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Fotos: Gut Kalberschnacke

Gut Kalberschnacke

Kalberschnacke 4
57489 Drolshagen
02763-2144432

aktualisiert: 07 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi u. Do ab 13 Uhr durchgehend, Fr u. Sa von 12-16 Uhr u. ab 17 Uhr, So ab 11.30 Uhr durchgehend, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 8-39 €,
Menüs: 50-95 €

Sehr idyllisch und nur durch eine mäßig befahrene Straße vom Ufer des Badesees der Listertalsperre getrennt, liegt im Herzen des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge das Fachwerkhaus Restaurant Gut Kalberschnacke, das inklusive eines Freisitzes mit Seeblick alles hat, was man von einem Ausflugslokal erwartet. Vermutlich könnte das junge Gastgeberpaar Anica Möller und Johannes Rudloff, die ursprünglich aus Thüringen stammen und nun seit etwa zwei Jahren hier engagiert bewirtschaften, auch ganz bequem auf ausschließlich traditionelle gutbürgerliche Kost setzen, doch schon der Blick in die Karte verrät, dass hier kulinarisch mehr geboten wird.

Klar gibt es auch Populäres für die breite Masse wie Wiener Schnitzel, Chicken-Burger oder bodenständige Spezialitäten aus der Heimat der Gastwirte, wie Thüringer Rostbratwürste mit Kartoffelpüree, Sauerkraut mit Speck und Zwiebeln oder eine Rindsroulade nach altem Familienrezept, die mit Sicherheit immer eine gute Option sind. Daneben aber auch jede Menge originellerer und mitunter sehr weltoffen gedachter Optionen, die von einer Neuinterpretation des klassischen Rindertatars mit schwarzem fermentiertem Knoblauch, Steinpilzcrumble, Apfelessig und hausgemachter „Umami-Paste“ bis zum Skrei, der mit Spitzkohl und Kartoffelcreme in einer Kokos-Curry-Essenz serviert wird.

Anhand der vielen Optionen, die die Gäste hier in den unterschiedlichsten Kategorien von „Klassiker“ über „Die Handschrift der Kalberschnacke“ oder „Lieblingsstücke“ bis zu „Unsere Küche“ haben, liegt bereits bei der Speisekartenlektüre der Verdacht nahe, dass sich das Team da konzeptionell etwas zu viel zumutet und die schiere Menge an Angebot zwangsläufig auch nicht unbedingt gewinnbringend hinsichtlich der Produktqualitäten sein kann. Und diese Vermutung hat sich dann auch bei unserem Antrittsbesuch bestätigt. Wir konnten durchaus sehr klar das Potenzial erkennen, das die Küche von Johannes Rudloff hat – aber eben auch die Probleme, die ein großes Repertoire und reger Betrieb am Wochenende zwangsläufig mit sich bringen.

Sehr gut gefallen hat uns beispielsweise die Vorspeise „Vitello Tonato in moderner Handschrift“. Für diese zwar sehr kompakt, aber auch recht locker und differenziert angerichtete Vorspeise aus rosasaftigem Kalbsrücken, der zusammen mit knusprig frittierten und saftig eingelegten Kapern, Senfsaat, säuerlich eingelegten grünen Tomaten und Röstbrotchips rund um mit dem Isi-Whip schaumig ins Zentrum gesprühte Thunfisch-Espuma drapiert war, hätten wir gut und gerne 5 Pfannen gegeben – und nur die völlig überflüssigen Sprossen weggelassen, die auch fast jeden anderen Teller zierten.

Die auf einer weiteren saisonalen Zusatz-Sparte mit dem Titel „Frühlingsmomente“ angeführte Vorspeise „Spargel und Zitrus mit Mandel“ ging ebenfalls klar in diese Richtung, wenngleich auch hier etwas weniger mehr gewesen wäre und der weiße Spargel gegenüber dem knackigen Grünen viel zu weich gegart, respektive confiert war. Was da aber sonst zusammen mit gerösteten Mandeln auf einem süffigen Bett aus Buttermilch-Emulsion und zitrischer Orangen-Vinaigrette entstand, war schon eine ansprechende, frische Kreation mit erfrischender Dynamik.

Weniger begeistert waren wir von den Kostproben der Hauptgerichte mit Fleisch, was ausdrücklich nicht damit zu tun hatte, dass hier deutlich gegenständlicher und zupackender aufgetischt wird als bei den Vorspeisen. Beim Gulasch vom heimischen Wild etwa war das Schmorragout uncharmant trocken, während die sehr fleischige, kaum erkenntlich von Säure oder etwaigen anderen Auflockerungsmaßnahmen beeinflusste Schmorsauce mit gebratenen Champignons und die schmelzigen Kartoffelknödel mit Butterbröseln on top doch zumindest ein sehr solides Mahl abgaben – hinsichtlich des Preises jenseits der 30 Euro aber in punkto Finesse hinter den Erwartungen zurücklieben.

Solidität konnte man auch beim Hauptgang des von 3 bis 7 Gängen offerierten Menüs dem Semmelknödel in einer zwar mit ein paar Spuren Kräuteröl marmorieren und einer Spur Preiselbeeren akzentuierten, aber dennoch eher breit und behäbig wirkenden Champignon-Rahmsauce attestieren. Die Rehrückenmedaillons, die eigentlich das Highlight des Tellers hätten darstellen sollen, waren jedoch indiskutabel: scheinbar zuvor in einer viel zu sauren und überdies stark mit Wacholder und pfeffrigen Noten überlagerten Lake eingelegt, rosa vorgegart, dann aber vor dem Servieren nochmal auf den Anschnittflächen (!) nachgebraten, waren sie nicht nur matt und mürbe, sondern mit ihrem fast beißenden Säure- und Wacholder-Stich im Grunde ungenießbar.

Souveräner gelingen Nachspeisen wie die „Hommage an Oma Rudloff“ in Gestalt von Quarkbällchen mit Schokoladensorbet, Schmandcreme und Wildpreiselbeercreme auf einem Fruchtspiegel oder ein „zerstörter Thüringer Schmandkuchen“ mit in Portwein eingelegten Kirschen, Thüringer Schmandkucheneis und Crumbles – sofern man sich davor noch genügend Kapazitäten dafür aufgespart hat, denn die Portionen sind allesamt großzügig bemessen.

So sind wir uns nach dem Erstbesuch sehr sicher, dass hier mit der Reduktion auf deutlich weniger Gerichte auch ein deutlich konstanteres Niveau erreicht werden könnte, mit dem die Küche dann sogar eine Bewertung von 5 Pfannen verdient hätte. Denn grundsätzlich ist das ein schönes Konzept mit sehr ansprechenden Gerichten in allen Sparten. Und selbst wenn man die Karte halbieren würde, wäre noch genügend Auswahl für Gäste mit völlig unterschiedlichen Bedürfnissen vorhanden…

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