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Fotos: GourmetSTUBE Zur Neroburg

GourmetSTUBE Zur Neroburg

Hauptstr. 29
54570 Neroth
06591-3445

aktualisiert: 06 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Fr-So ab 17.30 Uhr, Mo-Do Ruhetag
Hauptgerichte: 25-40 €,
Menüs: 60-90 €

Im tiefen Off der nördlichen Vulkaneifel, etwa zehn Minuten vom Städtchen Daun entfernt, liegt die Ortschaft Neroth zum einen nicht an den Hauptverkehrswegen und hat zum anderen mit dem Mausefallen-Museum bislang auch nur eine eher skurrile Attraktion als „Publikumsmagneten“. Seit kurzem aber gibt es hier im Hotel Zur Neroburg, in dessen normalen Restaurant auch schon in den Vorjahren überraschend gut gekocht wurde, ein kleines Gourmet-Separee, das – so viel schon mal vorab – zum überregional bekannten Anziehungspunkt für genussaffine Menschen werden könnte. Zumindest dann, wenn es Küchenchef Kevin Müllerstein zukünftig gelingen sollte, in seine bereits vorhandenen beachtlichen handwerklichen Skills überwiegend eigene Ideen einfließen zu lassen.

Aktuell ist es nämlich nach wie vor so, dass der Chef sich von großen deutschen Köchen wie Jan Hartwig oder Christian Bau nicht einfach nur inspirieren lässt, sondern ihre Kreationen mitunter eins zu eins kopiert. Noch dazu, ohne sie in der Karte als Hommage zu kennzeichnen und somit den eigentlichen Urheber zu nennen. Und das könnte man fast schon als Schmücken mit fremden Federn bezeichnen. In den letzten Jahren, in denen im Gasthof ein paar von diesen durchaus sehr ambitionierten und auch handwerklich und geschmacklich gelungenen Plagiaten mit großem Überraschungseffekt neben bodenständiger Küche wie „Hausierertopf“, Cordon bleu mit Pommes oder Jägerschnitzel vom Eifelschwein offeriert wurden, war das weitaus unproblematischer als jetzt, wo man damit ein eigenes Kammerspiel in entsprechendem Rahmen unterhält und damit natürlich ganz automatisch auch selbst Lorbeeren einheimsen möchte. Hier sollte man nach unserer Auffassung schon mit offenen Karten spielen, oder besser noch: ausschließlich eigene Ideen verwirklichen… 

Natürlich ist auf den Tellern des nur vier Tische fassenden, modern schlicht umgestalteten Wintergarten-Vorbaus, in dem sich die Gourmetstube befindet, die von Freitag bis Sonntag ausschließlich abends kredenzt, längst nicht alles von irgendwem nachgekocht. Manchmal sind es auch nur einzelne Komponenten oder Präsentationsideen, die in ein Gericht einfließen. Das machen andere Köche auch. Und manches beruht selbstverständlich auch auf eigenen Ideen. Ein Lolly von der Entenleber, ein in der goldenen Eierschale servierter getrüffelter Eiersalat und ein Mini-Döner, gefüllt mit gezupfter Lammkeule, Kräuter-Joghurt, eingelegten roten Zwiebeln, mariniertem Rotkohl und Teardrop-Paprika, waren zum Auftakt jedenfalls nicht einfach bloß unterhaltsam neckische Kleinigkeiten, sondern hatten auch noch den „Nebeneffekt“, dass sie richtig gut geschmeckt haben. Der Entenleberlolly mit Bitterschokolade und Pistazie überraschte zum Beispiel mit einer sehr herben, wenig süßen Performance mit viel Produktcharakter und der Kebap schmeckte wirklich authentisch wie ein richtig guter Kebap, nur eben noch feiner und eleganter umgesetzt als die meisten Exemplare aus dem türkischen Imbiss.

