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| Di-So ab 18 Uhr, Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 50-65 €, Menüs: 115-165 € |
Die üppig umwachsene kleine gelbe Villa im noblen Bonner Vorort Bad Godesberg ist seit langer Zeit eine Oase für Feinschmecker, die traditionelle, familiengeführte Gourmetrestaurants mit persönlicher Note und im besten Sinne konservative, substanzielle klassische französische Küche schätzen. Rainer-Maria Halbedel beherrscht das Küchenhandwerk aus dem Effeff, bewirtschaftet einen eigenen Garten der ihm vieles an Gemüse, Obst und Kräutern liefert, macht auf seinen Tellern keine halbgaren Experimente und hechelt keinem Trend hinterher, hat aber ein waches Auge für Entwicklungen. Seine Frau Irmgard beherrscht es auf ganz natürliche und unaufgeregte Art, Wärme und Herzlichkeit in die beiden liebevoll floral dekorierten Gasträume ihres Jugendstil-Kleinods zu bringen.
Forciert wird immer das sehr saisonal ausgerichtete Menü in sechs Gängen, es gibt aber darüber hinaus auch eine vegetarische Variante und ein vom Saisonmenü abweichendes Überraschungsmenü, das uns zuletzt beispielsweise eine gebratene Tranche von der Gänseleber in Begleitung einer Baumkuchenschnitte, gefüllt mit einem leicht gelierten Ragout vom Boskop-Apfel bescherte. Untermalt von einer kraftvoll tiefen, aber eben nicht zu dichten Jus aus reduziertem Portwein und 25 Jahre gereiftem Aceto Balsamico Tradizionale, die gemeinsam mit der Foie Gras und dem Apfelsandwich verdeutlichte, wo hier die Stärken liegen.
Dass diese Stärken aber keinesfalls von teuren Edelprodukten abhängen, konnte der markante aber dennoch sehr schön leichte Auftakt unseres jüngsten frühlingshaften Menüs belegen. Der drehte sich um die beiden Leitprodukte Liebstöckel und Aal, wobei der Fisch aus Rainer Maria Halbedels norddeutscher Heimat als Rauchaalstücke und würziger Rauchaalsud, das Kraut aus dem eigenen Garten in der Eifel als cremige Spirale in der Tellermitte, sehr intensive, fast schon ins Bittere tendierende Creme, kleine Moussekugeln und das Blattgrün angerichtet waren.
Das dezent umamiwürzig und zitrisch marinierte Tatar vom Thunfisch bei der Vorspeise versteckte sich in drei Rettich-Täschchen, die sich, gefaltet wie Dim-Sum, auf einem Podest aus Fenchelsalat aus dem umgebenden Fenchel-Dashisud erhoben. Eine mayonnaiseartige Creme, die genau wie das Fenchelgrün und verschiedene andere Kräuter und Blüten immer wieder punktuell dazwischen eingestreut war, trug weitere Umamiwürze in das Gericht, das dadurch aber nicht plakativ und üppig wirkte, sondern ebenfalls seine Leichtigkeit und Frische behielt. Im Grunde die äußerst gelungene Weiterentwicklung einer ähnlichen Vorspeise von Thunfisch und Fenchel aus der vergangenen Testsaison, damals noch auf Kefirvinaigrette mit Schnittlauchöl und anders arrangiert, in der aktuellen Version deutlich ausgereifter – auch wenn wir das verspielte, mit Bete-Pulver rot gefärbte Hippengitter obenauf auch diesmal eher als überflüssig als gewinnbringend empfanden.
Sehr ausgewogen war auch die auf ihrer Oberseite mit gepuffter Quinoa beschichtete und darauf mit Imperial-Kaviar getoppte Jakobsmuschel in Szene gesetzt, die sich zudem durch überdurchschnittliche Qualität hervortun konnte. Sie wurde flankiert von Erbsenpüree und Zuckerschotensalat, und alles war angerichtet auf einem Sud, der auf Basis von kaltgepresstem Traubenkernöl zubereitet und mit Limette, Madras-Curry und Vanille verfeinert war. Tendenziell eher süßlich als herzhaft, die Currynote ganz dezent eingebunden, aber genau das ist auch die Stärke des routinierten Chefs, der mit sicherer Hand würzt und die Hauptprodukte nicht überhöht.
So wie auch der ganz klassisch bespielte und ebenfalls sehr gute bretonische Steinbutt, dessen Tranche partiell in knusprige Kartoffelstreifen gehüllt war und in Begleitung von leicht knackigem gebratenem weißem Spargel und einer mit Kartoffelcreme gefüllten großen Frühlingsmorchel auf leichter, schaumig aufgemixter Morchelrahmsauce daherkam. Auch hier war alles nur sehr dezent gewürzt, eben gerade so, dass der Eigengeschmack aller Viktualien optimal gestützt wurde.
Und die Produkte haben diese aromatisch eher zurückhaltende als vorpreschende Art der Zubereitung auch wirklich verdient. So auch die für Kalbsfilet überraschend ausdrucksstarken Medaillons vom Oldenburger Freilandkalb mit kernigem, saftigem Biss und viel Eigengeschmack. Begleitet von in Rotwein geschmorten Schalotten und Kohlrabiröllchen mit Mangoldhülle. Der eigentliche Clou aber waren die beiden Saucen, eine dunkle Jus, verfeinert mit Gänseleber und gereiftem Balsamico sowie einem Périgord-Trüffelschaum, der auch noch von ein paar frischen schwarzen Trüffelscheiben aromatische Unterstützung erfuhr.
Nach einem sehr schmackhaften, aber mengenmäßig auch recht opulenten Vordessert aus gebrannter Rosmarincreme, eingelegtem Rhabarber und Mandelschaum stand der eigentliche süße Abschluss ganz, aber nicht ausschließlich im Zeichen der Amalfizitrone, die als Sorbet, Gel und kandierte Zesten in und um einen Moussering aus weißer Ashanti-Schokolade drapiert waren. Himbeere als Gelee und Coulis und echte Beere machte sich dazwischen gut als Auflockerung. Auf die Passionsfruchtjus, die einen weiteren Säuregrad ins Dessert trug und das feine Aroma der Zitrone eigentlich unnötigerweise überdeckte, hätte man nach unserem Gefühl eigentlich verzichten und lieber das Gold von der Costiera Amalfitana noch stärker und vielleicht facettenreicher in den Vordergrund stellen können. Aber das ist in dem Fall nicht nur Kritik auf hohem Niveau, sondern irgendwie auch Geschmackssache, denn rund und harmonisch war der Abschluss auch so allemal.
Zum ausgereift klassischen Küchenstil Halbedels finden sich in der Weinkarte problemlos adäquate europäische Begleiter ebenfalls eher traditioneller Art, die vom Chef, der zusammen mit seiner Frau den Service meistert und immer wieder zwischen Herd und Gastraum switcht, auf Nachfrage treffsicher zum Menü empfohlen werden können.
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