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| Di-Fr von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 32-49 €, Menüs: 67-87 € |
Im Karlsruher Industriedenkmal kann man immer wieder aufs Neues staunen, wie stimmig das Konzept und wie hoch das Niveau trotz viel Betrieb und reichlich Events ist. Das Umfeld in dem Gewerbeareal nahe der Stadtautobahn mag nicht besonders attraktiv sein, aber wenn man erst einmal zu Tisch ist – sei es auf der großen Außenterrasse oder im Inneren des hohen Backsteingebäudes mit eingezogener Galerie – kann man sich zurücklehnen und einfach verwöhnen lassen. Das kulinarische Angebot ist vielseitig und bietet dem Gast alle Freiheiten: ob à la carte oder mit einem Menü in drei oder vier Gängen, das man sich zu attraktiven Preisen selbst zusammen stellen kann.
Dass man zwischen heimischen Produkten, mediterranen Interpretationen und asiatischen Inspirationen nicht den einen Küchenstil vorfindet, macht überhaupt nichts, da die Gerichte an sich eine individuelle Prägung haben und sich zwischen Besonderheiten wie Variation vom Wasserbüffel mit Burrata und Trilogie von der Peking-Ente bewegen können.
Insofern hatten wir bei unserem jüngsten Besuch mal wieder die Qual der Wahl und ließen uns vorneweg mit hausgemachtem Bio-Brot zu Gänseschmalz und gleichzeitig gereichten Grüßen wie einem Stück Zwiebelkuchen, einem Rote-Bete-Salat mit Sardinen und Wasabi sowie einem Zwiebelchutney mit paniertem Rosenkohl und Sesamsauce so herzhaft wie herzlich einstimmen. Als Amuse-Bouche folgte ein sanftes Miso-Sorbet umringt von Kürbisschaum mit Mandelkrokant on top. Eingelegte Pflaume und ein Chutney ergänzten den süßen Grundton, der schon ein wenig das Tor nach Asien öffnete.
Eine abenteuerliche Rundreise war der erste Gang, der zugleich die hohe Produktqualität im Kesselhaus unterstrich. Ein schlankes Bauchstück vom Bluefin Thunfisch zerging dank seines hohen Fettanteils roh und „speckig“ auf der Zunge. Kalamansi-Gel und Fingerlimes auf seiner Oberfläche gaben zur sanften Würze viel exotische Säurefrische mit auf den Weg, eine Nocke Jalapeño-Apfel-Eis zudem eine überraschende Schärfe. An der Seite des Fischs waren viele sich abwechselnde Impulse, etwa durch eingelegte Shimeji-Pilze und gepickelte Radieschen, eine Lauchmayonnaise und Rote-Bete-Röllchen, gefüllt mit einem Lauch-Apfel-Salat, getoppt mit dem herben Touch von getrockneten Nori-Algen. Für einen beruhigenden Ausgleich sorgte an der anderen Flanke des Fischs eine angegossene Basmatireis-Sauce.
Das angespielte Umami der ersten Vorspeise steigerte sich in der zweiten mit einer alles umarmenden Wucht. Hier war als verbindende Flüssigkeit Steinpilz-Dashi im Einsatz, was nicht nur Würze, sondern auch Frische mit sich brachte. Steinpilze kamen in einem Dim Sum, besonders aber pur gebraten zur vollen Geltung. Wie viele Gemüsesorten in den Kesselhaus-Gerichten wurde auch die Schwarzwurzel dreifach interpretiert: püriert, als Salat und frittiert frech aus dem Teller ragend. Eine Petersilienmayonnaise setzte am Rand punktuell einen Akzent, mehr noch darüber geraspelte Trüffel, deren Aroma sich im ganzen Teller verteilte, ohne ihn zu dominieren.
Etwas entspannter ging es weiter mit Black Cod, mit Miso lackiert und leicht gegrillt. Ebenso locker wie die saftigen Lamellen des Fischs war darunter ein Pilaw mit schwarzem Reis. Hier gab Fenchel den Gemüsekick, mit etwas Sesam auf dem Fisch, dazu als längliches Gebilde aus glasierten Streifen mit sehr frischen Venusmuscheln und würzigen Quinoa-Chips. Die deutlichsten Akzente aber setzte Grapefruit, die auch in einer geschmeidigen Beurre blanc verarbeitet war und dem Fischgericht herbe Fruchtfrische bescherte.
Zum Abschluss standen – vor den hausgemachten Pralinen – Käsevariationen von Affineur Waltmann, verschiedene Sorbets, aber auch komplexe Desserts zur Wahl. Wir entschieden uns für ein wenig Süßes mit eingelegtem Kürbis und Quitte und der belebenden Säure einer sattgrünen Verjussauce. Zu einem Quinoa-Eis mit mutmaßlich Kürbiskernölaroma gab es aber auch liebliche Anteile durch Pistazie in Sponges und als Keckssockel für einen falschen Kürbis aus Pistaziencreme mit Ganache-Schale und Quittenkern.
Dass ein Besuch im Kesselhaus immer wieder großen Spaß macht, dafür steht auch der sehr aufmerksame und kundige Service unter der Leitung von Chris Hemmann, neben Geschäftsführerin Lisa Hemmann und Küchenchef Sven Hemmann ein „H“ der H3-Gastro GmbH. Aber der französische Sommelier Christoph Gamblin hat ebenso einen gehörigen Anteil am kulinarischen Vergnügen. Er pflegt eine Weinkarte mit über 300 Positionen und behält bei aller Liebe zu heimischen Gewächsen Spannendes aus dem Ausland im Blick wie etwa den Hermes Diactoros II von Ômina Romana zum Steinpilz-Dim-Sum. Auch die Weinbegleitung hat ein erfreulich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – und macht Lust auf den nächsten Besuch.
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