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Fotos: handiɔap.

handiɔap.

im Hotel Anne-Sophie
Hauptstr. 22-28
74653 Künzelsau
07940-93460

aktualisiert: 05 / 2024
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 18 Uhr, So von 12-14 Uhr, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 28-34 €,
Menüs: 58-95 €

Wer durch das Hohenloher Land reist und in der Gegend von Künzelsau ist, hat gleich mehrere Möglichkeiten, an den Errungenschaften des „Schraubenkönigs“ Reinhold Würth teilzuhaben. Nicht nur in den beiden Kunstmuseen vor Ort, sondern auch im Hotel Anne-Sophie, das ebenfalls zur Würth-Gruppe gehört. Das sich über mehrere Häuser erstreckende Ensemble hat unter seinen gastronomischen Einrichtungen mit dem Handicap ein schönes Gourmetrestaurant. Wie der Name schon signalisiert, wird hier Inklusion gelebt, kümmern sich Menschen mit und ohne Behinderung um das Wohl der Gäste.

Das kulinarische Niveau mit seiner Liaison aus heimischen und internationalen Topprodukten ist seit Jahren hoch, erst recht, seitdem mit Tobias Pfeiffer und Sebastian Wiese eine Doppelspitze in der Küche steht. Das Preisniveau ist inzwischen mindestens ebenso hoch und zuletzt sprunghaft gestiegen, aber gut zu wissen: Außer den beiden regulären Menüs gibt es donnerstags ein vergleichsweise günstiges Überraschungsmenü zum Reinschnuppern sowie sonntags einen attraktiven Mittagstisch.

Im klassischen Ambiente, in dem einem auch Exponate aus der Würth‘schen Kunstsammlung begegnen, sitzt es sich so komfortabel wie elegant. Als Gruß kam bei unserem jüngsten Besuch zügig ein kunstvoll gefalteter Buchweizencrêpe mit Steckrübenpüree auf einem Gemüsetaler, dessen Kombination aus süßlich und herzhaft von ein paar Tupfern Sanddornmousse säuerlich akzentuiert wurde. Zu toskanischem Olivenöl und gesalzener Butter mit Grünkohlpulver gab es ein noch warmes Weizenmischbrot, das auch als guter Begleiter zur vegetarischen Vorspeise diente. In den „Wintersalaten“ wie Castelfranco und Radicchio wurden die dezenten Bitterstoffe in einem insgesamt harmonischen, aber zurückhaltenden Geschmackbild mit den herberen Noten von Quitte, der erdigen Würze von Topinambur als Mousse und Chip und der Süße von kandierten Walnüssen aufgefangen.

Auch das Fischgericht war klein, aber fein und von eher sanfter Natur, zumindest wirkte die roh marinierte Gelbflossenmakrele wenig bis gar nicht gewürzt. Die blitzsauberen Filets waren partiell mit einer orangefarbenen Emulsion überzogen, die nahtlos an einen sehr leichten Kürbissud grenzte, der mit elegantem Glanz und sanfter Fruchtnote sogar nichts Erdig-Schweres hatte. Leicht scharfe Töne gab es durch Sprossen von frischer Kresse hinzu, die als grüne Creme zu einer weißen Nocke mit winzigsten Kürbiswürfeln für zusätzliche Geschmeidigkeit sorgte.

Sehr viel mehr Power brachte als Teil des vegetarischen Menüs die Karotte vom Grill auf den Teller: als Hauptdarsteller in Sesam gewälzt, deren enorme Rauchnote das Gericht dominierte. Deutlich milder war die Urkarotte zu einem violetten Püree mit ebenfalls Sesam und einem orangefarbenen Sud verarbeitet. Zu gehaltvollen Kichererbsenkrapfen wurden nicht bloß zur Auffrischung der Optik ein Klacks Schafsfrischkäse und obenauf erneut viel Kresse gesetzt.

Dicht an dicht wirkte auf den ersten Blick auch das Fleischgericht, aus dem dann aber doch viele Feinheiten herausragten. Als Grundierung diente eine aromatische Artischockencreme mit Chips, roten Zwiebelstreifen und gelben Pimentos, die zur cremigen und knusprigen Würze feine süß-säuerliche Kicks abgaben. Hauptprodukt der mediterran geprägten Komposition war Limousin-Lamm: zwei klassisch rosa gebratene Scheiben vom Rücken mit schön präsenter Struktur, dazu etwas Bauch als Roulade verarbeitet, begleitet von einer eleganten, noch leicht transparenten Jus.

Ebenso französischen Ursprungs war der süße Abschluss mit „Kouign-amann“, einem bretonischen Blätterteig-Butterkuchen mit fünf, sechs Schichten samt cremiger Füllung, die als Tupfen auf dem Teller fortgeführt wurde. In geschmacklicher Hinsicht trat am deutlichsten ein intensives Sanddorneis hervor, das mit sanft-fruchtigeren Momenten von Apfel als Geleekugeln und Würfeln in einem Ragout flankiert wurde. Zum Kaffee folgte nebst zwei Pralinen mit einem Cannelé-Küchlein eine letzte kleine französische Reverenz.

Auf der umfangreichen Weinkarte sind unsere Nachbarn im Westen zwar fast ebenso stark vertreten wie die gut sortierten Gewächse aus Deutschland. Dennoch kam die attraktive Weinbegleitung bei unserem Besuch ganz ohne Franzosen aus und hatte stattdessen zum Beispiel einen gut gereiften Post Scriptum Jahrgang 2005 aus dem Douro-Tal und einen Mountain Wine aus Malaga im Angebot.

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