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Fotos: Klosterbräu 1719

Klosterbräu 1719

im Romantik Hotel Zum Klosterbräu
Kirchplatz 1
86633 Neuburg an der Donau
08431-67750

aktualisiert: 11 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 18.30 Uhr, So-Di Ruhetag
Menüs: 74-119 €

Das Romantik Hotel Klosterbräu verbindet hinter seinem historischen, warmfarbig gestrichenen Gemäuer traditionellen Charme mit gehobenem zeitgemäßem Standard und legt besonders viel Wert auf ein anspruchsvolles kulinarisches Angebot, das seit geraumer Zeit in zwei unterschiedlichen Restaurantkonzepten umgesetzt wird. Anders als in den benachbarten urigen Stuben, in der die lange gastronomische Tradition des Hauses seit vielen Jahren unter der Ägide von Gastgeber und Küchenchef Otto Böhm lebendig gehalten wird, trägt das neue und noch ambitioniertere „Klosterbräu 1719“ zwar das historische Gründerdatum im Namen, ist ansonsten aber ein ganz junges Projekt, mit dem die Gastgeber ihren Anspruch kulinarisch auf ein noch höheres Level heben möchten.

Dafür, dass an den gerade mal drei bis vier Tischen des in traditioneller eleganter Art gestalteten Restaurants tatsächlich hohes Niveau geboten wird, wurde mit Michael Helget ein hochmotivierter und – so viel bereits vorab – sehr fähiger Mann engagiert, der bei unserem Antrittsbesuch sein gutes Gespür für zeitgemäß leichte und dennoch aromenstarke Kompositionen bereits eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Erlebbar wird das hier im Rahmen zweier unterschiedlicher Menüs, von denen eines vegetarisch ist und die beliebig miteinander kombiniert werden dürfen.

Als Einstimmung zur omnivoren Variante zeigte das Team mit einem beinahe hummergroßen Flusskrebsschwanz in jedem Fall schon einmal ausgezeichnetes Produktverständnis und verpasste dem Krebs mit einer sanften Umgebung aus Nussbutter und Rübencreme eine vornehm zurückhaltende Inszenierung, die nur durch etwas Schnittlauchöl und die milde Säure an gepickelter bunter Bete aufgebrochen wurde. Das hatte erstaunlich viel klassische Größe und machte erfolgreich neugierig auf das Kommende…

Dass diese vornehme Zurückhaltung aber keineswegs durchgehendes Konzept, sondern eher ein dramaturgischer Kniff war, zeigte der erste offizielle Gang, der als echter Eye-Catcher mit dem knalligen Grün eines puren und hochkonzentrierten Brunnenkressesuds fesselte. Dieser umspielte ein Rondell aus geschmorter Topinambur, zartem hellem Topinamburtatar und einem ebenfalls mild gewürzten Kalbstatar neben frischer Brunnenkresse, Knochenmark-Mayonnaise, knuspriger Topinambur und einem exakt dosierten Plättchen von weißer Schokolade, welche die herbe Kräuterwürze mit ihrer schmelzenden Süße gewinnbringend ergänzte.

Umso überraschender war es, dass der Umgang mit Süße im nächsten Gang völlig aus dem Ruder lief: verschiedenfarbige, teils cremige, teils mit zartem Biss gegarte Karotten wurden hier mit fruchtiger Johannisbeersauce, duftigem Vanilleschaum und karamellisierten Walnüssen zwar harmonisch inszeniert, allerdings auch auf ein Süße-Level gebracht, das viele moderne Desserts nicht mal erreichen. Die beigefügten Holunderbeeren hatten da kaum eine Chance, ihren herben Charakter auszuspielen und hätten zwingend Unterstützung von eher natürlich-säuerlicher Johannisbeere oder sonst irgendeiner frischen Komponente gebraucht…

Direkten Ausgleich gab es allerdings im Anschluss mit einer geballten (harmonischen) Ladung an Säure, Salz und Umami im Rahmen einer gelungenen Interpretation des „Ceasars Salad“. Und zwar in Form saftig warmgeräucherter Goldforelle mit Forellenkaviar, gegrilltem Romanasalat, samtigem Parmesansdressing und papierdünnen Brotchips für auflockernden Crunch. Und auch bei der Taubenbrust neben vielfältig variiertem Kürbis war wieder alles im Lot. Der Kürbis wurde dabei als Creme, gebratene Quader, Espuma, Kernöl-Mayonnaise und geröstete Kerne zwar eher auf der nussigen als auf der süßen Seite angesiedelt, schaffte dabei aber rein proportional dennoch einen eher breiten Eindruck. Die aromatische Akzentuierung mit Purple Curry und Café-de-Paris-Gewürz auf der Tellerfahne lockerte das aber ein Stück weit auf und sorgte dafür, dass der Teller unterm Strich abwechslungsreich wirkte und sogar einen gewissen Spannungsbogen hatte.

Ebenso mutig wie überzeugend gelang dann der süße Abschluss mit milchig-milder Steinpilzmousse, die mit ihrer hintergründigen Würze gut mit der herben Säure von Zwetschgen als Sorbet und Gel sowie, tiefen dunklen Kakaonoten korrespondierte – spannend ergänzt von einem Hauch Salzkaramell und Mole-Gewürz. Und genau damit sicherte sich das Team direkt zum Einstieg eine respektable Bewertung mit 7 Pfannen, auch wenn die mit ein bisschen mehr Konstanz und Detailgenauigkeit künftig noch untermauert werden sollten.

Kredenzt wurde das Menü von einem jungen Team, das kleinere Kompetenzlücken (vor allem beim Weinservice) mit viel Charme, Sympathie und Motivation wettmachte. In der Weinkarte finden sich so oder so viele lohnende Optionen aus Deutschland, Österreich und der Welt zu fairen Preisen.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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