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| Do-Di ab 12 Uhr durchgehend, Mi Ruhetag |
| Hauptgerichte: 20-70 €, Menüs: 47-115 € |
Direkt an der Moselpromenade von Reil im ersten Haus am Platz erfüllt das Restaurant von Familie Heim mit seinen gastfreundlichen Öffnungszeiten an sechs Tagen in der Woche von mittags bis abends, einer Aussichtsterrasse und einem stilistisch breit gefächerten kulinarischen Angebot alle Voraussetzungen an ein Hotelrestaurant. Doch ist es so viel mehr, denn die Ambitionen des auch als Küchenchef reüssierenden Gastgebers und dessen Team gehen weit über solide Hausgäste- und Touristenverpflegung hinaus.
Die Karte im gediegen eingerichteten Restaurant reicht vom Flammkuchen über Wiener Schnitzel bis zum Gourmetmenü und das Team widmet sich allem mit großer Sorgfalt und Expertise. Grundlage für unsere Bewertung ist natürlich trotz allem das fünfgängige Menü, wenngleich die meisten Gänge daraus auch à la carte zu haben sind und sich auch sonst viele andere Gerichte auf der Karte auf diesem Niveau bewegen.
Christoph Heims großes Talent für stark verfeinerte Rustikalitäten offenbarte bereits der kleine gebackene Kalbskopfwürfel mit saftig-schmelzigem Fleisch unter dünner, krosser und kein bisschen frittierfettiger Panierung als Küchengruß, der mit etwas Kartoffelcreme, Meerrettichschmand, winzigen Radieschenwürfeln und einer eleganten Senfsaat-Vinaigrette überraschend feinsinnig daherkam.
Klassische frankophile Gourmetküche repräsentierte hingegen die schön pur gehaltene Gänsestopfleber-Terrine, die mit mikrofein gewürfeltem und sehr balanciert abgeschmecktem Ananastatar, etwas Ananasgel, Tupfen einer Pfefferkaramell-Sauce, knackigen frischen Mandeln und fluffig-buttriger Brioche ebenfalls einen hervorragenden Eindruck machte. Fruchtbetont ja, aber nicht desserthaft süß, zumal die Ananas-Komponenten auch genügend balancierende Säure mitbrachten und alles so proportioniert war, dass die Leber immer den Fixpunkt des Tellers darstellte.
Gewissermaßen eine Mischung aus beiden Aromenwelten sowie aus internationalen Luxusprodukten und zupackenderen, bodenständigen Viktualien, waren die gebratenen Jakobsmuscheln von auffällig guter Qualität, die je mit einer dünnen, schmelzigen Scheibe Blutwurst belegt und darauf mit einer kleinen Nocke Birnenchutney verfeinert auf ihrem Bett aus optimal bissfest gegartem Perlgraupenrisotto thronten. Süffigen Zusammenhalt und aromatischen Hintergrund lieferte eine nicht zu prominent mit Meerrettich abgeschmeckte Beurre blanc. Und auch hier wieder alles sehr elegant proportioniert, so dass alles geschmeidig ineinandergriff und sich gegenseitig genügend Raum zur Entfaltung ließ.
Wie im letzten Jahr gab’s sehr zu unserer Freude auch diesmal wieder Kalbsbries im Menü – und zwar ebenfalls in saftig-zarter Idealform, also nicht pastös, aber auch nicht gummihaft elastisch, wie ein kleines Wiener Schnitzel paniert und knusprig ausgebacken. Liiert auch diesmal mit Erbsencreme und weißem Spargel, daneben aber auch Staudensellerie, junge Möhre, Zuckerschote und Blattspinat. Hier zeigte sich Christoph Heims Händchen für substanzreiche, elegante Saucen gleich doppelt, nämlich als Duett aus Kalbsjus und heller rahmiger Schaumsauce, die beide voneinander profitierten.
Ein weiteres Duett gab‘s im Hauptgang, nämlich vom Rücken und Bauch eines Lamms: der rosasaftig gebratene Rücken mit einer unaufdringlich dünnen und außerdem zitrisch-herb aufgelockerten Bärlauchkuste und der Bauch mit krachend krosser Schwarte. Auch in deren Eskorte stimmte jedes Detail, denn das hervorragende Ratatouille-Gemüse hatte eine optimale Beschaffenheit, Zusammenstellung und Aromengebung, die knusprig angebratene Polentaschnitte war im Kern zart und fluffig und die seidig-glatte Auberginencreme mit einem säuerlich-zitrischen Touch ebenfalls attraktiv aromatisiert. Außerdem komplettierte eine gehaltvolle, nicht zu dichte Lammjus das mediterrane Ensemble trefflich. Dass wir auch dieses Gericht nahezu identisch schon im Menü des Vorjahrs hatten, halten wir nicht nur aus chronistischen Erwägungen für völlig unproblematisch. Denn erstens kommen solche saisonalen Wiederholungen in den besten Häusern vor und zweitens hatten wir somit die Gelegenheit, auch im direkten Vergleich festzustellen, dass diese Gerichte im Detail diesmal noch etwas präziser gewirkt haben – so jedenfalls unser Eindruck.
Rundum wohlgelungen war auch das auf zwei Tellern angerichtete Dessert, das zum einen aus einer mit dünnem, knusprigem Blätterteig eingefassten Rhabarbertarte bestand, bei der der Rhabarber vom süßen Schmelz einer Art Frischkäsecreme unterfüttert und mit buttrigen Crumble-Streuseln überbacken war. À part dazu marinierte Erdbeeren mit Sauerrahmeis und wenig Süße.
In der Weinkarte findet man zu allem das passende Gewächs, nicht bloß aus der Moselregion, sondern aus ganz Europa. Der Service unter dem Dirigat von Gastgeberin Maria Heim agiert selbst bei viel Betrieb aufmerksam und zuvorkommend.
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