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Fotos: KOSTBAR

KOSTBAR

Ravensburger Str. 56
88250 Weingarten
0751-56163714

aktualisiert: 04 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di ab 18 Uhr, Mi-Sa von 12-13.30 Uhr u. ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 22-36 €

Zwei Restaurants unter einem Dach, ohne einen Hotelbau drumherum, das ist schon ein eher seltenes Konzept. Mit dem Markos und dem Kostbar in der Syrlin Speisewelt war das von Anfang an so gedacht. Nach Marco Akuzun und dessen Nachfolger Daniele Di Fabio steht seit Ende 2025 mit Viorel Reiß der dritte Küchenchef an deren Herd. Mit seiner Erfahrung aus diversen Gourmetküchen hat er das kulinarisch gehobenere Markos wieder auf ein gutes Level gehievt und sorgt auch im alltagstauglicheren Restaurant Kostbar weiterhin für ein sehr solides Niveau.

Da die beiden Restaurants mit viel hellem Holz und edler Ausstattung fast nahtlos ineinander übergehen, sollen sie sich zumindest in der kulinarischen Ausrichtung deutlich voneinander unterscheiden. So gibt es im Gegensatz zum Markos mit seinem Menü in vier oder sechs Gängen im Restaurant Kostbar mittlerweile nur noch ein À-la-carte-Programm. Unter den sechs Vorspeisen fiel bei uns die Wahl recht schnell auf den gebeizten Lachs und das Gelbe-Bete-Carpaccio, weil uns die zwei Suppen, ein Rindercarpaccio und ein Beilagensalat, der so ähnlich auch pur angeboten wurde, dann doch wenig aufschlussreich für eine erste Bewertung erschienen.

Zuvor aber kamen erst mal knuspriges hausgebackenes Brot mit Butter und drei Sorten Salz an den Tisch. Die beiden Vorspeisen unterschieden sich streng betrachtet nur wenig, da der zum Lachs „Salatbeilage“ genannte Feldsalat mit einem gut austarierten Honig-Senf-Dressing und Pinienkernen mehr oder weniger identisch mit dem zum Gelbe-Bete-Carpaccio war. Die gerollten Lachsscheiben selbst waren sehr zurückhaltend gebeizt – charakterstärker wirkten die Bete-Scheiben mit ihrer fein-säuerlichen Note. Dafür gab es zum Lachs noch eine knusprige Scheibe Brioche, ansonsten aber wirkten beide Vorspeisen wenig inspiriert.

Attraktiver ging es mit den Hauptspeisen weiter, die insgesamt auch von der Auswahl mehr zu bieten hatten: fünf Fleisch-, drei Fisch- und drei vegetarische Gerichte waren aufgelistet. Eines davon war eine mit sich selbst gefüllte Spitzkohlrolle, die durchs Anschmoren zwischen herzhaft und leicht süß changierte. Das „junge Gemüse“ auf der Karte bestand im Wesentlichen aus glasierten Karotten. Dennoch hatte das Gericht eine aromatische Vielfalt zu bieten, denn zu einem geschmeidigen Parmesanschaum gab es noch eine vegetarische Jus, die dafür sorgte, dass die nicht gerade wenigen Fregola-Sarda-Kügelchen schmackhaften Schwung mitbekamen.

Zum Fischgericht wurden weit mehr als ein Dutzend Petersilienkartoffeln gereicht. Die waren zwar eher Kartöffelchen, vermutlich also kleine Drillinge, die in einer Extraschale buttrig glänzten, aber dennoch einfach zu viel des Guten. In einer zweiten Schale gab es etwas grob geschnittene Gurkenscheiben mit ordentlich Rahm, was in der Oldschool-Präsentation durchaus zur „Finkenwerder Art“ des Fischs passte. Eine akkurat gegarte Scholle war hier also dicht bestückt mit Speck und Nordseekrabben in einem Speck-Zwiebel-Butter-Schaum, in dem aber auch eine schöne zitrische Frische steckte.

Statt für Tiramisu oder Rohmilchkäse entschieden wir uns für eine Spekulatius-Crème-brûlée als Abschluss. Unsere Bedenken, dass wir damit weit nach Weihnachten noch einmal mitten in einer stark süß-würzigen Winterstimmung landeten, wurden mit den ersten Löffeln zerstreut. Denn weder ging die Creme mit ihren feinen Spuren von echter Vanille in einem Zimt-Nelken-Kardamom-Rausch unter, noch war das Glühweineis dazu overdosed, sondern es stellte einen sanft-lieblichen Ausgleich zu einem präsent säuerlichen Beerenkompott dar.

Erfreulich waren auch die Empfehlungen von Helder Colasso, der in der Weinreise grenzüberschreitend zwischen Markos und Kostbar agieren kann und zur Scholle einen Vinho da Agua vom portugiesischen Weingut Ervirdeira öffnete. Die glasweisen Weine erfüllen durchaus ihren Zweck, schonen also wie die Gerichte auch den Geldbeutel, so dass man vom Kostbar derzeit mehr denn je von einem schicken Alltagsrestaurant sprechen kann.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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