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Fotos: Il Teatro²

Il Teatro²

Ettlingerstr. 2c
76137 Karlsruhe
0721-356566

aktualisiert: 12 / 2021
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Mo von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Di Ruhetag
Hauptgerichte: 20-42 €, Menüs: 70-84 €

Sie sind hierzulande verdammt selten, aber es gibt sie, die ambitionierten italienischen Ristoranti, die jenseits von Klischee und Folklore und mit weitem Blick über den eigenen Tellerrand ebenso authentische wie originelle italienische Küche bieten. Eines der wenigen ist das Karlsruher Il Teatro², das zwar schon vor weit über drei Jahrzehnten von Giovanni Di Sario eröffnet wurde, aber erst seit Ende 2019 in der Verantwortung von dessen Sohn Daniele Di Sario liegt. Der hat nach seiner Lehre in unterschiedlichen sehr guten Häusern im Südwesten gearbeitet, etwa in der Villa Hammerschmiede, dem ehemaligen Parkrestaurant in Brenners Parkhotel unter Paul Stradner und zuletzt als Souschef im Gourmetrestaurant Le Cerf des Wald- und Schlosshotel in Friedrichsruhe – er weiß also, wie gute Küche funktioniert.

Und das wendet er nun im eigenen Restaurant konsequent an. Ohne sich stilistisch zu verzetteln und Stammgäste mit allzu exklusiven Dingen zu verprellen, aber mit so viel Einfallsreichtum und Expertise, dass sicher auch jede Menge neuer Gäste mit höheren kulinarischen Ansprüchen dazukommen werden. Doch das Schönste: Daniele Di Sario versucht hier nicht krampfhaft auf „Gourmet“ zu machen, sondern einfach nur überdurchschnittlich gut zu kochen. Er trennt seine Karte in die Sparten „Stagionale“ und „I Classici“, also in saisonale und augenscheinlich etwas kreativere Spezialitäten sowie in Klassiker, die aber auch nicht zwangsläufig so ganz traditionell daherkommen müssen. Auch ein viergängiges Menü gibt es, das nach unserem Augenschein beide Welten miteinander verknüpft.

So gibt es unter den klassisch ausgerichteten Vorspeisen neben Dingen wie einer italienischen „Vesperplatte“ mit Pizzabrot oder einem traditionellen Vitello tonnato beispielsweise auch ein Thunfischtatar mit Burrata und Salzzitronenvinaigrette. Aus dem Angebot der saisonalen Vorspeisen pickten wir uns die zarten, mit Kartoffelcreme und Chorizo gefüllten Calamaretti heraus, die mit cremiger und stückiger Avocado, etwas Kimchi und einer pikanten dunklen Sauce eine attraktive, herzhaft maritime Vorspeise abgaben. Allenfalls eine frische, kräftige Kräuternote und einen säuerlichen Akzent hätten wir uns zur Belebung der Füllung noch vorstellen können, aber auch so war das eine sehr runde Sache.

Genau wie die Vorspeise des Menüs um gerösteten Pulpo mit gebratenen Romanasalatherzen, bei der nur die Proportionen nicht ganz optimal gewählt wirkten: Der zarte Oktopus war nämlich nach unserem Geschmack von einer viel zu großen Menge roter Paprikawürfelchen überhäuft, die hier mit gerösteten Pinienkernen und Schnittlauch zu einer ausgewogen säuerlichen Vinaigrette zusammenkamen, in der kleine Spuren einer Creme von fermentiertem schwarzem Knoblauch für zusätzliche Würze und Tiefe sorgten.

Manche Gerichte wirken nicht nur etwas unproportioniert – bisweilen sind auch die Portionsgrößen selbst furchteinflößend groß. Doch wer würde sich schon beschweren, wenn er als Zwischengang des viergängigen Menüs eine ganze Schüssel voll köstlicher, sehr frisch schmeckender Meeresfrüchte, wie verschiedene Muscheln, Calamaretti und Kaisergranat, hausgemachte Sepia-Tagliatelle, knackige Salicornes und ebenso kraftvollen wie ausgewogenen Sud auf Basis von Krustentier und Muscheln aufgetischt bekommt?

Auch die Orecchiette mit saftig zartem Lammragout, dessen Schmorjus mit Fonduta di Caciocavallo zu einer süchtig machenden Fleisch-Käsesauce vermählt wurde, war wunderbares Soulfood, von dem wir eigentlich gern einen ganzen Topf voll aufgegessen und die Reste dieser köstlichen Sauce noch mit dem Weißbrot bis auf den letzten Tropfen aufgetunkt hätten. Wäre da nicht noch ein Hauptgang angestanden, der uns gleichfalls begeistern konnte: Nämlich ein Zweierlei vom Hirsch, namentlich ein in puncto Fleischqualität und Garzustand als nahezu perfekt zu bezeichnender, mit einer schmelzigen, feinaromatischen Kruste gratinierter Rücken und ein nicht weniger attraktives geschmortes Ragout. Letzteres kam zusammen mit mustergültigen, vom Brett geschabten Spätzle in einem Schälchen à part – ersterer zusammen mit einer tiefen und zugleich eleganten Molesauce, Pfifferlingen und cremigem sowie knackigem Rosenkohl auf dem Hauptteller. Trotz seines Titels „Cervo & Mole“ natürlich nicht wirklich typisch italienisch, aber ganz hervorragend.

Und als typisch italienisch kann man auch die Dessert-Interpretation des Cocktails Piña Colada nicht bezeichnen, gleichwohl machte auch dieser auf zwei Tellern offerierte Nachtisch in seiner geschmacklich ausgereiften Art viel Spaß – ganz besonders das sulzige Piña Colada-Eis mit Schokoladenerde à part. Das Weinangebot im Il Teatro² reicht von einfachen, aber durchaus trinkbaren Qualitäten glasweise bis zu Flaschen renommierter Produzenten von Silvio Jermann bis zu den diversen Super-Toskanern.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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