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| Mo u. Fr ab 17 Uhr, Sa u. So ab 11.30 durchgehend, Di-Do Ruhetag |
| Hauptgerichte: 21-35 €, Menüs: 39-76 € |
Ein paar Kilometer nördlich der Stadt Wiesbaden mitten im Wald auf dem 474 Meter hohen namensgebenden Kellerskopf gelegen und mit reichlich Parkplätzen, Spazierwegen und einer sehr schönen großen Terrasse gesegnet, von der aus man durch eine Berg- und Waldschneise bis in den Rheingau blicken kann, ist es eigentlich ein klassisches Ausflugslokal – allerdings eines mit gehobenen kulinarischen Ambitionen. Denn wie schon die auf einem großen Display unten am Parkplatz angezeigte Speisekarte unschwer erkennen lässt, geht’s in dem gepflegten Gasthaus hier nicht um rustikale Wirtshauskost in zünftigen Portionen für hungrige Wanderer, sondern um mehrgängige Speisefolgen mit Auswahlmöglichkeit und eine tendenziell gehobene und sogar kreativ angehauchte Küche.
Natürlich richtet sich Gastgeber und Küchenchef Tim Gassauer, der auf seiner Terrasse zudem ein großes stilvolles Partyzelt für die zahlreichen Hochzeiten und andere Events bereithält, die er hier vor allem in den Sommermonaten austragen darf, mit einigen bodenständigeren Gerichten à la carte auch an Gäste, die nur auf einen unkomplizierten Teller vorbeikommen möchten. Etwa mit Dingen wie Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat oder einem Wildfleisch-Burger mit Steakhouse-Pommes. Es gibt auch „Flammlachs“-Abende oder Gänseessen. Primär gehen die Ambitionen des Küchenmeisters aber schon klar in die Richtung, hier gehobenes Niveau zu bieten.
Und das gelingt überzeugend, wenn man sich mal insbesondere die leichtfüßig und wohlproportioniert daherkommenden Vorspeisen wie die Morchel-Ravioli mit Erbse, Frischkäse, Mango und „Morchel-Glacage“ ansieht. Wobei die drei schön dünnteigigen Teigtaschen, die hier mit körnigem Frischkäse, kleingewürfeltem Mangoragout, ein paar knackigen frischen Erbsen und Erbsenkresse um eine große glasierte Morchel herum auf sehr gutem, leichtem Morchelfond angerichtet wurden, nicht mit Morchel, sondern mit Erbsencreme gefüllt waren. Tat aber der generell vorherrschenden Präsenz von gutem Morchelgeschmack und damit dem guten Gesamteindruck keinen Abbruch.
Auch das ausgewogene Miteinander von schön knackig-glasig gebratener Black-Tiger-Riesengarnele, deydrierter Wassermelone mit ihrer ihrem intensivierten Geschmack und der interessanten fleischigen Konsistenz, herzhafter Fetacreme, Dörrtomaten und frische, herbe Auflockerung spendendem Limettengel war insgesamt so stimmig und die Details schön klar herausgestellt, dass man da fast schon über 6 Pfannen hätte nachdenken können. Und diese Bewertung könnten Tim Gassauer und sein Team mittelfristig auch locker erreichen, wenn durchgängig mit ähnlich hohem Anspruch performt wird.
Der nach einem raffiniert bodenständigen Intermezzo von Rehwildbratwurst, getrüffeltem Kartoffelpüree, Pfeifferlingen, Beeren und Röstzwiebeln aufgebotene Fischgang, der sich um von einer etwas matten Bouchot-Muschel eskortierten Saibling drehte, ließ ebenfalls keinerlei Wünsche offen: die Haut des Fischs war perfekt kross, das Fleisch darunter wunderbar saftig und frisch und zurückhaltend, aber nicht lasch gewürzt. Dessen Begleiter in Gestalt von gebratenem wildem Brokkoli, recht zaghaft im Paella-Stil aromatisierten Fregola Sarda und einer schmalbrüstigen Beurre blanc ohne Schmelz und Säure blieben nach dem starken Auftakt allerdings etwas hinter den Erwartungen zurück.
Dasselbe galt auch für die Entourage eines tollen ausdrucksstarken Karrees vom Iberico-Schwein, unter der die zartkrosse Kartoffel-Pavé zwar durchaus Freude bereitete, während das Gemüsearrangement aus Eiszapfen, zweierlei Fingermöhre und aromenschwacher Sommertrüffel durch die hier wiederum recht unpassende viele Säure aber seltsam karg wirkte. Was auch durch die prinzipiell sehr solide, aber etwas diffus und wenig prononciert schmeckende Jus auch nicht kaschiert werden konnte.
Unter den Desserts wirkte die saftige Blaubeerschnitte mit Vanillecreme, Passionsfruchtsorbet und gerösteten Mandeln in unseren Augen etwas attraktiver als der offenbar mit Banane gesüßte Peanutbutter-Brownie mit Erdnuss-Cremecrunch, hervorragendem roten Johannisbeersorbet sowie Blau-, Brom- und Erdbeeren, was aber wohl einfach daran gelegen hat, dass der Nachtisch vegan war und deshalb etwas der rahmige oder buttrige Schmelz gefehlt hat. Unterm Strich aber beides sehr schmackhafte Nachtische auf knappem 5-Pfannen-Niveau, das in Summe ganz locker erreicht wurde. Aufgrund der sehr guten Vorspeisen würden wir uns auch nicht wundern, wenn hier künftig auch ein Bonuspfeil oder sogar noch mehr drin wäre…
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