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Fotos: Jagawirt zu Aumbach

Jagawirt zu Aumbach

Aumbach 117
93191 Rettenbach
09484-8969888

aktualisiert: 04 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do-Sa ab 17 Uhr, So von 11.30-13.30 Uhr u. ab 17 Uhr, Mo-Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 16-45 €,
Menüs: 35 €

Auf den ersten Blick ist beim Jagawirt in dem kleinen Weiler Aumbach vieles so, wie es vielleicht schon vor 300 Jahren war. Sonntags gibt es den Krustenrollbraten vom Wammerl und andere deftige Spezialitäten. Und natürlich wird in der „modernen Heimatküche“ auch Wild aus eigener Jagd kredenzt. Das Ambiente in dem Bilderbuchhaus bietet alles, was so dazugehört: Holzdielen, Kachelofen und Jagdexponate, allerdings nicht dunkel und erdrückend, sondern, seit vor einigen Jahren umfassend renoviert wurde, in lichter Freundlichkeit.

Spätestens aber beim Studieren der Weinkarte kommt man zu der Erkenntnis, dass es sich hier eben doch nicht um ein typisch bayerisches Wirtshaus handelt. Zwei Dutzend Champagner sind gelistet, gefolgt von vielen hochwertigen Weinen aus Deutschland, aber auch Österreich, Italien und Frankreich, bis hin zum Château Lafite Rothschild 1er Grand Cru Classé Jahrgang 2001 und 2002 reichen die Offerten. Dazu muss man wissen, dass Eigentümer Rupert Heider ein großer Weinsammler ist.

Einen richtigen Schub hat der Jagawirt aber durch Thomas Elst und Thien Duc Le Cong bekommen. Beide haben Erfahrungen in Regensburg bei Anton Schmaus im Storstad gesammelt und der vietnamesische Küchenchef hatte seine Ausbildung einst bei Alexander Herrmann als Landesbester abgeschlossen. Nun also widmet sich Thomas Elst als Geschäftsführer und Restaurantleiter mit Hingabe im Jagawirt dem Thema Wein, bot uns aber als „Aperitif“ passenderweise ein Bier an. Thien Duc Le Cong wiederum interpretiert modernisierte Wirtshausklassiker, ohne dabei seine französischen und asiatischen Einflüsse zu vernachlässigen.

Bei unserem Antrittsbesuch lachte uns das „Alpenmenü“ an, das mit seinen vier Gängen inklusive Wasser und Kaffee zudem auch noch zu einem höchst attraktiven Preis offeriert wird. Die Vichyssoise mit Kartoffelragout, Lauchgemüse, Schnittlauch und Kräuteröl tauschten wir problemlos gegen einen Kohlrabisalat mit Buttermilchsud und eingelegten Radieschen. Zuvor gab es noch ein Weizensauerteigbrot mit Nussbutternocke und Meersalzflocken, ehe wir mit einem gut dosierten Säurefestival in den Abend starteten. Ob mit großen eingelegten Kohlrabischeiben oder gepickelten zweierlei Radieschen und natürlich auch im grün-scheckigen Buttermilchsud – überall breiteten sich in feinen Nuancen andere Säuretöne aus, selbst im etwas kräftigeren Kohlrabi-Nussbutter-Stampf als Halterung für Feldsalatbüschel mit ebenso eigener Yuzu-Senf-Vinaigrette. Kürbiskerne (und ein Öl daraus) sowie Brotchips gaben ein paar knackige Akzente zum ungemein frischen Erlebnis.

Nach dieser asiatischen Inspiration ging es recht bayerisch weiter, obwohl: Grammelknödel sind ja ein Klassiker der österreichischen Küche. Jedenfalls war ein fluffiger elastischer Knödel mit knusprig krachenden Grammeln, also Grieben gefüllt und auf grün-weiß-cremigen Wirsing gesetzt. Obenauf türmte sich eine Schicht angeschmolzene Butterbrösel mit winzigen Schnittlauchstückchen und noch weniger sparsam wurde dazu eine komplexe Schweinejus angegossen. Nun könnte man meinen, dass dies zusammen sehr schwer und deftig war, aber in dem kaum noch sichtbaren Rahmwirsing waren auch angeschmorte Apfelstücke eingestreut, die eine belebende Fruchtfrische beizutragen hatten und das ganze auflockerten.

Auch der folgende Tafelspitz hatte durchaus Überraschendes, obwohl die Beigaben mit Petersilienkartoffeln, Cremespinat und Apfelkren klassisch waren. Aber die zwei zentimeterhohen Kalbfleischstücke kamen superzartrosa in einer blitzsauberen Boullion daher, die außerdem mit größeren Wurzelgemüsewürfeln, Schnittlauch und viel geriebenem Meerrettich bestückt war. Zu den perfekt gegarten Kartoffeln in sehr cremigem Spinat erfrischte in einer dritten Schale leichter Apfelmus-Kren. Insgesamt übrigens war die Portionierung des Gerichts wirtshausmäßig viel großzügiger als für ein Vier-Gänge-Menü üblich.

Aber zum Abschluss gab es ja „nur“ ein „Cream ’n‘ Crunch“: eine große Kugel Tahiti-Vanilleeis mit Kokosmilch abgeschmeckt, bedeckt mit einer Miso-Karamell-Schicht und goldenen Perlen aus Zartbitterschokolade, umzingelt von einem gerösteten Nussmix – in das cremige-knusprige Dessert mischten sich also auch kongeniale salzige Momente. In den zwei veganen Pralinen der Sorte Pistazie-Krokant und Mango-Kokos zum Kaffee war der Zuckergehalt ebenfalls etwas gedrosselt.

In der Weinbegleitung, die man passend zum Menü bekommen kann, wird allerdings nicht auf die Bremse getreten. So öffnete Thomas Elst zum Tafelspitz einen 2016er Spätburgunder „Siebeldinger Muschelkalk“ vom Ökonomierat Rebholz, auch dies zu einem sehr genussfreundlichen Preis, so wie alles beim Jagawirt. Wir geben zum Start hocherfreut gute sechs Pfannen, wohlwissend, dass je nach Saison und Menü eventuell auch noch etwas mehr drin sein könnte. So sind wir schon jetzt sehr gespannt auf den nächsten Besuch in dieser willkommenen Neuentdeckung!

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