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| Sa-Mo ab 17.30 Uhr, Di-Fr Ruhetag |
| Menüs: 105-120 € |
Man darf sich von der Wiesbadener Anschrift nicht täuschen lassen, denn das Lokal Kellerskopf mit dem neuerdings in die zwei kulinarisch unterschiedlichen Bereiche Berggasthof und Tims Atelier aufgeteilten Konzept, liegt tief im Grünen, fast eine halbe Autostunde von der Innenstadt entfernt auf dem gleichnamigen Berg im Taunus. Mit spektakulärem Ausblick in die Rheinebene und bis zum Pfälzer Wald gesegnet ist der Berggasthof ein gefragtes Ausflugsziel. Doch statt zünftiger oder gutbürgerlicher Küche hat sich Küchenchef Tim Gassauer hier schon immer höhere gastronomische Ziele gesteckt, die nun seit dem Frühsommer 2026 in dem separaten Fine-Dining-Bereich Tim's Atelier gipfeln, wo er mit einem Menü in wahlweise 6 oder 7 Gängen aufwartet.
Dass Tim Gassauer sein Kulinarium mit dem Atelier nicht nur räumlich, sondern auch kulinarisch vom übrigen Gastronomiebereich emanzipieren möchte, zeigte schon das erste Amuse-Gueule, das mit Tunfischtatar in einem gebackenen Tarte-Zylinder und mit Fingerlimes getoppt schon große Ambitionen durchschimmern ließ. Und auch wenn es dann etwas rustikaler weiterging, nämlich mit zwei Scheiben gebratener Wildwurst aus dem Rheingau, zeugte das kleine Gericht mit getrüffeltem Kartoffelpüree, knackigen Pfifferlingen und einer buttrigen Wildjus von einem guten Gespür für regionaltypische Produkte und auch von einer der Stärken der Küche.
Stilistisch eindeutig in Richtung „Gourmetküche“ zielte dann ein Gang mit Kaisergranat, der leicht gebeizt und unter der Passlampe schonend gegart wurde, sodass er eine zarte Textur behielt. Dazu gab es dunkel gebratene und dadurch sehr aromatische Morcheln, Vogelmiere und eine Krustentierbisque. Vor allem letztere hätte man so zubereiten können, dass das Gericht noch etwas mehr Tiefenschärfe bekommt, denn das fehlte ihm ob der relativ blassen und damit wenig markanten Sauce.
Der folgende Gang folgte der sehr pfiffigen Idee, Zander in gefriergetrockneten Himbeeren und Granny-Smith-Apfel zu marinieren, schockzufrosten, und dergestalt als hauchdünnes Carpaccio aufzuschneiden. Doch auch dieser Gang machte am Gaumen deutlich weniger her als optisch, denn neben aufgerollten und im eigenen Saft gesottenen Apfelstreifen und Fenchelsalat ging der Fisch völlig unter. Trotz elaboriertem Erscheinungsbild mit sehr akkurat angerichtetem Fischcarpaccio und aufwendig aufgedrehten Apfelspiralen blieb am Ende nicht viel mehr als ein zwar wohlschmeckender, aber nicht übermäßig eleganter oder gar komplexer Apfel-Fenchel-Salat.
Ähnliches galt leider auch für den folgenden Gang, der sich um einen Tortellino mit Wildbrät-Füllung drehte. Viel konnten wir vor allem dem al dente gekochten Pastateig abgewinnen, und auch ein mit Vanille gewürztes Pastinakenpüree war homogen cremig und geschmacklich ansprechend. Nicht überzeugen konnte uns jedoch die Füllung, in der wir kaum mehr als fein gewolftes und nicht weiter gewürztes Hackfleisch erkennen konnten. Auch die Sauce geriet sehr fahl, sodass man weder die vom Service annoncierten Pilze noch die Nussbutter auch nur erahnen konnten.
Es ging etwas überzeugender mit gebratenen Jakobsmuscheln weiter, die mit gerösteten Feta-Crumbles, Yuzu-Gel und dünn aufgeschnittener, dehydrierter Wassermelone sowie getrockneten Olivenbröseln serviert wurden. Allerdings bestand bei diesem Teller das Problem, dass die Komposition durch gleich mehrere bröselige Texturen etwas unrund wirkte. Das hemmte das Gericht in seiner Komplexität dann doch gewaltig, und auch die Jakobsmuscheln waren etwas zu gummiartig und trocken, um zumindest auf Produktseite Begeisterung zu entfachen.
Deutlich attraktiver wurde es mit dem Hauptgang, der ein schlüssiges Wild-Duett aus magerem, rosa gegartem Rehrücken und üppigen geschmorten Wildschwein-Bäckchen auf den Teller brachte. Kreativ erdacht und fachmännisch präzise umgesetzt war auch ein mit Haselnusscreme gefüllter Mini-Kürbis. Was dieses Gericht um Längen besser machte als alle Kostproben davor, war aber vor allem die Sauce, die von solidem Handwerk und sorgfältiger Reduktion zeugte.
Als der stärkste Gang des Menüs entpuppte sich zum Ende hin überraschend das Dessert, ein Mille-feuille aus Aprikosen in verschiedenen Texturen sowie Macadamianuss, das eine tolle Natürlichkeit besaß, mit vornehm zurückhaltender Süße gefiel und auch nicht zu verkopft geraten war.
Ein klares Fazit fällt nach diesem ungewöhnlich heterogenen Menü nicht einfach, denn punktuell bekamen wir hier tatsächlich einige Details auf die Gabel, die durchaus Potenzial für sehr gute Gerichte hatten, wie zum Beispiel das Tatar zum Auftakt oder die tollen Morcheln. An anderer Stelle und teils auf demselben Teller schienen dann grundlegende Komponenten aber so vergleichsweise grob und simpel, dass kein durchweg harmonischer Eindruck entstand.
Wir geben es unumwunden zu: als ambitionierte Offerten innerhalb des bisherigen Gesamtkonzepts, so wie wir es noch in der letzten Testsaison erlebt haben, hätten all diese Gerichte sehr stimmig gewirkt. Innerhalb eines ambitionierten separaten Gourmetkonzepts mit einem festen Menü an nur drei Abenden in der Woche und zu einem entsprechenden Preis liegt die Messlatte natürlich ganz automatisch um einiges höher. Und in diesem Kontext empfanden wir die meisten Kostproben zum Zeitpunkt unseres Besuchs vor allem in Bezug auf Komplexität, Präzision und Tiefenschärfe noch deutlich ausbaufähig.
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