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Fotos: Gude Stub - Casa Antica

Gude Stub - Casa Antica

Dreherstr. 9
77815 Bühl
07223-30606

aktualisiert: 05 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Fr von 11.45-13.30 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Sa ab 17.30 Uhr, So u. Mo von 11.45-13.30 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Di Ruhetag
Hauptgerichte: 18-39 €,
Menüs: 55-73 €

Auch wenn der Name „Gude Stub“ das nicht unbedingt auf den ersten Blick vermittelt, handelt sich bei diesem überaus charmanten Fachwerkhaus mitten in Bühl um ein mit maximaler Leidenschaft, überdurchschnittlichen Ambitionen und sehr viel Können geführtes italienisches Gasthaus. Und zwar eines jener ganz wenigen hierzulande, dessen Küche auch in Italien vor heimischem Publikum sehr gut bestehen könnte. Besonders schön ist es hier im Sommer, wenn auf der Mauer der Terrasse Tomaten, Basilikum und leuchtend bunter Mangold in üppiger Fülle wachsen und gedeihen. Dazwischen ein Schild mit dem programmatischen Satz: „Unsere Küche entsteht durch die Einhaltung der Traditionen, die mit dem Gebiet verbunden sind. Es ist eine Verbindung zwischen der Natur und der Sehnsucht der guten Dinge der Vergangenheit“.

Zu Gast bei Familie Alesi fragt man sich, weshalb Lokale mit echter, unverstellter italienischer Küche wie dieses hierzulande noch immer so selten sind. Die Casa Antica mit ihrem mundartlichen Beinamen bildet nämlich die erfreuliche Ausnahme unter den zahllosen ambitionslosen Ristoranti, die gnadenlos eingedeutschte Italianità servieren. Küchenchef Andrea Alesi kocht nicht nur traditionsbewusst und mit bemerkenswertem Sinn für Authentizität, sondern kauft auch Rohstoffe von überdurchschnittlicher Qualität ein. Vom Brot über die Pasta bis hin zu den Salumi stellt er nahezu alles selbst her – und das in beachtlicher Güte!

Schon deshalb lohnt es sich eigentlich immer, das Essen mit einer Auswahl hausgemachter Wurstwaren zu beginnen, denn viel besser bekommt man Derartiges selbst jenseits der Alpen kaum serviert. Überhaupt dürfte es Freunden echter italienischer Regionalküchen hier schwerfallen, sich zu entscheiden. Denn sowohl die Tageskarte als auch die regelmäßig wechselnde Standardkarte bieten eine überschaubare, aber höchst verlockende Anzahl von Gerichten, die man wahrlich nicht an jeder Ecke findet. Die meisten basieren auf traditionellen Rezepturen authentischer Gerichte unterschiedlicher süditalienischer Provinzen. Manche werden von Andrea Alesi auch neu gedacht, ohne aber dadurch ihre Identität zu verfremden. Für modische Verrenkungen ist der Chef ohnehin nicht zu haben.

Der zwar als „gegrillt“ in der Speisekarte annoncierte, tatsächlich jedoch ganz ohne Röstaromen, aber in perfekter bissfester Zartheit auf den Teller gebrachte Pulpo beispielsweise kam auf einem mit grünem Apfelessig markant frisch und säuerlich abgeschmecktem, mit grünen Apfelwürfelchen bestücktem und mit Kräuterpuder bestäubtem Kartoffelstampf in einer eher ungewöhnlichen Begleitung daher. Hier hätten wir uns allenfalls noch einen guten Schuss grasiges Olivenöl für etwas mehr Volumen und vielleicht die eine oder andere Salzflocke zur Optimierung vorstellen können – aber auch so war das ein attraktiver Start, der voll und ganz auf der Linie lag, die wir hier aus der Vergangenheit kennen und schätzen.

Aus der Vergangenheit kannten und schätzten wir auch das fantastische Pastagericht mit „Busiata“, jener lockeren sizilianischen Spiralnudel, die hier ebenso selbstverständlich hausgemacht ist wie alle anderen Pastasorten. Und wie auch die hervorragende Salsiccia, die hier zusammen mit butterzart geschmorten Schweinerippchen und Pecorino in einem cremig-pikanten, aromatisch vielschichtigen Tomatensugo die perfekten Busiate begleitete. Ein nicht weniger als begeisterndes traditionelles Pastagericht. Und ein Musterbeispiel für die hier zelebrierte Cucina casalinga auf sehr hohem Niveau.

Auch wenn hier nie ausgesprochen elaboriert gekocht wird, war der Hauptgang diesmal für Alesis Verhältnisse merkwürdig rustikal, was insbesondere an einer nicht optimal geschmorten und noch etwas zähen Kaninchenkeule sowie an recht plumper Polenta Taragna lag, jener lombardischen Variante, bei der der Maisgries mit Buchweizenmehl angereichert wird. Da hatten es die mit dem Langohr geschmorten Wurzelgemüse und sehr wenig Schmorjus sehr schwer, einen adäquaten Ausgleich zu schaffen.      

Doch schon mit einer herausragend guten Cassata konnte der Chef das kurzzeitig unter die 5-Pfannen-Marke gesunkene Niveau sogleich wieder signifikant anheben. Die war aus Schafsmilch-Ricotta zubereitet und mit Cremes von weißer Schokolade, Pistazie und Bitterorange appliziert und schon solo eine kleine Sensation. Zusammen mit einem aromatischen Gelee von Marsala sowie eingelegter stückiger und zu Coulis pürierter Zwergorange ergab das ein sehr starkes Dessert mit viel Potential für einen festen Platz im kulinarischen Langzeitgedächtnis.

Die nicht bloß aufmerksame, sondern auch sehr sympathische Gastgeberin kann auf Wunsch mit stimmigen glasweisen Empfehlungen aus ihrer ausreichend mit italienischen Tropfen jenseits des Mainstreams der Großhändler-Paletten bestückten Weinkarte dienen. Und das Preis-Genuss-Verhältnis von Speis‘ und Trank ist hier nach wie vor ein bemerkenswert gutes.

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