Die Vorspeise „Tellersülze“ von geräuchertem Aal und Forelle im Meerrettichgelee hätte im Prinzip auch das Zeug dazu gehabt, ein rundum überzeugendes Gericht auf hohem Niveau abzugeben, jedoch hat sich das Team hier unserer Auffassung nach etwas zu sehr verkünstelt und verbastelt. Die kleine viereckige Zwei-Lagen-Sülze mit Logo-Prägung von der Neroburg war nett anzusehen, hatte dergestalt aber nicht genügend Produktcharakter für den ganz großen Aufschlag. So war es eine festcremige Komponente mit Räucherfischgeschmack, die mit Tupfen von Zitrusfrüchtegel und Räucherfischcreme appliziert neben einem kleinen Räucherfischsalat mit Kaviartopping („Royal Selection“) im Tartelette-Schälchen inmitten einer erfrischenden Buttermilchvinaigrette mit Meerrettich, Dillöl und Yuzu-Perlen schwamm. Geschmacklich harmonisch abgestimmt und hanwerklich sehr akkurat gearbeitet war das aber allemal.

Deutlich mehr Produktcharakter, nämlich richtig viel, brachte das mit Panko panierte und kross ausgebackene Milchkalbsbries in perfekter Zubereitung und Größe auf den Teller. Es thronte in zart-saftiger Idealform auf einem flachen Sockel aus Kohlrabiwürfeln à la Creme und war mit einer Scheibe gepickeltem Kohlrabi getoppt, auf die wiederum Senfcreme, Kräutersalat mit Liebstöckel und Blüten appliziert waren. Umspielt von einer nach unserem Dafürhalten etwas zu ruppigen, weil stark und etwas unausgewogen säurebetonten Kohlrabi-Vinaigrette, die mit Senfsaat, Kalbsjus und Liebstöckelöl marmoriert war. Und exakt so in Manuel Ulrichs Kochbuch „Ösch Noir“ zu finden!

Aus einem von Christian Baus Werken entstammte das folgende Gericht rund um (hier kanadischen) Hummerschwanz, der mit currywürzigen Bröseln aus gerösteten Haselnüssen bepulvert zwischen Hummer-Hollandaise und Hummerjus auf dem Teller lag. Und zwar wieder nahezu identisch begleitet von Edamame-Kernen, Erbsencreme und verschiedenen Zucchini-Komponenten wie Scheiben von gegrillten Mini-Zucchini, in Tempurateig ausgebackener Zucchiniblüte und jener ikonischen zweifarbigen Schleife aus gedünsteten gelben und grünen Zucchini-Scheiben, wie man sie als Beiwerk-Komponente von manchem Teller des Großmeisters aus Perl-Nennig kennt.

Der äußerst dekorativ und sehr akkurat mit gelierter Aprikosen-Lavendel-Folie, glasierten Morcheln und verschiedenen Aprikosen-Komponenten bestückte, zuvor am Knochen trockengereifte Rücken eines in heimischen Wäldern geschossenen Rehs war zumindest in der Art seiner Präsentation und auch in Kombination mit Purple-Curry-Jus etwas, das man ähnlich auch von Christian Bau oder Klaus Erfort kennt. Wobei uns das in der spezifischen Form, nämlich kombiniert mit Pastinakenpüree und Aprikosengel, auch dort noch nicht untergekommen war.

Ähnlich das Dessert, dessen Titel „Spaziergang durch Japan“ gewisse Assoziationen hervorrief. Und dann als Milchreis unter Mango-Espuma im Hippen-Ring nebst Eis von Matcha-Tee und zu exakt geschnittenen und über Eck angeordneten, teils karamellisierten Würfeln von Drachenfrucht, Mango und Kiwi sowie Tupfen aus deren Pürees, mit typischen Signature-Elementen den Eindruck vermittelte, dass man das zumindest ähnlich alles schon mal irgendwann bei Christian Bau auf Schloss Berg gegessen hat. Geschmeckt hat es tadellos und attraktiv umgesetzt war es mit charmanten Konsistenzen und gut herausgearbeiteten Aromen in allen Komponenten allemal.

Wir haben lange überlegt, ob wir aufgrund so vieler offensichtlicher Plagiate überhaupt eine Bewertung geben sollen, uns dann aber dazu durchgerungen, diesmal nur die (sehr gute!) Leistung auf den Tellern zu bewerten, jedoch das Fehlen der eigenen Kreativleistung klar anzusprechen. In der Hoffnung, dass das Kevin Müllerstein und sein Team anstachelt, künftig weniger nach links und rechts zu schauen. Denn das handwerkliche Können ist hier durchaus vorhanden. Ob auch das Gespür für Aromen und Produkte groß genug ist, um über die Distanz eines kompletten Menüs eigene Ideen auf einem ähnlichen Niveau umzusetzen, muss sich erst noch zeigen.

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