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| Mo u. Mi-Fr ab 13.30 Uhr durchgehend, Sa u. So ab 12 Uhr durchgehend, Di Ruhetag |
| Hauptgerichte: 22-36 €, Menüs: 41-65 € |
Trotz der attraktiven Rahmenbedingungen, die auf der Insel Rügen gegeben sind, tut sich die gehobene Gastronomie hier schon immer relativ schwer. Doch es gibt auch hier eine Handvoll lohnenswerter Adressen, die mehr als das Alltägliche bieten, und zu denen gehört seit geraumer Zeit auch das Hafenrestaurant Zum kleinen Leuchtturm im direkt am Wasser gelegenen Hafenhotel zu Putbus, das sich schon in der Eigenwerbung ambitioniert darstellt. Die erste Besonderheit des Lokals besteht darin, dass ein mittäglicher Besuch durch eine Anreise mit dem „Rasenden Roland“ aufgewertet werden kann – jener berühmten Schmalspurbahn, die im Südosten Rügens verkehrt, und die auch in der Nähe des Hotels Halt macht.
Dort nimmt man entweder drinnen im maritimen, hell und geschmackvoll gestalteten Ambiente Platz, oder alternativ auf der gläsernen Veranda, die sich im Sommer großer Beliebtheit erfreut. Chefkoch Sascha Krahe setzt mit seiner Küche tendenziell auf eher klassische, mehrheitsfähige Gerichte als auf allzu Experimentelles oder Exklusives, versucht also auf den Tellern ganz bewusst weniger mit artistischen Effekten zu Punkten, sondern mit gehobener Produktqualität und solidem Handwerk. Die Speisekarte offeriert gut und gern dreißig Gerichte, die sich schwerpunktmäßig um Pasta, Fleisch und natürlich Fisch drehen; es gibt unterschiedliche Flammkuchen-Varianten oder reichhaltig bestückte Salate, aber auch zwei Menüs, darunter eines vegetarisch. Und auch wenn die Speisekarte mit „Kochen ist Kunst“ überschrieben ist, geht es hier nicht um ausufernde Gourmandisen, sondern um reelle Küche für jeden Tag. So steigt man auch ins moderat bepreise „Chefs Menü“ ohne Amuses, Apéros oder Brotservice gleich ohne Umschweife mit dem ersten Gang ein.
Wie gesagt, die Küche wandelt ganz bewusst auf überwiegend bewährtem Terrain, doch bisweilen entdeckt sie auch ihre kreative Ader, wenn beispielsweise wie in unserem Fall zum Auftakt eine bemerkenswert gute, knackige Riesengarnele in einem schön knusprigen und überhaupt nicht frittierfettigen Tempuramantel daherkommt und nicht nur farbenfroh, sondern auch ansprechend zupackend mit rosa Rettich und gepickelter Gurke umspielt wird. Dynamische Akzente kamen auch noch von spicy Mayo und Wasabi-Nuss-Crumble auf dem Krustentier sowie Ingwer und schwarzem Sesam hinzu. Schwachpunkt dieses Tellers war der üppig eingesetzte Schaum von Zitronengras und Kokosnuss, der in seiner aromatischen Wirkung eher blass war und so die anderen Komponenten als allzu milder Teppich eher verwässerte, als pushte. Dennoch machte dieser Teller Spaß und ließ auch überdurchschnittliches Niveau erkennen.
Traditioneller geht es mit der „Fischsuppe nach Art des Hauses“ weiter, die in ihren maritimen Fluten nicht nur Gemüseeinlage und verschiedene Fischfilets, sondern auch Garnele beherbergte. Im Zwischengang des vegetarischen Menüs verlieh Sommertrüffel der Kartoffel-Lauchsuppe mit Croûtons und Kräuteröl einen Hauch von Exklusivität – ansonsten bleibt das Angebot mit hausgemachten Spinatknödeln auf Pfifferlingen à la Creme, Pannfisch vom Wels, Kutterscholle mit Nordseekrabben und Gurkensalat, Kalbsleber „Berliner Art“, Kalbstafelspitz mit klassischer Garnitur, Rinderfiletspitzen in Pfefferrahm mit Mandelbrokkoli und Pommes oder einem original Wiener Schnitzel aber eher gutbürgerlich im besten Sinne.
Solide umgesetzte gutbürgerliche Küche repräsentierte auch das geduldig geschmorte und satt mit Jus glasierte Bürgermeisterstück vom Ostseerind, dessen mürbes, löffelzartes Fleisch auf einem buttrigen Kartoffelpüree und einer intensiv dunklen, aber aromatisch etwas zurückhaltenden Portweinjus thronte. Weitere Beilagen wie wilder Brokkoli, sautierte Pfifferlinge und frittiertes Kartoffelstroh, die lockerflockig anbei drapiert waren, schmeckten klar definiert, natürlich und frisch. Was dem Gericht an kreativer Raffinesse gefehlt haben mag, konnte es durch Natürlichkeit und guten, harmonischen Geschmack locker wettmachen. Manchmal braucht es auch gar nicht mehr.
Logisch, dass auch mit den Desserts keine Kapriolen geschlagen und mit Dingen wie der hausgemachten Crème brûlée mit frischen Beeren kein Kreativpreis gewonnen werden kann. Gleichwohl wurde auch hier durch die homogene Beschaffenheit der Creme, deren gutem Geschmack durch hochwertige Vanille und der sehr sauber und gleichmäßig gebrannten Zuckerschicht kleine Ausrufezeichen gesetzt und Durchschnittliches in überdurchschnittlicher Güte präsentiert.
Damit findet das Restaurant mit einer zugänglichen Küche, die für jeden Geschmack etwas bereithält, breiten Zuspruch. Es zieht damit in ansprechender Lage unterschiedlichste Gäste an und entlockt uns aufgrund der bemerkenswert guten Alltagsqualitäten und der sorgfältig-fundierten Machart auf Anhieb 5 Pfannen. Der Service agiert sachlich und unauffällig, das kleine Weinsortiment umfasst gut zwei Dutzend Bouteillen aus Deutschland, Italien und Frankreich im zweistelligen Bereich und einige attraktive Offerten glasweise.
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