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Fotos: Genießer Stube

Genießer Stube

im Landhaus Biewald
Weghausstr. 20
37133 Friedland
05504-93500

aktualisiert: 12 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag 
Menüs: 80-125 €

Nicht nur wegen der pittoresken Fachwerk-Idylle lohnt sich der Weg in den südlichsten Zipfel Niedersachsens, der geschichtsträchtig die ehemalige deutsch-deutsche Grenze markiert – auch kulinarisch ist die aus vierzehn Ortschaften bestehende Gemeinde gut aufgestellt. Das liegt unter anderem am breit gefächerten Angebot von Familie Raub, die mit dem Landhaus Biewald, dessen Historie sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, eine echte gastronomische Institution verantwortet. Die Küche von Küchenchef Daniel Raub in dessen Gourmetrestaurant Genießer-Stube gibt’s weiterhin allabendlich als wahlweise bis zu achtgängiges Menü und sie präsentierte sich uns auch heuer im gewohnt puristischen und produktorientierten klassischen Stil. Während der Corona-Zeit kann man übrigens auch à la carte bestellen und sogar mittags von der (etwas reduzierteren) Gourmet-Karte wählen.

Schon die mit Lardo gratinierte Maresto-Auster, die neben luftig aufgeschlagenem Ziegenkäse die reiche Auswahl an hausgebackenen Mini-Brötchen flankierte, aber auch das darauffolgende feinschmelzige Thunfisch-Carpaccio mit dezent limonensaurer Vinaigrette, schmeichelnder Avocadocreme und krossen Topinambur-Chips, zeigten gleich zu Beginn, was die Küche ausmacht: klar definierte Geschmacksbilder, die aus dem Zusammenspiel von exquisiten Produkten und souverän schnörkellosem Handwerk entstehen.

Ähnlich wie beim rauchig angegrillten Felsenoktopus mit seinem zarten Biss, der zusammen mit einem filigranen krossen Kartoffelring auf dillwürzigem Wildkräutersalat mit Artischockenwürfeln angerichtet war. Oder bei der schon zum Hausklassiker avancierten reintönigen Parmesanschaumsuppe, die diesmal auf dem Tellerrand von zwei opulenten fleischigen Kaisergranaten begleitet wurde, welche den milden, rahmigen Umamigeschmack des Süppchens mit ihrer süßlich-jodigen Note bereichern konnten.

Als überzeugend selbstbewusste Verbeugung vor der „Alten Schule“ lieferte auch die anschließende Seezungen-Roulade harmonisch ausgereifte Gourmandise: der festfleischige, akkurat zur Schnecke gerollte und auf der Oberseite sorgfältig angebräunte Plattfisch mit seinem leicht nussigen Eigengeschmack wurde ganz traditionell und minimalistisch nur von ein paar grünen Spargelspitzen und einer generösen Menge Kaviar eskortiert. Letztere sorgte sowohl als Nocke auf der Seezunge, als auch in der schön säurestraffen Beurre blanc für luxuriösen, jodig-mineralischen Gaumenkitzel.

Ein attraktives Löffelgericht mit hohem Soulfood-Faktor bescherte uns sodann der kleine Ausflug in das „4-Tassen-Mittagsmenü“ mit der Kombination von Kalb, Ei und Kartoffel, die sich deutlich raffinierter und vielschichtiger präsentierte, als zunächst erwartet. Das Kalb war hier nämlich als animierendes Trio in Gestalt rosa kurzgebratener Filetstreifen, einer frittierten Praline vom Kalbskopf und saftiges Bries zugegen, die in einer großen Tasse auf einem köstlich süffigen Schichtwerk aus (von unten nach oben) cremig gestocktem Eigelb, buttrigem Kartoffelpüree und Kalbsjus thronten.

Und während wir von unserem letzten Besuch den Hauptgang noch als einzigen nennenswerten Kritikpunkt im Gedächtnis hatten, zeigte sich heuer auch dieser durchwegs überzeugend in Szene gesetzt: Ein saftstrotzendes Bison-Filet, das auf einem Podest von fluffiger Polenta und knusprigem Pancetta-Speck saß, liierte der Chef mit süß-säuerlichen Portweinzwiebeln und hocharomatischen kleinen Pfifferlingen in einer mittelbraunen, leicht rahmig gebundenen Sauce. Intensive Geschmacksnuancen, harmonisch ineinandergreifende natürlich Texturen, klug gesetzte Kontraste – so funktioniert die schnörkellose Genussküche à la Daniel Raub!

Als augenzwinkernde Wertschätzung des Loriot’schen „Kosakenzipfels“ läutete ein Mini-Windbeutel mit Mokkacremefüllung und krönendem Zitronenbällchen das süße Finale ein, das die Speisefolge mit einer fruchtsäuerlichen und blätterteigknusprigen Reineclauden-Tarte mit Kürbiskerneis und Nougatschaum auf Augenhöhe mit dem restlichen Menü abschloss.

Gastgeberin Anne Raub leitet mit ebenso viel Verve wie Sachverstand das ansonsten rein männliche Serviceteam. Ihren glasweisen Empfehlungen aus der national wie international recht gut bestückten Karte kann man dabei bedenkenlos folgen und wird sicher nicht enttäuscht.



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