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| Do-Sa ab 18 Uhr, So-Mi Ruhetag |
| Menüs: 71-129 € |
Dinieren auf Gutsherrenart – das ist ohne Zweifel ein Alleinstellungsmerkmal auf Rügen. Im Kaminzimmer des historischen Landhauses Kubbelkow im Landesinneren der Insel kehrt man nicht nur wegen des Essens ein, sondern auch wegen des einmaligen Ambientes der stilecht eingerichteten, aber gut in Schuss gehaltenen Villa. Von Donnerstag bis Samstag bewirtet das kleine inhabergeführte Hotel nicht nur seine Hausgäste, sondern auch auswärtige Gäste, die nur zum Essen hierherkommen, mit klassischer Küche.
Ein erstes Amuse-Gueule war sehr ansprechend und bestand aus einem kross frittierten Parmesanbällchen, das entfernt an Gougères erinnerte, sowie einem Gurkensalat, der mit roten Zwiebeln gewürzt war. Ein recht einfacher, aber sehr zufriedenstellender Auftakt. Das Brot und einige Dips wichen dann aber doch etwas von jedem Standard ab, den das Interieur, das aufwendig eingedeckte Silberbesteck und auch der Preispunkt suggerieren – und wie wir es in der Vergangenheit auch schon erlebt haben. Das Baguette ist lasch und weder aromatisch noch sonderlich kross, ein Bärlauchpesto hat den Geschmack oxidierter Kräuter, und eine Kräuterbutter kam bereits geronnen auf den Tisch.
Den deutlich besseren Auftakt ins Sechs-Gang-Menü, das man auch auf vier, fünf oder drei Gänge straffen kann, machte ein Rote-Bete-Carpaccio mit Wildkräutersalat und gegrilltem Hamachi. Sehr angetan waren wir von dem hocharomatischen und abwechslungsreichen Kräuterbouquet, das mal blumig, mal herb für ein kurzweiliges und auf jeder Gabel überraschendes Essvergnügen sorgte. Der Hamachi wurde recht weit durchgegrillt, was bei einem Fettfisch zwar weniger ins Gewicht fällt, aber doch den Eindruck hinterließ, als hätte man aus dem Teller noch mehr herausholen können.
Simpel, aber aromatisch war sodann ein Curry-Schaumsüppchen mit Kükenkeule und Spargelgemüse als Einlage. Vor allem die intensive, aber nicht dominante Würzung der Suppe konnte überzeugen. Durch frittiertes Engelshaar erweiterte die Küche das texturale Spektrum hier um feine knusprige Elemente. Im Fischgang präsentierte man ein stattliches Stück Steinbutt, das auf der Haut gebraten wurde, und servierte dazu zweierlei Muscheln, namentlich kleine Bouchot- und eine große Venusmuschel. Die Safransauce und der dezent fernöstlich abgeschmeckte Gewürzebly passten gut ins Bild eines nicht verkrampft norddeutschen, sondern flexibel-mediterranen Gerichts.
Nicht ganz mithalten konnte da der Fleischgang mit heimischem Reh, das deutlich zu weit durchgegrillt und dadurch sehr fest war. Handwerklich besser umgesetzt präsentierte sich der in der Pfanne geschwenkte weiße Spargel und ein aromatisches Saucenduett aus Jus und aufgeschäumter heller Rahmsauce mit dezentem Sommertrüffelaroma, das sich mit einer dritten saucigen Komponente, nämlich süßlich-herben Portweinschalotten, verband. Ein Semmelknödel – der auf der Speisekarte etwas überhöht als „Röstbrot-Soufflé“ angekündigt wurde – kam hingegen recht massig und ohne die suggerierte Luftigkeit daher, die den Reiz dieser Zubereitung ausmacht hätte. Mit ein wenig Finetuning kann daraus durchaus ein raffiniertes Gericht werden…
Besser in Schuss war die Patisserie, die mit einem fluffigen Biskuit-Törtchen mit Stutenmilchcreme sowie einem Joghurt-Erdbeer-Eis auftrumpfte. Einen außergewöhnlichen Touch steuerten kandierte Kumquats und Zitronenmelisse bei, die aus einem vertrauten Geschmacksbild ein kreatives Dessert machten. Auch der Käseteller zeugte von guter Produktkenntnis, unter anderem mit fein affiniertem Brie, Comté und Saint-Marcellin. Lediglich die Anrichteweise – dicht, auf einem kleinen Brett, mit viel Deko wie Salatblättern und Trauben – stand dem Genuss ein wenig im Weg, weil die völlig gegensätzlichen Käsesorten unschön miteinander verflossen.
Als Gesamtpaket und vor allem für architektonisch und historisch interessierte Gäste ist das Gutshaus Kubbelkow eine echte Empfehlung. Die Weinkarte ist gut ausgestattet, vor allem mit klassischen Weinen aus Deutschland, Frankreich und Italien, aber auch mit einer erfreulichen Auswahl Ostdeutscher Weine, die von Sachsen über Saale-Unstrut bis nach Rügen reicht, wo das Weingut Hohmann seit neuestem einen Hektar Rebfläche bewirtschaftet. Auch die Küchenleistung entspricht im Groben den Erwartungen, die Rügen-Urlauber an das Restaurant eines schicken Boutique-Hotels stellen dürften. Hier und da würden wir uns in Hinblick auf die Auszeichnung jedoch mehr Sorgfältigkeit und Detailtreue bei den Zubereitungen wünschen
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