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| Mi-So ab 17 Uhr, Mo u. Di Ruhetag |
| Hauptgerichte: 22-34 €, Menüs: 39-45 € |
Es ist für uns immer wieder eine Wohltat, in dem zeitgemäßen Landgasthof einzukehren, der etwa eine knappe halbe Autostunde südwestlich von Hamburg City in der Nordheide liegt. Denn anders als in nicht wenigen ambitionierten Gasthäusern, wo konzeptionell zwar viel vorgegeben, aber auf den Tellern dann im Grunde wenig geboten wird, ist es hier eher umgekehrt. Das Lokal, das die Geschwister Christine Buchholz und Jan Philip Stöver im Flair Hotel Zur Eiche in Buchholz betreiben, ist so etwas wie ein Paradebeispiel für einen zeitgemäßen Landgasthof und will auch gar nicht mehr sein – es bietet im Rahmen dessen aber eine Küche, die auch ganz ohne Gourmet-Attitüde in den Details oft sehr fein umgesetzt ist und deshalb einfach Spaß macht und nicht anstrengend ist.
Hier gibt’s also einfallsreiche bodenständige Gerichte, für die sich der Chef nicht in Exklusivität und übertriebener Inszenierung übt, sondern auf die solide und pfiffige Zubereitung guter regionaler Produkte fokussiert. Natürlich sind in der Karte auch gänzlich traditionelle Sachen aufgeführt, wie etwa ein Wiener Schnitzel oder Roastbeef, beides mit Bratkartoffeln, oder ein Burger mit Patty vom norddeutschen Weiderind und selbstredend hausgemachter Burgersauce, der mit Steakhouse Pommes, gegrilltem Maiskolben und Trüffelmayo zum Besten gegeben wird (alternativ auch vegetarisch mit Falafel, Würzjoghurt und Tomatenpesto). In der Mehrheit stehen darin aber wirklich pfiffige Gerichte, die man nicht an jeder Ecke bekommt. Und schon gar nicht in der hier gebotenen Qualität.
Zum Beispiel eine Vorspeise rund um verschiedene Wild-Tapas, die als Signature Dish zwar immer auf der Karte zu finden ist, aber auch immer wieder nach Saison und Verfügbarkeiten einfallsreich variiert wird. Zuletzt schwammen beispielsweise saftige Klößchen aus Wildhackfleisch in einem rahmigen weißen Spargelsüppchen, rosa gebratene kalte Scheiben vom Hirschrücken mit Bärlauch-Gremolata firmierten als „Rehtello“, knusprig angebratene Scheiben von der Wildmettwurst kamen mit Blattspinat und Schalotten zu einem herzhaften Gröstl zusammen und panierte, knusprig ausgebackene Wildpralinen, gefüllt mit Schmorfleisch, sorgten süßlich-pikant glasiert und mit Meerrettich beflockt, für Pep. Als besonders gelungen ist uns aber das butterzarte Rehragout in Erinnerung, dessen tiefschürfender Wildjus mit Rhabarber ein gewinnbringend fruchtig-säuerlicher Gegenpart zur Seite gestellt wurde.
Würden wir in so einem Landgasthof normalerweise Gerichten mit heikleren Produkten wie Steinköhler oder Rotbarbe aus dem Weg gehen, kann man sich hier getrost auf die Expertise und Qualitätsvorstellung des Chefs verlassen. Und so waren beim letzten Besuch die mit einer unaufdringlich dünnen Polenta- oder Semola-„Mehlierung“ knusprig gebratenen Rotbarbenfilets in Kombination mit schaumig aufgeschlagener, prononciert herbfrischer Zitronen-Hollandaise und gegrilltem grünem Spargel eine ansprechende Sache. Nur den solo durchaus sehr schmackhaften Röstzwiebelstampf empfanden wir zu dem Fisch und in dem Kontext als sehr herzhafte und üppige Beilage nicht ganz optimal gewählt.
Den hätten wir aber zum Beispiel zum in drei Varianten aufgebotenen Landhuhn gefeiert, von dem die gebratene Brust, die confierte Keule und das gebackene Eigelb zusammen mit Spargelgratin, Honigmöhren, Zuckermais und weißem sowie wildem Spargel aufgeboten war – was natürlich in dieser Form auch ein sehr ansprechendes Arrangement war. Hier konnte einmal mehr auch die reduzierte dunkle Sauce überzeugen, die kraftvoll und dicht, aber schön natürlich und nicht zu intensiv für das Geflügel war. Auch das waren sehr souveräne 5 Pfannen!
Und einmal mehr gilt außerdem: wer strategisch günstig bestellt und sich so noch Kapazitäten für ein Dessert bewahrt, wird dafür ebenfalls belohnt. Zum Beispiel mit einem „Die Kokosnuss“ getauften Nachtisch, bei dem in einer halbierten falschen Kokosnusshülle aus Schokolade ein Sorbet aus Mango und Rhabarber, ein Mangosalat, Vanillecreme und Kuchenstücke von Baba au rhum in wohlproportionierter und schmackhaft erfrischender Art zusammenkamen. Eine kleine Weinauswahl und verschiedene interessante Biere runden das sympathisch preiswerte Angebot im Henrys ab.
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