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Fotos: GRETA OTO Munich

GRETA OTO Munich

Karlsplatz 25
80335 München
089-85840704216

aktualisiert: 12 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mo-Fr von 12-13.45 Uhr u. ab 18 Uhr, Sa u. So ab 18 Uhr, kein Ruhetag
Hauptgerichte: 20-97 €

Im erst 2024 wiedereröffneten Koenigshof, der sich jetzt ganz polyglott mit „oe“ schreibt, präsentiert die MHP-Gruppe eines von insgesamt drei Outlets des von unterschiedlichen lateinamerikanischen Küchenstilen inspirierten Restaurantkonzepts Greta Oto – die anderen beiden befinden sich im JW Marriott Hotel Frankfurt und im ebenfalls neu eröffneten Hotel der Luxusmarke Conrad im historischen Levantehaus in Hamburg. 

Das von einem renommierten spanischen Architekturbüro neu gestaltete Haus gegenüber des Münchener Stachus beeindruckt mit seinem minimalistischen wie futuristischen Stil. Angefangen bei der hohen, wie ein Lichthof anmutenden Eingangshalle bis hin zum dunkel, elegant und modern im „Moody-Look“ eingerichteten Restaurant im neunten Stock, das teilweise mit dschungelartig anmutenden Elementen wie großen, die Gäste anstarrenden Wildkatzen an den Wänden gestaltet wurde. Und einen herrschaftlichen Ausblick auf die nahegelegenen Wahrzeichen Justizpalast und Stachus sowie die Dächer der Stadt gibt.  

Für die Leitung der Küche wurde der gebürtige Allgäuer Hannes Reckziegel engagiert, den wir zuletzt schon mal während eines Intermezzos als Küchenchef im Restaurant Schwarzreiter in leitender Position erlebt hatten, und der nun hier die in allen drei Outlets identische Karte auf seine Art umsetzt. Man sitzt im Greta Oto zwar in einem höherpreisigen Fine-Dining-Restaurant, aber sowohl die Atmosphäre als auch die Gangart des Teams und nicht zuletzt das kulinarische Konzept sind betont lässig und entspannt. Es gibt keine für alle Gäste einheitliche Menü-Inszenierung und kein überbemühtes Gefrickel auf den Tellern – stattdessen à la carte frei wählbare und synchron zum Teilen aufgetragene Gerichte mit mittel- und südamerikanischem Flavour.

Es ist zwar nicht das einzige Restaurant im Koenigshof, soll aber als Hotelrestaurant trotzdem eine möglichst breite Klientel ansprechen. So liegt es nahe, dass die Geschmacksbilder trotz authentischer Vorbilder eher dem europäischen Gaumen angepasst sind, als mit besonders forschen Akzenten mit Ecken und Kanten aufzuwarten. Das Ergebnis ist immer wohlschmeckend und bietet grundsätzlich überdurchschnittliches Niveau, aber eben eher gefällig und etwas zahmer, als herausfordernd – was ja kein Nachteil sein muss, wenn man es nicht darauf anlegt…

Als Amuse schickte das Team um Hannes Reckziegel ein samtiges Süppchen auf kräftiger Tomaten-Basis mit Kokos-Flavour und wohliger, dezenter Schärfe von Rocoto-Chili. Als eine der Vorspeisen, die hier zumeist synchron aufgetragen werden, wählten wir Aguachile, also eine Art mexikanisches Ceviche, das zumeist (wie auch hier) mit Garnelen zubereitet wird. Und tatsächlich waren die in große Stücke geschnittenen, wunderbar festfleischigen säuregegarten Krustentiere, die hier unter einer Haube aus Kokosschaum zusammen mit Gurkenwürfeln und herrlich aromatischen halbgetrockneten Tomaten zum Einsatz kamen, das große Pfund dieses Gerichts, das mit etwas mehr Finetuning beziehungsweise verschobenen Proportionen noch raffinierter und vielschichtiger hättet gestaltet werden können. Denn so wirkte das Ganze etwas eindimensional tomatenlästig, weil neben den recht großen vielen Tomaten auch der Sud auf Tomatensaft-Basis zubereitet war. Ein bisschen mehr zitrische Säure hätte hier auch Spaß gemacht.

Bei den „Taco Dirty Adobado“ war das Geflügelfleisch, anders als in der Karte annonciert (und zuletzt im Greta Oto in Frankfurt auch praktiziert), kein Pulled Chicken, sondern grob gewürfelte Hähnchenbrust, die zudem einen Tick zu trocken und fest geriet. Da ließ die Füllung der Teigfladen dann auch ein wenig das Süffige vermissen, was man sich hier vom saftigen gezupften Schmorfleisch im Idealfall erhofft. Trotzdem war auch das ein durchaus sehr schmackhaftes, wenngleich nicht sonderlich ausdrucksstarkes Gericht, denn Adobo-Sauce und Chipotle-Gravy hatten nicht so viel Durchschlagskraft, wie auch an der Salsa verde etwas mehr Säure und Schärfe nicht schlecht gewesen wäre (und sicher auch niemanden irritiert hätte).

Was auf jedem Teller positiv auffällt, ist die gute Qualität der Produkte. Der „Flamed Yellowtail“, also die gegrillte Gelbschwanzmakrele, konnte nämlich ebenfalls mit guter Produktqualität überzeugen, war ringsum beherzt angeröstet, im Kern aber noch recht roh belassen und generell eher weichfleischig. Das ließ den Fisch gegenüber seinen würzig-pikanten Mitstreitern, allen voran eine kräftig rauchige, animierend säuerliche Moqueca-Sauce mit würzig pikanter Sobrassada und fruchtigen Kontrast spendender Ananas, zwar etwas ins Hintertreffen geraten – gleichwohl war aber auch das mit seinem gekonnten Spiel aus Säure, Schärfe und Süße ein sehr wohlschmeckendes Gericht. Und dazu passte der sautierte Wildbrokkoli mit einer süßlich-würzigen Creme aus Mandeln und fermentiertem schwarzem Knoblauch ebenfalls prima, wenngleich das Gemüse gerne etwas beherzter angeröstet hätte sein können.

Zu zaghaft wurde unserer Ansicht nach mit der Hitze auch bei der karamellisierten Ananas hantiert, die zwar auf der Schnittfläche dezente Röstspuren hatte, aber ruhig noch etwas stärker hätte karamellisieren können. Doch sie war gut durchgegart und nicht bloß durch die Pfanne gehuscht. Und im Zusammenspiel mit Vanilleeis, erfrischendem Passionsfruchtspiegel und (verzichtbaren, weil uncharmant zähen…) Kakao-Crumbles ergab sich insgesamt ein sehr solides, wenngleich auch recht zahmes Dessert.

Wenn es dem Team also gelingt, der Küche in der Breite etwas mehr Facettenreichtum zu verleihen (sehr oft spielte entweder Ananas oder Kokos eine Rolle…) und sie in der Tiefe und im Detail noch etwas scharfgestellter und prägnanter wirken zu lassen, wäre problemlos auch eine noch höhere Bewertung denkbar. Den Service erlebten wir sehr freundlich und anfangs auch sehr aufmerksam, im Laufe des Abends aber zunehmend etwas indisponiert.

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