| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So | Mittags |
| Abends |
|
|
|
|
|
||
| Mo-Fr ab 18 Uhr, Sa u. So Ruhetag |
| Hauptgerichte: 25-35 €, Menüs: 65 € |
Das Restaurant Klinker hat sich bereits in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht – vor allem unter den Freundinnen und Freunden der fleischlosen Küche und Gästen, die gerne eine gute Flasche Wein genießen. In den Anfangsjahren vor Corona gab es keine Möglichkeit, Plätze vorab zu reservieren – mittlerweile ist es aufgrund des hohen Gästezuspruchs an vielen Abenden gar nicht mehr möglich, ohne längerfristige vorherige Reservierung einen Platz zu bekommen. Das Klinker spricht offensichtlich einen breiten Gästekreis an: After-Work- und Freundesrunden sind ebenso im Lokal anzutreffen wie allein Essende Gäste, die nur der Küche wegen hierherkommen. Die Atmosphäre ist angenehm lebendig.
Das Restaurant ist in einem – wie der Name es verspricht – verklinkerten Gebäude beheimatet, allerdings ein Neubau, der dem Stil der klassischen Hamburger Rotklinkerbauten nachempfunden ist. Interessant ist die Innenarchitektur: Die offene Küche befindet sich eine halbe Etagenhöhe über dem Gastraum. Dadurch haben nicht nur die Köchinnen und Köche den perfekten Überblick über den Betrieb im Restaurant, sondern fast alle Gäste können auch in die Küche schauen. Eine perfekte Bühne also. Ansonsten ist der Gastraum schlicht gehalten: Tische und Stühle aus hellem Holz und die grün gestrichenen Wände mit wenig weiterem Zierrat unterstreichen, dass hier Casual Fine Dining gelebt wird – mit der Betonung auf Casual.
Die Küche bietet ein Menü aus Snack, Brot, vier salzigen Gängen und einem süßen Abschluss an. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um einen Auszug aus der Speisekarte. Die Gerichte sind grundsätzlich zum Teilen gedacht, so dass das Menü auch erst ab zwei Personen bestellt werden kann. Für die Küche ist das selbstverständlich einfacher, wenn es keine unterschiedliche Größe zwischen den Gerichten à la Carte und den Menüportionen gibt, schade ist das aber für allein speisende Gäste, die gerne mehr als nur drei Gerichte probieren würden…
Auf der Speisekarte finden sich insgesamt zwei kalte und acht warme vegetarische Gerichte – eine Unterscheidung zwischen Vor- und Hauptspeisen ist höchstens am Preis erkennbar, auch in welcher Reihenfolge die Gerichte sinnvollerweise gegessen werden sollten, ist eher Verhandlungssache. Nach unserer Einschätzung sind drei salzige Speisen für einen guten Appetit ausreichend. Bei unserem Besuch wurde Gästen, die auf Fleisch nicht verzichten wollten, auch noch eine zusätzliche Option geboten.
Wir starten mit einem Chinakohl mit reichlich wohlschmeckender cremiger Velouté auf Molke-Basis. Eine quer geschnittene Scheibe des Kohls bildete das Zentrum des Tellers – sie war gegart und allenfalls sehr behutsam gewürzt. Auf ihr ist aber ein „Salat“ aus Mandeln und Chili sowie Yuzuferment platziert, wodurch sich bei jedem Durchschneiden der Kohl mit einer angenehm intensiven und wärmenden Chili-Schärfe und der klar erkennbaren, aber nicht zu aufdringlichen Yuzu-Säure verbindet. Durch die Mandeln hat alles zusammen auch noch einen schönen Knack-Effekt und gut korrespondierende nussige Noten. Dazu gibt es eine ausreichende Menge cremiger Sauce, die auch nochmal eine feine Säure mitbringt. Durch die fermentierten Bestandteile bekommt die Sauce eine Tiefe und Dynamik, die an eine sehr gute klassische Beurre blanc heranreicht. Auch die Balance des gesamten Gerichts ist überaus stimmig: es ist schlotzig, aber gleichzeitig interessant und überraschend vielschichtig abgestimmt.
