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Fotos: Klebers

Klebers

im Hotel Kleber-Post
Poststr. 1
88348 Bad Saulgau
07581-5010

aktualisiert: 04 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
So, Mo u. Mi-Fr 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Sa ab 18 Uhr, Di Ruhetag
Hauptgerichte: 27-45 €, Menüs: 53-95 €

Auf mehr als 400 Jahre Geschichte kann man in der Ortsmitte von Bad Saulgau in der Kleber Post zurückblicken, deren Name noch immer an die langjährigen Besitzer und Spitzenkoch Andreas Kleber erinnert. Eine Zeitlang galt das inzwischen von Regine Reisch geführte Hotel als Haus der Dichter und Denker, trafen sich hier doch regelmäßig Literaten der Gruppe 47. Zeitgenössische Kunstwerke ziehen sich durchs ganze Haus, das Restaurant im Neubau beeindruckt neben edel ausgestatteten Nischen vor allem durch seine Weitläufigkeit samt großem Außenbereich.

Die Karte bietet gleich drei Menüs: „Klebers“, „Regional“ und „Vegetarisch“ in vier beziehungsweise drei Gängen sowie einige À-la-carte-Gerichte. Etwas irritierend bei unserem Besuch war, dass zwar zuerst ein feucht-warmes Handtuch gereicht wurde, was uns Apéros als Fingerfood erwarten ließ – dann aber nicht einmal Brot und Butter an den Tisch kamen, sondern sogleich die Vorspeisen, die wie auch alle anderen Gerichte ohne ein erklärendes Wort eingesetzt wurden.

À la carte hatten wir unter anderem Röllchen vom fein-milden Ziegenfrischkäse in einem Pinienkernmantel mit Variationen von Roter Bete geordert: eine Scheibe als Sockel, darüber ein Tatar und über dem kunstvoll aufgetürmten Gebilde zwei lang geschwungene Chips. Hauchdünne Scheiben vom Granny Smith Apfel sowie eine Creme und Frühlinglauch, der zwar etwas abgeflämmt, aber ansonsten noch knackig-roh war, ergänzten das Gericht. Außerdem, wie auch auf allen anderen Tellern, die dekorative Erbsenkresse…

Zum „Menü Klebers“ gehörte zum Beispiel ein Thunfisch-Sashimi: drei Tranchen in einer gläsernen Schüssel, begleitet von knackig-frischem Wakame-Algensalat, eingelegtem Ingwer und Radieschenscheiben. Leichte Schärfe gab es durch eine Wasabicreme, etwas Crunch durch Sesamchips, dazu wurde eine Sojasauce angegossen, die dem Ganzen einen Umami-Background verlieh, nach unserem Geschmack aber noch eleganter und leichter hätte sein können.

Als vegetarisches Gericht gefielen uns die Auberginen-Involtini sehr gut: Die Röllchen waren mit einer mit Tomatensugo aromatisierten Polenta gefüllt und von allerlei Gemüse umzingelt. Darunter, wie auch beim Fleischgericht, Thai-Spargel, Wilder Brokkoli und etwas Zucchini – den mediterranen Touch unterstrichen angegrillte Hälften von gelber und roter Minipaprika. Dazu gab es noch geschmorte Herzen vom Romanasalat und ein kleines Maiskolbenstück, so dass sich in der Summe ein vielfältiger Gemüsegarten auf dem Teller tummelte, dem allerdings ein bisschen der Zusammenhalt fehlte. Den konnte auch eine mit ihrer fein-herben Note an Ajvar erinnernde Paprikacreme zuunterst allein nicht herstellen.

Zum Rinderfilet – zwei kleine Stücke, gut gewürzt und korrekt gegart, außen kross und mit gerösteten Zwiebeln bestückt, innen mit zart rosafarbenem Kern – gab es neben bereits erwähntem Gemüsepotpourri noch Buchenpilze und ein in Konsistenz und Geschmack gut abgestimmtes Pastinakenpüree. Auch die Portweinjus war fein austariert, wie die separate Geschmacksprobe auf einem Löffel ergab, allerdings recht sparsam dosiert, sodass sie im Gesamtbild kaum auszumachen war.

Die Desserts schließlich unterstrichen nochmal unseren Eindruck, demnach hier sehr gute handwerklichen Fähigkeiten in der Küche vorhanden sind, aber an Ecken und Kanten noch zupackender gearbeitet werden könnte. Die Himbeer-/Biskuit-Schnitte hatte frisch-fruchtige Momente zu bieten, zumal kontrastierend zu Himbeersorbet und weißer Schokoladenmousse auch Zitronenabrieb eingesetzt wurde. Als optischer Gag waren auf zwei rote Scheiben weiße Cremetupfer im Fliegenpilz-Look gesetzt. Schwerer, wuchtiger und auch ein wenig winterlicher war der „Chocolate-Peanut-Pie“, dessen intensive Noten von dunkler Schokolade und karamellisierten Erdnüssen ein leider schon etwas zerlaufendes Haselnuss-Eis und warmen Rumzwetschgen entgegengesetzt wurde.

Die offenen Weinempfehlungen hatten beispielsweise mit einem Riesling vom Weingut Künstler sowie einem Hebo Rosso von der Tenuta Petra einiges zu bieten. Allerdings kamen die Weine zumeist erst, als die Gerichte bereits auf dem Tisch standen – und das, obwohl im nicht voll besetzen Restaurant permanent vier oder fünf Mitarbeiter zugegen waren. Der Service könnte also definitiv noch mehr Aufmerksamkeit an den Tag legen. Die Küche ist auf einem sehr guten Weg und hätte mit etwas mehr Konzentration aufs Wesentliche sogar noch Potenzial für mehr!

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