weniger aber auch nicht viel mehr. Gespannt darf man sein, ob Gorgosilich das hohe Niveau etwa des Garnelen- oder Tomatengangs in Zukunft auf ein ganzes Menü ausweiten kann. Dann wäre hier durchaus noch mehr drin…

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