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Fotos: Gasthof Krone

Gasthof Krone

Nürtinger Str. 14
71111 Waldenbuch
07157-408849

aktualisiert: 09 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Fr u. So 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Sa ab 18 Uhr, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 26-40 €,Menüs: 58-98 €

Dass die Bezeichnung „traditionell“ keineswegs mit „antiquiert“ oder „angestaubt“ gleichzusetzen ist, lässt sich besonders in Baden-Württembergs Restaurantszene immer wieder auf genussvolle Art entdecken. Auch in der Krone in Waldenbuch wird seit vielen Jahren klassische Gourmetküche nach französischem Vorbild geboten – mit hoher Produktqualität und substanzreichen Saucen, exakten Garzeiten und eleganten Proportionen. Klingt für Innovationsgourmets nicht so spannend? Ist es aber durchaus und auch für jene, die sonst gern die moderne Avantgarde besuchen. Denn zum einen bindet das Team um Erik Mezger gute individuelle Ideen in die Gerichte ein und zum anderen lässt sich hier prima erleben, wie durch genaues Abschmecken und viel Feingespür auch scheinbar unspektakuläre Sachen große Wirkung auf den Tellern entfalten können.

Geeicht wurde der Gaumen zuletzt schon bei der Miniatur-Trilogie aus einem Blumenkohl-Süppchen mit viel Zug und feiner Säure, etwas Räucherfisch mit Yuzu-Gel und „Ginger Ale“-Gelee sowie feinwürzigem Kaninchen-Rillettes mit gebackenen Kapern und Kapern-Mayonnaise. Alles mit deutlichen, kraftvollen Aromen ausgestattet. Der Einstieg ins Menü gelang mit einem Teriyaki-Rindertatar ebenfalls markant, aber zugleich leicht und harmonisch: die süßliche Sojawürze und gerösteten Sesamnoten spielten dem Fleisch gut zu, während kühle Gurken-Komponenten (inklusive schmelzigem Sorbet) mit rosa Ingwer für Frische sorgten und ein feinporige dichte Schaumsauce das Ganze schmeichelnd verband. Bis hin zu den hauchdünnen spicy Knusperchips war das ein genau durchdachter Gang und ein animierender Einstieg auf hohem Niveau, der vergessen ließ, dass wir die Küche der Krone bislang eher am unteren Ende der 7-Pfannen-Skala gesehen haben…

Dass das Team, anders als viele klassisch verortete Kollegen, auch vegetarisch kann, zeigte der bildhübsch angerichtete Teller mit aufgestellten Kohlrabiröllchen, gefüllt mit Erbsen- und Pfeffercreme, bedeckt von einer dunkel röstigen Gebäck-Hippe und umgeben von hervorragenden frisch gepulten Erbsen, sautierten Pfifferlingen und gepickelten Radieschen. Die zarte Verbindung der einzelnen Komponenten schaffte hier eine luftige und mit Pilz-Powder bestäubte Pfeffermousse. Das war beachtlich fein umgesetzt!

Beim folgenden sanft pochierten Saibling fiel das Gesamtbild dann ausnahmsweise einmal etwas behäbiger und breiter aus, was bei den an sich tadellosen Mitspielern aus cremiger Fregola Sarda, Artischockencreme (und -stücken), grünem Spargel sowie einem mit Farce gefüllten Calamaretto vor allem an den insgesamt sehr weichen Konsistenzen und unterrepräsentierter Säure lag. Auch der eher milde Krustentierschaum konnte da kein markantes Zeichen setzen. Insgesamt war das aber trotzdem ein sehr schmackhaftes Vergnügen, wenngleich nicht ganz auf dem Niveau der sonstigen Zubereitungen.

Bei den Hauptgerichten haben die Fleischzubereitungen wahrscheinlich generell knapp die Nase vorn, weil sie – wie beim rosa Rinderfilet unter prononcierter Senfkruste – auf die Kombination aus einem kraftvollen Hauptdarsteller mit Eleganz plus prononcierter Säure in der begleitenden Jus setzen können. Aber auch das Dessert rund um fruchtig frische Träubchen-Zubereitungen mit crunchy Haferkeks-Stücken und einer karamelligen (nur leider etwas festen) Dulcey-Panna Cotta als kräftigen Kontrast machte Einiges her, war fein gearbeitet und baute zum Abschluss sogar noch ziemlich gekonnt einen Spannungsbogen auf.

Die Weinkarte ist, wie das gesamte kulinarische Konzept, eher französisch geprägt und selbst bei großen Weinen aus Bordeaux und Burgund fair kalkuliert. Aber auch gute Weine von Winzern aus der Region wie etwa Wöhrwag, Knauss und Ellwanger finden sich in stattlicher Anzahl und werden vom versierten Gastgeber mit erkennbarem Faible und gutem Gespür für stimmige Aromenallianzen empfohlen.



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