Zu einem anderen Gericht gab es eine Sauce, die zwar tatsächlich als Beurre blanc auf der Karte stand, der es aber an der typischen seidigen Cremigkeit fehlte, denn sie wurde mit einem Lauchöl übergossen, so dass sie eher wie geschmolzene Kräuterbutter gewirkt hat. Geschmacklich war das kein Manko, denn die Sauce mit grünen Noten und einer Lauchschärfe passte wunderbar zu den drei gar nicht mal so kleinen Zwiebeln, die mit einem auf den Punkt gekochten Gerstenrisotto gefüllt waren.
Der Mittelpunkt eines weiteren herzhaften Gerichts war ein Quader aus geschichteten gratinierten Kartoffelscheiben, dessen krosse Kanten ein adäquates Maß an reizvollen Röstnoten mitbrachten, während die Kartoffeln in der Mitte weich waren. Dadurch entfaltete sich das gesamte Geschmacksspektrum von knackiger über weicher bis hin zu gerösteter Kartoffel. Dass das Team nur mit etwas mehr Feintuning locker auch noch eine höhere Bewertung erreichen könnte, zeigte sich auch hier an Details wie den gehackten bis gemahlenen Haselnüssen, deren Aroma sich hier grundsätzlich sehr stimmig einbringen konnte, aber in der Menge und mit der cremigen Sauce eine fast schon desserthafte Süße erzeugten. Aber auch etwas Frische hat das Gericht zu bieten, denn der Kartoffelquader war mit in Streifen geschnittenem Endiviensalat bestreut, von dem es wiederum ruhig etwas mehr auf dem Teller hätte geben können. Denn nicht nur seine Bitterstoffe und die grüne Frische, sondern auch der Knack des Salats machten das Gericht reizvoll.
Zum Dessert wählen wir eine Sauerampfer-Komposition, in deren Mitte eine Kugel Sauerampfersorbet stand, das mit Apfel verfeinert war und einen leicht grasigen Charakter hatte. Darauf eine weiße, schaumige Creme von Joghurt und Vanille mit leichter Textur und feiner Säure; einige Streifen von frisch geschnittenem Sauerampfer setzen einen weiteren herben Akzent, während der tiefe, rotfruchtige Geschmack von Johannisbeerstrauchöl den attraktiven Eindruck dieses erfrischenden Desserts gekonnt abgerundet hat.
Alle Kostproben waren – zumal in Anbetracht der hohen Gästezahl im Lokal – erstaunlich feinsinnig und differenziert komponiert und auch sehr sorgfältig zubereitet. Vor allem die Saucen zeichnen sich nicht nur durch eine Menge Tiefe und Umami, sondern auch gute Balance aus. Wichtig dafür sind die fermentierten Bestandteile, die die Vielschichtigkeit erhöhen. Gerade der süffige Charakter der Gerichte spielt eine wichtige Rolle für die „Vollständigkeit“ der vegetarischen Kreationen, so dass man Fleisch und Fisch an keiner Stelle vermisst.
Die Weinkarte ist völlig zurecht ein wichtiges Aushängeschild des Restaurants, denn sie ist mit erkennbar großer Sorgfalt und Leidenschaft kuratiert. Es finden sich alle wichtigen Regionen, Weinstile und Preiskategorien darin, aufgeteilt in die Farben Rot, Weiß, Rosé und Orange, ergänzt um eine für ein Restaurant dieser Kategorie bemerkenswert große Auswahl an Schaumweinen. Kurz nach unserem ersten Besuch hat das Klinker zudem bekanntgegeben, dass es künftig zum Menü auch eine Weinbegleitung geben wird. Der Service arbeitet – trotz des vollen und quirligen Restaurantbetriebs – sorgfältig und professionell und geht auf Nachfrage gerne in die Details der Gerichte und Weine.
Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.