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| Mo-Do ab 17.30 Uhr, Fr-So 11.30-14.30 Uhr u. ab 17.30 Uhr, kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 21-46 €, Menüs: 79-89 € |
Unesco-Weltkulturerbe ist die Reichenau wegen des Benediktinerklosters und der romanischen Kirchen. Bekannt ist die Insel aber vor allem für den Obst- und Gemüseanbau – und deren Produkte, die nicht nur in den Küchen rund um den Bodensee eingesetzt werden. Auch im traditionsreichen Ganter Hotel Mohren legt man viel Wert auf Regionalität, sodass auf der Karte etwa bunter Salat von der Reichenau und Gegrilltes von Bodenseefischen stehen.
Seit Februar 2026 ist dort Peter Bogdanovic Geschäftsführer und Küchenchef, der diese Doppelfunktion zuvor im Gasthaus Sternen in Bohlingen innehatte. Auch im „Mohren“ – der Name geht auf Karl Mohr zurück, der das Haus 1756 erbaute – bietet er einerseits beliebte Klassiker wie Zwiebelrostbraten, Wiener Schnitzel und Kalbsbäckchen an, zeigt aber andererseits auch mit ambitionierteren Gerichten, von denen auch welche im „Menü der Woche“ gebündelt sind, dass er viele Jahre in Spitzenküchen in Deutschland, Europa und Asien arbeitete.
Bei unserem gut besuchten Testabend gab es allerdings ein paar Einschränkungen: Der überaus engagierte Service zählte gleich zur Begrüßung einige Gerichte auf, die leider aus waren. Wegen eines Kartenwechsels stand auch das Menü nicht in der Form zur Verfügung, wie es noch auf der Website angepriesen war. Das kulinarische Angebot präsentierte sich aber insgesamt dennoch vielfältig genug, dass wir uns einen guten ersten Eindruck verschaffen konnten. Das Setting in den drei ineinander übergehenden holzvertäfelten Gasträumen ist ohnehin so, dass man sich jederzeit gut umsorgt fühlt.
Nach Brot mit Kräutercreme kam ein mediterraner Gruß mit eingelegten Oliven, kleinem Gemüsemix, Fetawürfeln und schwarzem Brotchip. Als ersten Gang hatten wir uns für das Vitello Tonnato entschieden, bei dem die typischen Zutaten, bedeckt von großen Blättern Wildkräutersalat, kaum zu sehen waren: zart rosafarbene und gerollte Kalbfleischscheiben in einer ganz klassischen Thunfischcreme. Schöne Kicks steuerten nicht nur die halbierten Kapernäpfel, sondern auch Perlzwiebeln bei, die statt der spitzen Säure der üblichen Ware eine eher runde, leicht süßliche Herzhaftigkeit hatten und sich dadurch gewinnbringend einbrachten. Die halbierten Cocktailtomaten hielten wir bis auf ihre Funktion als rote Farbtupfer für verzichtbar, da sie auch im Gemüseparadies Reichenau saisonal bedingt geschmacklich noch recht blass waren.
Aus dem nicht verfügbaren Wochenmenü hatten wir auf Nachfrage immerhin noch die Jakobsmuscheln für uns „gerettet“, da sie regulär auch in einer Blumenkohlsuppe eingesetzt wurden. Vermutlich in Ermangelung weiterer Zutaten wie Flusskrebsschaum und wildem Brokkoli improvisierte Peter Bogdanovic – und das gar nicht mal schlecht! Nun also machte er eine Art Mare-e-Monti-Gericht, denn zu den drei kleinen Jakobsmuscheln gesellten sich noch gebratene Kräuterseitlinge. Die für ein Zwischengericht etwas üppige Grundierung war ein sehr cremiger Risotto (statt wie im Menü vorgesehen Venere-Reis) mit frischem Bärlauch, von dem demonstrativ auch ein großes Blatt quer über den Teller gelegt war.
Als Hauptgericht ließen wir uns eine etwas kleinere, aber immer noch stattliche Portion von gebratenem Saiblingsfilet servieren. Zum dritten Mal in Folge war auch hier das Hauptprodukt von Grün bedeckt, wobei der marinierte Frisée hier mit seiner knackigen und leicht bitteren Frische durchaus Positives beizutragen hatte. Insgesamt überzeugte das Gericht mit seinen schönen Schattierungen von Säure, Würze und Süße: von der Mitte ausgehend mit Balsamico-Alblinsen gab es eine ziemlich sämige, aber fein abgestimmte Beurre blanc und eine gut dastehende Süßkartoffelcreme, in der zur Auflockerung außerdem Süßkartoffelchips steckten.
Von den drei regulären Desserts war eines aus, also nahmen wir das lauwarme fluffige Schokotörtchen mit karamellisiertem weißen Schokoladeneis. Als klug gesetzten Kontrast zur geschmeidigen Süße mit sehr viel Sahne gab es ein Rhabarberkompott, in dem Grapefruit- und Pomelostückchen zur Säure auch belebende Bitternoten beitrugen und den Abschluss dynamisch hielten.
Die Weinkarte ist mit gut vierzig Positionen zwar nicht überbordend, hat aber nicht nur in der Abteilung „Schatzkarte“ mit Berühmtheiten wie Marchese Antinori oder der Bodegas Alion einiges zu bieten. Auch das Angebot an offenen ist ansprechend und listet Entdeckungen vom See und darüber hinaus wie zum Beispiel die „Cuvée Mohren“ vom hervorragenden Nacker Weingut Clauß. Wir sind sehr zuversichtlich, dass Peter Bogdanovic das Haus mittelfristig auf ein vergleichbares kulinarisches Niveau heben wird, wie zuvor den Sternen in Bohlingen!
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